Schwetzingen - Wiedereröffnung freut die Menschen – die „Begleiterscheinungen“ allerdings weniger

Bürokratie verdirbt Lust auf den Schlossgarten

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Diese Blütenpracht haben die Schlossgartenbesucher vermisst. Um sie jetzt zu sehen, muss ein negativer Corona-Test vor dem Parkbesuch her und ein Zeitfenster gebucht werden. © Lin

Zum Artikel „Endlich wieder in den Schlossgarten!“ (SZ-Ausgabe vom 27. April) wird uns geschrieben:

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Wie groß war meine Freude, als ich las, dass der Schlossgarten wieder geöffnet wird. Die Ärzte und Virologen appellieren ja auch an die Bürger, sich vornehmlich im Freien aufzuhalten, weil 99,9 Prozent der Infektionen in Innenräumen stattfinden.

Meine Freude wurde aber sehr gedämpft, als ich auf Seite 9 das „Kleingedruckte“ las: Außer der obligatorischen Jahreskarte benötige ich eine vorherige Onlinebuchung mit Zeitfenster sowie einen negativen Corona-Test.

Ich wohne in der Nähe des Seiteneinganges, Nähe Krankenhaus, wäre also in fünf Minuten im Schlossgarten, muss aber für einen Besuch im Schlossgarten zuerst in die Stadt in die Wollfabrik zum Testen. Dazu muss ich mich vorher zwecks Zeitfenster online anmelden und bekomme einen QR-Code als Bestätigung, den ich auf ein Smartphone laden muss. Da ich weder ein Handy noch ein Smartphone habe, scheitere ich schon hier. Ich kann angeblich aber auch ohne gebuchtes Zeitfenster zum Testen kommen, weiß aber nicht, wie lang die Wartezeiten sind. Parallel dazu muss ich ja auch online ein Zeitfenster für den Besuch im Schlossgarten buchen. Auch hier wird ein QR-Code erstellt, der – wir ahnen es – auf das Smartphone geschickt wird, das ich nicht habe. Eine Bestätigung per E-Mail scheint auch möglich zu sein. Die muss dann wohl ausgedruckt werden, um am Eingang vorgezeigt werden zu können. Leider habe ich keinen Drucker, sodass ich auch hier wieder der Verlierer bin.

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Es wird heute anscheinend als selbstverständlich vorausgesetzt, dass alle Menschen ein Handy oder Smartphone und eine komplette Computeranlage einschließlich Drucker zu Hause haben. Menschen wie ich, die sich ganz bewusst technisch nicht so hochrüsten möchten, sind in der heutigen Gesellschaft die Verlierer – unser Schlosspark bleibt mir verschlossen. Ich werde also weiterhin meine Runden hinter dem Schlosspark am Feldrand entlanglaufen. Hier kommen mir auf schmalen Wegen Leute entgegen, die nebeneinanderlaufen, ohne sich Gedanken zu machen, Abstand zu mir zu halten. Gleichzeitig fahren Radfahrer so dicht an mir vorbei, dass ich froh sein kann, nicht umgefahren zu werden. Im Schlosspark wäre ich viel sicherer, auch im Hinblick auf die Aerosole. Wenn ich vormittags fast alleine meine Runden drehe, sehe ich kaum einen Menschen und wenn, könnte man sich großräumig aus dem Weg gehen – es könnte so einfach sein.

Regulieren wir uns allmählich zu Tode?

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Gaby Gehring, Schwetzingen

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Es ist sehr schön, wenn man in der Zeitung liest, dass der Schlossgarten wieder seine Tore öffnen darf, wenn auch nur für Dauerkarteninhaber. Zu dieser Gruppe gehöre ich ja zum Glück. Wenn man dann aber liest, dass man zum Eintritt in den Schlossgarten einen negativen Corona-Test braucht, dann frage ich mich, wer auf so eine schwachsinnige Idee kommt. Ich verstehe ja viele Maßnahmen, die wegen Corona sein müssen, und halte mich auch an diese Regeln, aber mittlerweile ist es so, dass man das Gefühl hat, man wird zum Narren gehalten. Vielleicht brauchen wir bald für einen Spaziergang im Wald auch einen negativen Corona-Test. Nicht nur, dass man für den Schlossgarten ein Zeitfenster buchen muss, das kann ich ja noch verstehen, dass man dann aber vorher noch schauen muss, dass man einen offiziellen negativen Corona-Schnelltest hat, der auch nicht älter als 24 Stunden sein darf, dann vergeht einem wirklich die Lust auf einen spontanen Besuch des Schlossgartens.

Gerade die Dauerkarteninhaber gehen ja mehrfach in der Woche gerne auf einen Bummel in den Schlossgarten. Das würde also heißen, man müsste dann in der Woche mehrfach diesen Corona-Schnelltest machen lassen, um Eintritt in den Garten zu bekommen. Ganz ehrlich, dann gehe ich lieber weiterhin, wie bisher, im Wald und in den Feldern spazieren. Das kann ich ganz spontan machen, muss kein Zeitfenster buchen und brauche zum Glück (noch) keinen negativen Corona-Test. Schade, denn ich bin ein absoluter Liebhaber des Schwetzinger Schlossgartens.

Uschi Wetzel, Schwetzingen