Klimaschutz war früher selbstverständlich

Lesedauer

Zu den Aktionen der Klimaschutz-Gruppe „Letzte Generation“ werden uns folgende Meinungen übermittelt:

Althergebracht bestellten viele kleine Landwirtschaften und Bauern ihre Felder. Mit Pferde- und Ochsengespann und viel schweißtreibender Handarbeit wurde die Erde bearbeitet. Gemäht wurde zur Erntezeit mit der Sense, das Getreide zu Gaben gebündelt. Kartoffeln wurden von Hand aufgelesen. Bauerngärten sorgten für Salate und Bio-Gemüse. Eine gesunde Vollversorgung für die Sommer- und Winterzeit.

Massentierhaltung gab es nicht. Fleischgerichte gab es zumeist nur einmal die Woche. Man freute sich tagelang auf den Sonntagsbraten. Zur Schule ging man zu Fuß, egal, wie weit. Die Winter waren in der Regel kalt und schneereich. Die Sommer warm bis heiß. Bei Wallfahrten wurde um Regen gebetet. Man lebte intensiv mit den vier Jahreszeiten.

Autoabgase waren kein Thema. Nicht selten waren nur der Arzt, Pfarrer und Bürgermeister mobil. Die Reichen waren mit Pferden unterwegs, Kutschen waren die Sportwagen der damaligen Zeit. Telefon gab es nur übers Fräulein vom Amt. Fernseher flimmerten, wenn überhaupt, nur schwarz-weiß mit zwei Programmen. Selbst Radios waren Luxusartikel. Das alles ist Nostalgie, nicht mehr zeitgemäß, aber Historie mit hohem Erinnerungswert.

Der Zweite Weltkrieg, der unsäglich viel Leid und Elend über die Menschheit gebracht hat, ist vorbei. Wer kennt aus dieser Zeit noch die Wörter „Trümmerfrauen“ oder „Rosinenbomber“. Sind „Wiederaufbau“ oder „Wirtschaftswunder“ ein Begriff. Liebe Leute, das solltet ihr aber kennen, denn das ist die Basis des heutigen Wohlstands.

Heute ist die Welt ein Dorf. Problemlos erreichen wir mit Flugzeugen und Schiffen alle Orte auf der Erde – aber wie lange noch und wozu. Venedig und einige Inselparadiese werden im Meer versinken. Millionen Autos erzeugen Abgase, E-Autos, Handys, Internet verbrauchen Strom und Energie. Wer sind die Hauptverursacher dieser Misere: Schaut mal in den Spiegel. Vieles was heute als Armut definiert wird, hätte früher als Luxusleben gegolten.

Wir leben in einer üppigen, aber umweltschädlichen Wegwerfgesellschaft. Unser übermäßiger Konsum hat das Jahressoll für 2022 bereits im Sommer überschritten. Zum Glück kommen nun die Heilsbringer, die „Letzte Generation“. Sie kleben sich auf Straßen fest und nehmen Unschuldige in Geiselhaft. Wäre es nicht besser, sie würden Überzeugungsarbeit in ihren eigenen Reihen leisten. Wenn sich diese Generation über Plastikmüll in den Weltmeeren aufregt, bin ich auf ihrer Seite. Wenn sie aber ihre Beine nur dazu benutzen, um mit dem E-Roller zum nächsten Reisebüro, Computer und Handyshop zu rollen, kann ich nicht ihr Befürworter sein.

Wer stirbt zuerst aus? Die Menschheit oder der Planet Erde? Klebeaktionen auf Straßen und öffentlichen Plätzen sind sinnlose Nötigungen unbeteiligter Menschen. In Museen Kunstwerke zu beschädigen, das sind strafbare Handlungen. Eure Führer oder Verführer saßen in der Zwischenzeit im Flieger nach Scharm El-Scheich (Ägypten), um mit den Großen der Welt zu debattieren, allerdings ohne nennenswerte Erfolge. Da stellt sich mir auch die Frage: „Wer finanziert das Ganze eigentlich?“

Mit Bahn, Bus und Fahrrädern kann man künftig nicht den gesamten Verkehr auffangen. Mobilität ist in der heutigen Zeit ein wichtiger Aspekt für Pendler, Ärzte, Rettungsdienste, Feuerwehrleute, Handwerker und die Landwirtschaft. Es dürfte auch schwer werden, unsere Konsumgüter oder Energieträger wie Holz, Gas, Öl auf Lastenfahrräder an die Endverbraucher zu bringen. Gift für unsere Atemluft sind Brände jeglicher Art. Qualm, Rauch, Abgase und wochenlange Feuer durch Hitze, das Abfackeln des Regenwaldes, riesige Abholzungen und die Vernichtung unserer natürlichen Ressourcen. Wer schreit auf, wenn Vergewaltigungen oder Hunger als Kriegswaffen eingesetzt werden? Wer kümmert sich um die Wasserrechte für alle auf der Welt?

Leider ist unsere heutige Welt voll von Egoisten, Kriegstreibern und religiösen Fanatikern. Hinzu kommt Gier, Korruption, Gleichgültigkeit und meinungsbildende Influencer. Eine schlimme Mischung.

Am besten man lässt der Natur freien Lauf, dann normalisiert sich vieles von selbst. Vergesst nicht: „Die Natur braucht uns nicht, wir die Natur schon.“ Setzt euch von Frühjahr bis Spätherbst lieber aufs Fahrrad. Erfreut euch an Blumen, Blüten, an neuem Grün. Seht auf den Feldern und Gärten Getreide, Gemüse und Früchte reifen.

Das Gebot der Stunde lautet: Die Welt positiv gestalten und mitwirken, statt an langen Fingernägeln kleben zu bleiben. Der Mensch hat die Klimakrise verursacht und durch eine weltweit agierende menschliche Allianz kann diese Krise noch bewältigt werden. Achtet die Schöpfung. Denn sitzt ihr einst auf Wolke sieben, ja dann war’s das, meine Lieben.

Ludwig Wocheslander, Brühl

Für mich ist das strafbar

Für mich sind die Aktionen der Klimaschutz-Gruppe „Letzte Generation“ nicht mehr als freie Meinungsäußerungen nachvollziehbar und daher in meinen Augen strafbar.

Es ist ein Unding, dass eine kleine Gruppe von Menschen ihre teilweise berechtigten Forderungen durch erpresserisches Handel der Mehrheit der Bevölkerung aufzwingen will. Warum kann diese Gruppe keine eigne Partei gründen und so durch Wählervotum ihre Vorhaben umsetzen.

Wahrscheinlich haben sie Angst, dass sie nicht genügend Stimmen bekommen würden und verhalten sich daher ähnlich – bisher nicht so gewalttätig – wie die Anhänger der Baader-Meinhof-Gruppe.

Wenn jede Interessengruppe, die nicht genügend Gehör in der Bevölkerung beziehungsweise bei den Politikern findet, ihre Interessen am Beispiel der Klimaschutz-Gruppe „Letzte Generation“ mit Gewalt- und Erpressungsaktionen durchsetzen wollte, wäre das Chaos in unserem Land zukünftig vorprogrammiert.

Tschüss Demokratie!

Gottfried Leonhardt,

Oftersheim