Museum Autovision

Museum Autovision in Altlußheim: Demo-Fahrzeug trägt die originalen Räder

Mit dem Stuttgarter Autobauer eng verbunden ist eines der neuesten Exponate im Museum, ein Querschnitt des legendären C 111, der in seiner ersten Version mit einem Wankelmotor ausgestattet war.

Von 
Andreas Wühler
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Horst Schultz am Steuer des Mercedes C 111, der in der Autovision als Demo-Fahrzeug zu sehen ist und der mit zahlreichen original Bauteilen, unter anderem dem Wankelmotor, mit dem die Version 1 fuhr, ausgestattet ist. © Norbert Lenhardt

Altlußheim. Horst Schultz ist ein Visionär, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Geschichte der Mobilität an einem Ort zu erzählen – dem Museum Autovision. Gleichzeitig sie so zu erzählen, dass sie möglichst vielen Menschen verständlich wird, weshalb das von einer Stiftung getragene Museum insbesondere jungen Menschen das Thema nahebringen will. Anhand zahlreicher Exponate, einer großzügigen Beschilderung der ausgestellten Stücke und Führungen speziell für Schulklassen soll die Geschichte der Mobilität lebendig werden. Und nicht nur die Geschichte, auch Gegenwart und Zukunft haben ihren Platz in dem Museum.

Vom Fahrrad bis hin zum E-Mobil reicht der Reigen, dessen Klammer für Schultz eine Firma ist, die alle Aspekt der Fortbewegungsgeschichte in ihrem Stammbaum stehen hat: NSU. Die Firma, hinter der Abkürzung verbirgt sich der Firmensitz Neckarsulm, befasste sich ursprünglich mit dem Bau von Strickmaschinen, widmete sich dann dem Bau von Fahrrädern und im weiteren Verlauf ihrer Geschichte dem von Motorrädern und Automobilen.

Wer sich intensiv mit dem Unternehmen NSU befasst, der kommt irgendwann nicht mehr am Thema Wankelmotor vorbei. Spätestens beim NSU RO 80 ist er mitten drin in der Welt der Kreiskolbenmotoren. Für Schultz quasi das zweite Spielbein, denn dass er den Wankelmotor gegenüber dem Ottomotor für überlegen hält, daraus hat er nie einen Hehl gemacht. Weshalb sich im Museum Autovision jede Menge Modelle mit Wankelmotor finden, von Mazda bis zu Mercedes.

Und mit dem Stuttgarter Autobauer eng verbunden ist eines der neuesten Exponate im Museum, ein Querschnitt des legendären C 111, der in seiner ersten Version mit einem Wankelmotor ausgestattet war. Der C 111 war ein Experimentalfahrzeug der 1960er und 1970er Jahre, mit dem Mercedes-Benz verschiedene Motoren und Kunststoffkarosserien ausprobierte. Unter anderem wurde das Fahrzeug in späteren Versionen mit einem Diesel- und einem V8-Ottomotor ausgestattet.

Durch Zufall gelangte Schultz an einen der Antriebe, einen Dreischeiben-Wankelmotor, ein Chassis in Glasfaserbauweise war vorhanden und bei einer Auktion in Ladenburg ersteigerte Schultz vier originale Räder. Die Idee, eine „Mercedes-Haut“ über das Chassis zu ziehen, war naheliegend, doch wollte es Schultz bei einer „halben Haut“ belassen, um Ärger mit dem Untertürkheimer Werk aus dem Weg zu gehen. Und wie gedacht, einige Zeit später waren die ersten Mercedes-Leute im Haus und letztlich einigte man sich darauf, dass C 111-Modell als Demofahrzeug in Altlußheim zu belassen.

Museum Autovision in Altlußheim: Bauteile aus der Formel 1

Zumal das Modell von Schultz mit Hightech-Komponenten ausgestattet wurde. Die Hinterachse stamm aus einem Formel-1-Fahrzeug von Lotus, das Renngetriebe aus einem Ford 40 und die Radträger organisierte Schultz bei einem historischen Formel-1-Rennstall in England. Und natürlich schmückt sich das Demofahrzeug mit einer Reihe von original Motorteilen, so beispielsweise der aus einem Stück gefertigten Kurbelwelle.

Museum Autovision in Altlußheim: Räder aus dem Motodrom

Besonders stolz ist der Museums-chef auf die originalen Räder. Die Prototypen aus dem Haus Mercedes-Benz waren alle akribisch gelistet, nur wenige von ihnen wurde gebaut, und das Fahrzeug mit der Fahrgestellnummer 24 endete am 29. Januar 1970 im Motodrom in Hockenheim als Totalschaden. Nach dem Unfall, der wohl vom an diesem Tag herrschenden Regenwetter verursacht wurden, kam das Fahrzeug umgehend auf einen Lkw und ruckzuck verließen die Automobilbauer die Rennstrecke. Wohl ein überhasteter Aufbruch, denn ein Satz Räder blieb zurück, der über verschiedene Wege beim Auktionshaus in Ladenburg landete.

Nun sind die einzelnen Komponenten als Einheit in der Autovision zu sehen – mit dem Segen der Autobauer aus Stuttgart – und gewähren einen Einblick nicht nur in den Bau des Wankelmotors, sondern auch in verschiedene Details wie Getriebe oder Achse. Dies in Form eines halbseitig geöffneten Demo-Fahrzeuges, lackiert im original Farbton „Herbstgold“.

Redaktion Zuständig für die Verwaltungsgemeinschaf

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