Bürgerinitative

Über 1000 Menschen protestieren gegen Bahntrasse bei Plankstadt

Das ist rekordverdächtig: Über 1000 Menschen, darunter viele Bürger der betroffenen Kommunen, Landwirte und Politiker, stehen gemeinsam zusammen und protestieren friedlich gegen die Bahntrasse.

Von 
Catharina Zelt und Marco Montalbano
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Viele Menschen sind gekommen. © Lenhardt

Plankstadt/Eppelheim. Gänsehautfeeling herrscht am Sonntagabend auf dem Weg zwischen den Feldern vom Eppelheimer Birkenhof zum Wasserwerk Plankstadt. Eng beieinander stehen die Menschen – über 1000 sind es laut Polizeiangaben – halten sich an den Händen und schauen sich dabei entschlossen in die Augen, wissend, dass Gemeinsamkeit stark macht.

LED-Leuchten, Kerzen oder Lichterketten brennen. So entsteht eine menschliche Mauer quer zum geplanten Trassenverlauf, der durch „Mahnfässer“ sichtbar gemacht wird, in denen Feuer hoch in den Abendhimmel lodert, der nun durch die Lichterkette symbolisch zerschnitten wird. Doch nicht nur die Menschen aus Eppelheim und Plankstadt sind gekommen, sondern auch aus Oftersheim und Heidelberg. Neben Infoständen der Bürgerinitiave (BI) „Keine Bahntrasse“ haben Landwirte ihre Traktoren aufgestellt und Plakate mit einer klaren Botschaft befestigt, die auch auf vielen Schildern steht. Neben zahlreichen Gemeinde- und Stadträten sind gleich drei Bürgermeister anwesend: Nils Drescher aus Plankstadt, Patricia Rebmann aus Eppelheim und Oberbürgermeister Eckart Würzner aus Heidelberg. Nils Drescher teilt mit: „Ich bin überwältigt. Die Bevölkerung steht geschlossen dagegen. Wir sehen die Strecke von Mannheim bis Karlsruhe als Ganzes. Die Variante, die wir entschieden ablehnen, ist die einzige ohne Tunnel und damit die finanziell günstigste. Aber so billig kommt uns die Bahn nicht davon.“ Patricia Rebmann meint: „Heute bin ich wirklich stolz auf Eppelheim. So viele sind gekommen. Die Eppelheimer sind schon mal gelaufen, als es galt, die Eingemeindung nach Heidelberg abzuwenden – und waren erfolgreich. Heute laufen sie wieder. Wir haben die Felder hier nicht umsonst erhalten.“

Das Heidelberger Stadtoberhaupt Eckart Würzner betont, dass es eine andere Trassenvariante gebe, die aus unerfindlichen Gründen schon aussortiert worden sei, die er befürworte. „Wichtig ist die klare Botschaft: Es gibt Streckenvarianten, die nicht durch unsere intakte Feldflur laufen, die es unbedingt zu erhalten gilt. Wir hatten uns deswegen auch früher schon bewusst gegen den Bau eines großen Wohngebiets beim Grenzhof entschieden und somit für unsere Landwirtschaft.“ Er habe diese Woche deswegen mit Bundesverkehrsminister Dr. Volker Wissing gesprochen und ihm die ablehnende Haltung verdeutlicht.

Gekommen sind Menschen aller Altersklassen – Kleinkinder, Schüler, Familien, Senioren. Die Schilder fest in der Hand läuft ein Teil entlang der Menschenkette. „Hier kommt ihr nicht durch“, rufen sie laut. Sie sind bereit, sich der Bahn mit aller Kraft in den Weg zu stellen.

Teilnehmerin Marianne Herrmann meint emotional: „Das ist doch Wahnsinn. Eine Bahnstrecke mitten durch den Schulweg so vieler Schüler, die von den umliegenden Orten nach Eppelheim kommen. Wie oft wird die Schranke unten sein? Da kommen doch alle zu spät.“ Tochter Anne aus Plankstadt ergänzt: „Es muss ein Ende haben mit immer ‚höher, schneller, weiter‘. Der Mensch muss wieder im Mittelpunkt stehen.“

Für die Landwirte geht es um nichts geringeres als ihre Existenz. Viele von ihnen sind gekommen – der Kurpfalzhof Heidelberg verteilt Äpfel „von hier“, der Bauernhof Koch bietet Bratwürste an und an einem Pavillon informieren Landwirte aus den betroffenen Gebieten mit Plakaten. „Ich finde es super, wie die Menschen um ihren Lebensraum kämpfen“, sagt Horst Fießer, Landwirt und Stadtrat in Eppelheim. Der Boden an dieser Stelle sei unwiederbringlich – und auf diesem Boden produzieren die Bauern regionale Lebensmittel. Die Gebiete dienten darüber hinaus der Naherholung und „wir Landwirte arrangieren uns prima mit den Spaziergängern.“

Ann Miller-Rauch aus Plankstadt, die bei der BI mitwirkt, verdeutlicht gegen Ende: „Wir hatten alle Gänsehaut. Gerechnet hatten wir mit 200 bis 400 Leuten.“ Laut Veranstalterangaben seien es letztlich sogar über 1300 Menschen gewesen, die ein Zeichen setzten und der Bahn ein klares Signal sendeten.

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Redaktion Redakteurin Print und Online - zuständig für Plankstadt und Eppelheim

Freier Autor Freier Journalist. Davor Pressereferent. Studium der Politikwissenschaft.

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