Corona hat Kirchenneubau in Altlußheim und Neulußheim gebremst

Von 
Matthias Mühleisen
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Grünland statt Gotteshaus: Ein Trampelpfad zieht sich über das Areal an der Einmündung der Salierstraße (l.) in die Altlußheimer Hauptstraße, wo der Gemeinderat bereits 2014 einer Gemeinbedarfsfläche für den Bau des katholischen Zentrums zugestimmt hat. Die Kita Sonnenschein im Hintergrund ist seit Herbst 2015 in Betrieb und schon gewachsen. Die Kirche hätte nach früheren Plänen seitdem auch stehen sollen. © Lenhardt

Alt-/Neulußheim. Wenn das Projekt ein digitales wäre, könnte die Corona-Pandemie es sogar beflügelt haben. Doch der Neubau des Kirchenzentrums für die katholischen Christen in Altlußheim und Neulußheim soll als reelles Gebäude entstehen, mit markanter Silhouette und einem bis zu 15 Meter hohen Turm, geschätzte fünf Millionen Euro teuer. Solch ein Vorhaben lässt sich nicht virtuell oder per Videokonferenz voranbringen, erklärt Dekan Jürgen Grabetz. Was bedeutet, dass der Einweihungstermin Ostern 2023, den er im Dezember 2019 mit dem Erzbischöflichen Oberbaudirektor Dr. Werner Wolf-Holzäpfel genannt hat, mit großer Wahrscheinlichkeit nicht gehalten werden kann.

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„Durch Corona ist alles ins Stocken geraten“, sagt der Dekan, der im Juli 2008 in einer Pfarrversammlung erstmals die Idee eines gemeinsamen Neubaus vorgestellt hat. Damals stand ein Gelände nahe des Umspannwerks im Raum, zwischen den beiden Gemeinden.

Bei den Beratungen zum Entwurf des Flächennutzungsplans in den politischen Gemeinderäten im Mai 2012 wurde der Standort der neuen Kirche von der Mitte zwischen den Gemeinden an den Ortsrand Altlußheims verschoben, um eine Zersiedelung zu vermeiden. Der Gemeinsame Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft gab dazu grünes Licht.

Grundstück steht längst bereit

Zwischenzeitlich sah es so aus, als nehme das Vorhaben Fahrt auf: Nach dem Wunsch der Kirchengemeinde sollte der Neubau eines gemeinsamen Gotteshauses für die Katholiken in Alt- und Neulußheim bis 2014 erfolgen, antwortete Jürgen Grabetz im Juni 2012. Die Chancen standen in finanzieller Hinsicht gut: „Der Erzbischof hat den Neubau schon vor Jahren abgesegnet“, erklärte der Dekan damals.

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Die beiden Kirchen St. Nikolaus in Neulußheim (1955 bis 1957 errichtet) und St. Johannes Nepomuk Altlußheim (erbaut 1962/63) waren samt ihrer Pfarrsäle schon damals sanierungsbedürftig. Der Gemeinderat Altlußheim entschied im Februar 2014, die Gemeinbedarfsfläche im Gebiet „Hockenheimer Flur II“ der katholischen Kirche zum Bau eines katholischen Gemeindezentrums zur Verfügung zu stellen. Und das, obwohl viele der politischen Gemeinderäte eine Kirche im Dorf bevorzugt hätten.

Allerdings ist der Dekan für viele Kirchengemeinden zuständig und die Bauangelegenheiten sind nur ein Teil seiner Aufgaben. In der Pfarrgemeinde St. Wendelin Reilingen gab es mit dem Don-Bosco- und dem Josefshaus zwei Gemeindehäuser mit dringendem Sanierungsbedarf und den Gedanken, sie durch einen Neubau zu ersetzen. Der gelangte zuerst zur Umsetzung: Das Wendelinushaus direkt neben der Kirche wurde im Spätjahr 2018 eingeweiht.

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Damit wurden bei „Bauherr“ Grabetz Kapazitäten frei für den Neubau in Altlußheim. Die Vorarbeiten waren im Dezember 2019, also kurz vor der Pandemie, so weit gediehen, dass Jürgen Grabetz den Stand der Planungen in einer Gemeindeversammlung vorstellte. Wo die Kita Sonnenschein im Vergleich zum Kirchenneubau rasend schnell aus dem Boden gewachsen war, sollte Ende 2020 die etwa zweijährige Bauzeit beginnen, verkündete Werner Wolf-Holzäpfel damals.

Verhandlungen nur persönlich

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Dass es soweit nicht gekommen ist, liegt laut dem Dekan an der Pandemie. Im Oktober 2020 trafen sich Vertreter der Kirchengemeinde mit Verantwortlichen des Erzbischöflichen Bauamts in Heidelberg und der Bauabteilung der Erzdiözese, um den Sachstand zu besprechen und zu erörtern, was noch zu erledigen ist. „Jetzt laufen die Genehmigungsverfahren“, sagt der Dekan. An der im Dezember 2019 vorgestellten Planung des Gebäudes habe sich nichts Wesentliches verändert. Kostenberechnung und Finanzierungsvorschläge seien eingereicht.

Jetzt müsse die Grundstücksangelegenheit mit der Gemeinde Altlußheim geregelt werden. Derzeit ist der künftige Kirchenstandort noch im Besitz der politischen Gemeinde. Es geht aber auch um das Grundstück der derzeitigen Kirche St. Johannes Nepomuk im Wohngebiet: Werden die Areale getauscht oder ver- und gekauft? Die Kirchenschaffnei sei dabei beratend tätig. Für das Grundstück der Kirche liege seit längerem ein Wertgutachten vor.

„Diese Dinge kann man nicht am Telefon oder bei Online-Konferenzen besprechen, dazu muss man persönlich zusammensitzen“, bekräftigt der Dekan. Lockdown-bedingt seien solche Gespräche jedoch derzeit schwierig. Die Hausaufgaben aus dem Oktobertreffen könnten erst erledigt werden, wenn der schwere Lockdown vorüber ist.

Die Zustimmung des Ordinariats zum Finanzierungsvorschlag der Pfarrgemeinde Lußheim könne erst eingeholt werden, wenn diese Grundstücksfragen – auch die in Neulußheim – geklärt sind. Aus diesem Grund rechnet Jürgen Grabetz mit einer Verzögerung des Projektstarts. Präsenztreffen des kirchlichen Bauausschusses funktionierten derzeit nicht, online sei das ebenfalls schwierig: Wir haben jetzt fast ein Jahr durch Corona verloren.“

Er betont aber, dass das Projekt als eines der wenigen der Erzdiözese auch durch die zu erwartendenden finanziellen Konsequenzen aus der Corona-Krise nicht gefährdet sei.

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Redaktion Redakteur im Bereich Hockenheim und Umland sowie Speyer