„Theater am Puls“ – mehr als eine Kult(ur)stätte!

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Zum Schwetzinger „Theater am Puls“ wird uns ein wahres Loblied dieses Lesers zugeschickt:

Klein, aber oho. So könnte man im ersten Moment das „Theater am Puls“ in Schwetzingen beschreiben. Aber es ist mehr. Mit dieser Bühne besitzt Schwetzingen eine Kult(ur)stätte, auf die es stolz sein kann. Wer glaubt, dass das „Theater am Puls“ eine Provinzbühne mit Hinterwäldler-Schauspielern ist, irrt sich gewaltig. Dieses Haus ist ein Ort, vielseitiger, gekonnter Inszenierungen und grandios dargebotener Schauspielkunst, das durchaus – und das ist keine Übertreibung – auf Augenhöhe mit anderen großen Bühnen mithalten kann. Eine Stätte mit einem besonderen, stilvollen, angenehmen, vertrauten, familiären und freundschaftlichen Flair.

Was Intendant Joerg Steve Mohr zusammen mit seinem Team all die Jahre auf die Beine gestellt und geschaffen hat, ist aller Bonheur. Mohr lebt das Theater. Was dieser Mann an Dynamik und Herzblut für das Theater einbringt, kann man mit Worten kaum beschreiben.

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Von
Peter W. Ragge
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Dank seinem feinsinnigen Gespür für den Zeitgeist und seinen, für den einen oder anderen eigenwilligen, vielleicht sehr freizügig interpretierenden, ungewohnten, gar provozierenden, klassischen Inszenierungen bis hin zu den vielbeachtenden und lebendigen Kinderstücken für die ganze Familie, machen ein Besuch in diesem Theater zu einem unvergessenen Erlebnis. Das Repertoire umfasst Schauspiel, Musiktheater, Theater für Groß und Klein, junges tap und Extra.

Aber was wäre ein Intendant ohne ein funktionierendes Team, auf das er sich verlassen kann. Daher sollten auch die so wichtigen Eckpfeiler innerhalb des Theaters wie Kassenbesetzung, Ausstattung und Requisite, Lichttechnik, Ton- und Videotechnik, der Technik gesamt, aber auch der Thekendienst erwähnt werden. Das eine funktioniert bekanntlich ohne das andere nicht.

Ein großer Wermutstropfen sind die ausbleibenden Besucher. Die Corona-Pandemie machte und macht bis heute dem „Theater am Puls“ schwer zu schaffen. Während des Lockdowns mussten viele Stücke zwangsweise ausfallen. Das riss ein großes Loch in die Kasse. Das Dilemma dieser Zeit war, dass niemand genau wusste, was die Zukunft bringen wird und ob das Theater überhaupt noch überleben beziehungsweise existieren kann. Schließlich mussten die Proben für neue und alte Inszenierungen ja weitergehen und die laufenden Kosten beglichen werden. Dank viel Enthusiasmus und großem Engagement gelang es jedoch Joerg Mohr mit seinem Team das Theater am Leben zu halten.

Auch heute noch ist das Publikum, was den Zuschauerbesuch angeht, sehr zurückhaltend. Aus Angst oder aus Unlust, sich mit einer Maske ins Theater zu setzen.

„Liebes Publikum, bitte kommen Sie zurück“, schreibt Intendant Mohr in seinem Grußwort im Programmheft des „Theaters am Puls“. Ein durchaus angebrachter Appell und Hilferuf, welchen ich uneingeschränkt unterstützen möchte. Denn ohne Publikum keine Einnahmen. „Zwar unterstützen Stadt und das Land sowie der wachsende Freundeskreis finanziell das Theater“, schreibt Mohr in seinem Grußwort weiter, „dennoch brauchen wir das Publikum, um zu überleben.“

Machen Sie sich daher eine Freude. Gönnen Sie sich einen Besuch in diesem wundervollen Theater. Sie werden überrascht sein, was diese Kulturstätte alles zu bieten hat. Überzeugen sie sich selbst, Ihre Familie und Ihre Freunde davon, dass es sich lohnt, dieses Haus zu besuchen. Oder werden Sie einfach Mitglied im Freundeskreis oder unterstützen Sie mit einer Spende diese Einrichtung.

Vergessen wir nicht: Wenn die Kunst stirbt, stirbt die Demokratie. Denn Kunst bedeutet Freiheit, Meinungsvielfalt, Toleranz. Und das brauchen wir gerade jetzt in dieser aufgebrachten und schwierigen Zeit. Denken wir daran, dass nicht jeder das Glück hat, sich frei bewegen und kulturelle Einrichtungen besuchen zu können. Das ist ein Privileg. Nutzen wir daher diese Freiheit. Mit meiner Eintrittskarte trage ich zum Erhalt dieser Werte und letztendlich des Theaters bei.

Ich möchte meine Ausführungen mit einer Gedichtzeile von Goethe beenden. „Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“ Wie recht er hatte. Wahrscheinlich wäre Goethe heute ein Verfechter, Stammgast und ein großer Fan dieses großartigen Theaters.

Danke lieber Joerg Steve Mohr, danke liebes „Theater am Puls“-Team.“

Thomas Proft, Schwetzingen