Wer kommt auf so eine Idee?

Lesedauer

Zur von den Staatlichen Schlössern und Gärten geplanten Umbenennung des Schwetzinger Rokokotheaters in Pigage-Theater erreichen uns diese Zuschriften. In unserer Ausgabe vom 16. November hatten wir weitere Lesermeinungen dazu veröffentlicht:

Man wundert sich, was einige Menschen für Aufwendungen betreiben, um sich eventuell in den Mittelpunkt zu stellen, egal, wie weit ihr Ideenreichtum reicht. Jetzt ist doch dieses wunderschöne, national und auch international bekannte Rokokotheater schon viele Jahrzehnte in vieler Munde und auch als Kulturmittelpunkt gerne besucht. Man kann sagen, nicht nur der Mittelpunkt, nein, auch das Aushängeschild der Stadt Schwetzingen. Was jetzt die Umbenennung auf Nicolas de Pigage soll, verstehe wer wolle.

Wenn diesem Herrn gehuldigt werden soll, reicht auch eine Gedenktafel. Wer von den jährlichen Schlossbesuchern und Theatergästen kennt dann das „Pigage-Theater“? Hier bin ich einfach der Meinung, dass sich ein gelangweilter Bürger in irgendeiner Weise in den Vordergrund stellen will und einfach mal einen Ballon steigen ließ, um zu sehen, wie der Rest reagiert. Dafür ist diese Thematik eigentlich zu schade, überhaupt in Erwägung ziehen zu wollen. Von diesen Leuten sollten wir verschont bleiben, denn meistens sind es diese, die sich sonst um nichts städtisches beziehungsweise gesellschaftliches Leben kümmern, aber um Ausgrabungen von Vergangenheitsbewältigungen.

Wenn es nicht so ernst und doch so wichtig wäre, sollte dieses Thema alle Mitbürger und Besucher dazu ermutigen, auch ihre Meinung gegenüber den entscheidenden Verantwortlichen (Land, Regierungspräsidium, Schlossverwaltung, Stadt Schwetzingen) kundzutun. Und dann schnell diese Angelegenheit und den Wunsch der Umbenennung des Verursachers ad acta legen. Wolfgang Dobberstein, Plankstadt

Dazu darf man nicht schweigen

Wer als ehemaliger Schüler des Hebel-Gymnasiums, als Benutzer des alten Heringsbades, des späteren Bellamars, als Mitglied verschiedener Zweckverbände die Entwicklung der Stadt Schwetzingen erlebt und auch mitgestaltet hat, darf zu dem leidigen Thema „Umbenennung des Rokoko-Theaters“ nicht schweigen.

Auch wenn der Schlossgarten Eigentum des Landes ist, wird auch die Stadt Schwetzingen ihres Werbeträgers beraubt. Der ehemalige Oberbürgermeister und Ex-Finanzminister Gerhard Stratthaus, die Landtagsabgeordneten Andreas Sturm, Daniel Born und Dr. Andre Baumann haben interveniert und die Stimmung in der Bevölkerung zum Ausdruck gebracht.

Die Schwetzinger Zeitung schrieb sogar „die Volksseele kocht“. Leserbriefe aus Österreich, Mannheim, Arnsberg und anderen Gegenden belegen, wie bedeutsam der historisch entwickelte Name Rokokotheater weltweit als Werbeträger ist. Es wäre daher wünschenswert, wenn sich auch die Stadt Schwetzingen entsprechend positionieren würde. Schwetzingen ohne Rokokotheater – das ist einfach undenkbar.

Auch fachlich ist die Umbenennung meiner Ansicht nach nicht begründbar. Es kann doch nicht sein, dass ein Geschäftsführer mit einem Federstrich eine solch weittragende Entscheidung trifft. Wenn sogar schon gedruckte Programme vorliegen, wird der Schaden im Regressweg zu prüfen sein. Im Übrigen ist das Theater Kurfürst Carl Theodor zu verdanken, dessen Vorstellungen Pigage als Architekt umgesetzt hat. Zum 300. Gedenktag gibt es sicherlich andere Möglichkeiten, ihn und seine Verdienste zu würdigen. Was hätten denn unsere Dichterfürsten zu diesem „Umbenennungstheater“ gesagt? Friedrich Schiller hätte aus seinem „Wallenstein“ an die Adresse von Michael Hörrmann folgenden Satz zitiert: „Das war kein Heldenstück Octavio.“

Rudi Lerche, Plankstadt

Die Argumentation irritiert

Bürger sollen bei der Namensgebung des Rokokotheaters doch noch mitdiskutieren – so hieß es in der Schwetzinger Zeitung vom Mittwoch. Nachdem ich SSG-Geschäftsführer Michael Hörrmann meine Irritation zu diesem Thema vermittelt hatte, kam eine ziemlich arrogante Antwort zurück. Tenor: „Ich hätte ja Meinungsfreiheit aber er wisse es besser.“ Ich würde von ihnen die Frage an diesen Herrn erwarten, ob der Bürger diskutieren darf oder entscheiden beziehungsweise auf welcher Grundlage sich die SSG anmaßt, so etwas autoritär zu entscheiden.

Hier der O-Ton Hörrmanns: „Wenn Sie Nicolas de Pigage Lebensleistung für die Entstehung von Schloss, Theater und Garten für irrelevant halten, die Bezeichnung „Rokokotheater“ für ein Theater mit einer durchgehend klassizistischen Raumschale für passend und quellenkritisches Vorgehen für die Bewertung historischer Sachverhalte für überflüssig erachten, dann ist das eben so und eine Meinungsäußerung, die wir respektieren. Das ändert allerdings nichts an den historischen Tatsachen. Der Name „Rokokotheater“ ist weder historisch noch passt er formal, er ist eine Erfindung des Dritten Reichs. Die Bedeutung Nicolas de Pigages macht es lohnend zu seinem 300. Geburtstag seine bedeutende Rolle mit dem Theater, das er entwarf und erbaute, zu verbinden“, so schreibt mir Hörrmann.

Wolfgang Dewor, Holzgerlingen

Mehr zum Thema

Rokokotheater Bürger sollen bei der Namensgebung des Rokokotheaters doch noch mitdiskutieren

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Rokokotheater Schwetzingen Umbenennung des Rokokotheaters: Verantwortliche stehen Rede und Antwort

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Rokokotheater Schwetzingen Braucht es Pigage?

Veröffentlicht
Kommentar von
Jürgen Gruler
Mehr erfahren