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Innerer Frieden schützt ungeborenes Leben

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Zum Beschluss des oberstes US-Gerichts zum Abtreibungsrecht erreicht die Redaktion folgende Zuschrift:

Deutschland und die USA sind beide Demokratien. Der Aufbau ihrer Verfassungen ähnelt sich: bundesstaatlich, mit Teilstaaten und einer zentralen Autorität, mit einem Präsidenten, einer Gesetzgebung aus zwei Kammern und einem obersten, dem Verfassungsgericht. Gleichzeitig gibt es jedoch deutliche Unterschiede. Die Bundesrepublik ist ein Sozialstaat. Sie bewahrt ihre Bürger vor Risiken und Nöten, denen sie in ihrem Leben ausgesetzt sind. Sie kümmert sich weitaus mehr als die USA um ihr Wohl und Wehe. Das reicht hinunter bis zu den Gemeinden, die alle Aufgaben zu übernehmen haben, die anderen Instanzen nicht übertragen wurden. Seit dem 24. Juni reicht diese Fürsorge des Staates bis zur Information über Namen von Ärzten, die Abtreibungen vornehmen.

Bevor der Bundestag dies beschloss, beklagte Justizminister Buschmann, dass bislang wissenschaftlich hoch qualifizierte Ärzte kriminalisiert würden. Das klang so, als würde wissenschaftliche Bildung davor bewahren, unmoralisch zu handeln. Hohe Bildung hat ja andererseits unsere Abgeordneten nicht davor bewahrt, sich um (wahlberechtigte) Wählerinnen mehr zu sorgen als um ihre ungeborenen Kinder.

100 000 Abtreibungen pro Jahr werden derzeit in Deutschland ohne ein besonderes Aufsehen vorgenommen. In den USA sind es mit einer viermal höheren Bevölkerung achtmal mehr. Pro Kopf die Hälfte weniger. Dennoch ein Grund zum Nachdenken: Es sind 300 getötete Embryos pro Tag, die niemand je sehen, von denen niemand etwas hören wird. Dass Gott jedem von ihnen mit der Empfängnis eine Seele verliehen hat, ist zwar nicht beweisbar, der Glaube daran lässt sich aber auch nicht widerlegen.

Hätten ihre Mütter es geschafft, sie ein paar Monate länger am Leben zu halten, hätte ihr Tod gewiss mehr Aufmerksamkeit geweckt. Wie im Fall der beiden jungen Polizisten, die nahe Kusel ermordet wurden. Über sie wurde eine Woche lang ständig gesprochen, für sie wurden Demos abgehalten und Gedenkgottesdienste begangen.

100 000 getötete Kinder pro Jahr, fast eine Million in den USA, angesichts der Möglichkeit, diese Zahl wie in einem anderen föderal-demokratischen Staat diese Zahl zu halbieren und möglicherweise weiter zu senken. Es klingt sehr plausibel, dass eine hervorragende Juristin und gläubige Christin wie Amy Coenen Barrett darin einen Grund sah, einzugreifen. Sie ist mit dem Supreme Court freilich nicht so vorgegangen wie die Bundesrepublik. Eine Pflicht zur Beratung durch eine mit Abtreibung nicht befassten Instanz, wie etwa Donum Vitae in Deutschland wurde nicht geschaffen oder angeregt. Der Kern des höchstrichterlichen Beschlusses beschränkte sich auf einen Satz: „Die Verfassung gewährt kein Recht auf Abtreibung.“

Wie hätte sie es vor 250 Jahren auch tun sollen, als sie geschrieben wurde? Es gibt ja auch kein Recht, ein Handy zu benutzen. Auch Abtreibungen zu verbieten, wird auf die Dauer nur Erfolg haben, wenn es einen schützenden Rahmen für werdende Mütter gibt. Und das wäre eine Aufgabe für private Vereinigungen, warum aber nicht auch für Städte und Gemeinden?

Es würde den inneren Frieden sichern.

Helmut Mehrer, Brühl

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