Hockenheimring - Sollen die Bürger ihr Erholungsbedürfnis am Eventkalender ausrichten? / Harsche Kritik an den Verantwortlichen An Arroganz nicht zu überbieten

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Zu den Leserbriefen zum Lärm, der vom Hockenheimring ausgeht, erreichen uns mehrere Briefe: Manchmal ist es an der Zeit, auch seine Meinung kundzutun, besonders wenn einem bald der Kragen platzt. In den letzten Wochen waren wieder Briefe in der Zeitung zu lesen, die den unerträglichen Lärm des Hockenheimrings betreffen. Und diese Beschwerden sind mehr als gerechtfertigt.

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Mit welchen Unannehmlichkeiten sich die Hockenheimer Einwohner und die der umliegenden Gemeinden herumärgern müssen, ist ja hinlänglich bekannt. Vor allem die Dauerbeschallung bei einem Lärmpegel, der in der freien Wirtschaft sofort zum Tragen eines Ohrschutzes gesetzlich verpflichten würde. Dazu kommt bei Großveranstaltungen ein von Besuchern (entschuldigen sie den Ausdruck) zugeschissener Stadtwald rund ums Pumpwerk und den Waldfestplatz, der seinesgleichen sucht. Aber wegen jedem Hundehaufen wird ein Fass aufgemacht, als wäre es die größte Umweltverschmutzung, wobei die tierischen Hinterlassenschaften nichts auf öffentlichen Wegen, Parks oder gar Spielplätzen zu suchen haben.

Ich will mich aber jetzt nicht in Einzelheiten verlieren, sondern auf die Dreistigkeit des Rings eingehen, welche ich dieser Tage erlebt habe. Mitte Mai wurde ich im Krankenhaus Schwetzingen operiert. Selbst in der Klinik konnte man bei schönem Wetter nicht das Fenster öffnen, ohne dass man meinte, selbst Zuschauer auf dem Ring zu sein. Ende Mai war ich wieder zu Hause und wollte mich bei sonnigem Wetter zur Genesung etwas in den Garten legen, Pustekuchen. Der Lärm war nicht auszuhalten.

Da beschloss ich, den Ring höflich darum zu bitten, mir die Genehmigungen für die Lärmbelästigungen zukommen zu lassen. Ich wollte schwarz auf weiß sehen, womit ich leben muss. Die freundliche Antwort, die ich einige Tage später erhalten habe, ist meiner Ansicht nach an Arroganz nicht zu überbieten.

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Hier die Mail: „Wir bedauern es, dass Sie sich durch die stattfindenden Veranstaltungen gestört fühlen. Können Ihnen aber versichern, dass alle Veranstaltungen strikten Lärmschutzauflagen unterliegen, welche in ständigen Kontrollen überprüft werden. Wir bitten Sie allerdings um Verständnis, dass wir aus Datenschutzgründen keine Dokumente an Dritte weitergeben dürfen.

Um vor allem den Anwohnern eine gute Transparenz hinsichtlich der geplanten Termine zu geben, finden Sie in der Regel unseren Eventkalender auf der Homepage (https://www.hockenheimring.de/events/event-kalender/). Leider ist es Corona-bedingt sehr schwierig, einen vollständigen Kalender darzustellen, da es hier immer wieder zu kurzfristigen Anpassungen kommen muss. Um Ihnen dennoch eine bessere Planbarkeit zu Veranstaltungen zu ermöglichen, finden Sie in unserem Eventkalender nun alle Wochenend- und Feiertagsveranstaltungen. Sobald wir eine bessere Einschätzung hinsichtlich der Streckenbelegung unter der Woche gewährleisten können, werden wir dies natürlich auch anpassen.“

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Ich frage nur „hääähhhh“?

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Soll das heißen, um einen Hörschaden zu vermeiden, soll ich erst in den Terminkalender es Rings schauen, bevor ich ein Fenster öffne oder den Garten genießen will? Wie frech ist das denn? Als ich vor über 30 Jahren nach Hockenheim zog, war ich stolz darauf, Bürger dieser Stadt zu werden. Die paar Wochen Lärm bei Großveranstaltungen waren zu ertragen und der Bürger sowie die Vereine wurden auch noch in das Geschehen eingebunden. Mit dem Umbau Anfang der 2000er wurde der Kontakt zur nahen Bevölkerung weiter zurückgefahren. Der Ring entwickelte sich immer mehr zur Belastung für Bürger und Stadt.

Reinhard Marlok, Hockenheim

Radaubruder Motodrom

Neuerdings melden sich Leserbriefschreiber zu Wort, die sich durch die ständige Lärmbelästigungen – auch an Sonn- und Feiertagen – auf dem Ring beeinträchtigt fühlen. Ihnen möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich zustimmen. Ich fühle mich nicht als Sprecher für die Bewohner im Birkengrund, Hardtwaldsiedlung oder auch für die Bürger aus Ketsch, sondern als direkt Betroffener. Je nach Wetterlage und Windrichtung ist es ein Glücksspiel, ob man gerade am Wochenende Stunden der Entspannung im Freien oder hinter verschlossenen Türen verbringen muss.

Die Bürgerinitiative Stille Schiene Hockenheim fordert seit vielen Jahren mit Recht eine menschenverträgliche, umweltgerechte und zukunftstaugliche Lösung für zigtausende betroffene Bürger. Diese BI hat die Zeichen der Zeit erkannt. Als Nicht-Hockenheimer darf ich mir persönlich aber auch die Frage erlauben, warum der Ring als unerträgliche Lärmquelle außen vor ist? Macht der von eigenem Grund und Boden ausgehende Lärm nicht ebenso krank wie der von der Schiene? Eine plausible Erklärung kann ich persönlich nicht finden.

Die Deutsche Bundesbahn zahlt der Stadt Hockenheim mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Gewerbesteuer im Gegensatz zur Ring GmbH. Dort ist aber ein erlauchtes, elitäres Klientel unterwegs. Der kleine Mann und auch ein Hartz-IV-Empfänger werden dort kaum zu finden sein.

Nachdem die Jagd auf die Autofahrer in unserem Land eröffnet ist – kräftige Erhöhung der Bewohnerparkausweise in den Städten, die vom Bündnis 90/Die Grünen forcierte Benzinpreiserhöhung von 16 Cent pro Liter und autofreie Städte – sollte sich die zuständige Genehmigungsbehörde ernsthafte Gedanken machen, ob für diese PS-Boliden weitere Freifahrtscheine bezüglich Umweltbelastung und Lärmverursacher ausgestellt werden können. In Berlin ist bekannt, dass sich die von uns gewählten Volksvertreter den Lobbyisten die Türklinken in die Hand geben. Und bei uns? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Wenn bei uns der Amtsschimmel wiehert, dann wiehert er – wie gewohnt – sehr kräftig. Für die Hobbyangler besteht ein Nachtangelverbot. Warum? In früheren Jahren war ich selbst begeisterter Angler. Eine Sportart, bei der eine Lärmverursachung nicht vorhanden ist. Die zuständige Behörde sollte hier einmal öffentlich und plausibel erklären, warum bei uns ein Nachtangelverbot besteht und gleichzeitig für den Radaubruder Ring weiterhin Freifahrtscheine ausgestellt werden.

Sollte ich mich mit meinen Gedanken zu weit aus dem Fenster gelehnt haben, so habe ich keine Probleme, mich dafür zu entschuldigen. Bei uns sollte noch immer der Grundsatz Gültigkeit haben: Gleiches Recht für alle.

Dieter Maurer, Ketsch

Ist das Umweltschutz?

Vielen Dank für die Veröffentlichung der Leserbriefe zum Thema Lärmbelästigung durch das Hockenheimer Motodrom. Die von den Herren Lackner und Müller angesprochenen Punkte entsprechen voll und ganz meiner Meinung, die ich bereits an anderer Stelle (Umfrage „Hockenheim macht mit“) sowie durch E-Mails an Andreas Sturm (MdL der CDU) auf seine Frage „Was bewegt Sie in Hockenheim“ kundgetan habe.

Ich möchte hier gern auf den von Ralf Lackner angesprochenen Teilerfolg im Streit mit der Deutschen Bahn eingehen, der von einem gespaltenen Verhältnis der Stadt Hockenheim im Umgang mit Lärmemissionen und Umweltpolitik zeugt und ein Schlag ins Gesicht aller durch das Motodrom geplagten Bürger darstellt.

Einerseits möchte man von der Bahn, einem Unternehmen, das relativ klimagünstig Güter und Menschen von A nach B transportiert, den Bau eines Lärmschutzwalls mit der stattlichen Höhe von acht Metern erstreiten, andererseits beschallt man von der gegenüberliegenden Seite ungeniert fast das gesamte Rhein-Neckar-Dreieck und emittiert hier Lärm und Schadstoffe, ohne jeglichen Zweck damit erfüllen zu können oder zu wollen.

Für die Einwohner Hockenheims sowie der umliegenden Gemeinden ist längst die Schwelle des Erträglichen überschritten. Ich hoffe inständig, dass endlich weitere geplagte Anwohner ihre Meinung zu diesem brisanten Thema äußern und damit ein Umdenken in den Reihen der Kommunalpolitik erwirken können.

Claus Güppner, Hockenheim