Menschlichkeit, Ehrlichkeit, Frieden und Rettung der Erde

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Über junge Ukrainer in Deutschland als „Weltmeister im Sprachen lernen“ wird uns geschrieben:

Wenn wir in diesem Herbst auf die Jahresversammlungen unserer Parteien schauen, spüren wir gewaltige Unterschiede. Bei unserem Nachbarn Bayern, der sich auf seine Landtagswahl einstellt, beansprucht der rechte Flügel eine landes- und bundesweite Führungsrolle. Und tatsächlich liegt die Partei vor der des Bundeskanzlers. Sollen und dürfen wir da wünschen, dass sie siegt wie in Italien und eine eindeutig nationalistische Politik begründet?

Das heißt: Mit Ministern, die für „Made in Italy“, oder für „Natalität“, also die Abwehr von Einfuhren und eine höhere Geburtenrate zuständig sein werden? Gleichzeitig hörte man von ihrer neuen Regierungschefin lobende Worte für ihren russischen Amtsbruder. Von ihm ist sie inzwischen aber ein wenig abgerückt.

Nicht zu übersehen und mit überprüfbaren Quellenangaben steht im Internet, wie hoch die Schäden sind, die Putin durch seinen Überfall auf die friedliche Ukraine verursacht hat: zerstörte Fabriken, Krankenhäuser, Schulen, Elektrizitätswerke. Dazu kommen grundlos getötete Bürger, Soldaten, die ihre Heimat verteidigen und missbrauchte Frauen.

Die Polemik der deutschen Rechten richtet sich nicht nur gegen die Opfer dieses verbrecherischen und den Erhalt unserer ganzen Erde bedrohenden Überfalls. Sie verlangen auch, den Balkan als Weg nach Europa zu blockieren. Da drängen sich Bilder aus Afrika auf: verhungernde und verdurstende Menschen. Tag für Tag eine fünfstellige Zahl. Vor allem als Opfer des Klimawandels, was niemand guten Gewissens infrage stellen kann. Doch alle, die den Flüchtlingen eine Zuflucht und eine Zukunft versperren, verschweigen ihn und reden von Rechtsbrüchen.

Das vermutlich wichtigste Argument aber ist die Abhängigkeit Deutschlands und Europas von Zuwanderung. Es wird zwar ständig wiederholt, setzt sich aber in den Köpfen nicht fest. Wie ließe sich sonst erklären, dass Unterkünfte von Ankömmlingen angezündet werden. Alle eine Zukunft suchenden Menschen bringen ihre Arbeitskraft mit und dazu ihren Willen und ihre Fähigkeit, Deutsch zu lernen. Serhij Zhadan, der Friedenspreisträger des Buchhandels, hat es gerade bewiesen. Beim Lernen wirken junge Ukrainer wie Weltmeister. Sie werden gebraucht, so wie 1947 die aus Osteuropa vertriebenen Deutschen. „Zwei Hände können mehr schaffen, als ein Mund verzehren kann“, erklärte Carlo Schmid den Skeptikern. 15 Jahre später war die Bundesrepublik aufgebaut.

Wird sich das wiederholen lassen? Es wäre allen zu wünschen. Den Ukrainern, deren Land zerstört ist. Den Europäern, die sich gegen die Rechten für Frieden und Demokratie einsetzen, und allen Verantwortungsbewussten, die unsere Erde schützen.

Helmut Mehrer, Brühl