Blausee - Bund für Umwelt und Naturschutz und Naturschutzbund kritisieren Vorhaben der Gemeinde / Mit Zielen übergeordneter Planungen nicht vereinbar Naturschützer lehnen Pläne für Camping ab

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Das als Campingplatz vorgesehene Gelände beim Blausee wird regelmäßig mit Druckwasser überflutet, hier nach einem kleineren Rheinhochwasser im Dezember 2012. Das Gelände habe daher einen hohen ökologischen Wert, sagen die Verbände.

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ALTLUSSHEIM. Der Ortsverband Hockenheimer Rheinebene des Bundes für Umwelt und Naturschutz und die Naturschutzbund-Gruppe Hockenheim lehnen die Planung eines Campingplatzes auf dem Freizeitgelände Blausee entschieden ab. Das haben die beiden Verbände in einem Pressebericht mitgeteilt.

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Der Campingplatz soll von Ostern bis Oktober betrieben werden und in erster Linie mobilen Campern zur Verfügung stehen. "Mit der Ansiedlung eines Campingplatzes soll ein weiteres Stück der Kulturlandschaft in der Rheinniederung einer saisonalen Freizeitnutzung geopfert werden. Das ist weder mit dem Regionalplan noch mit dem Natur- und Landschaftsschutz vereinbar", sagt Dieter Rösch vom BUND.

Naturschutz an erster Stelle

Die Naturschutzverbände verweisen auf den Einheitlichen Regionalplan Rhein-Neckar, der den Bereich um den Blausee als "Vorranggebiet für Naturschutz und Landschaftspflege" ausweist. In solchen Vorranggebieten steht der Naturschutz an erster Stelle.

"Zur Sicherung der biologischen Vielfalt sollen hier die Lebensräume und Lebensgemeinschaften heimischer Pflanzen und Tiere erhalten und entwickelt werden. Die Errichtung eines Campingplatzes bewirkt genau das Gegenteil", macht Andreas Diebold vom Nabu deutlich.

Zu wenige störungsfreie Zeiten

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Der Blausee und sein Umfeld gehörten zum europaweiten Schutzgebietsnetz Natura 2000, das aus Vogelschutzgebieten und FFH-Gebieten besteht, erinnern die beiden Verbände. Der Badebetrieb am Blausee finde zwar im Natura-2000-Gebiet statt. Im zeitigen Frühjahr, bei schlechtem Wetter und allgemein nach 20 Uhr sei das Gebiet aber weitgehend ungestört. Thomas Kuppinger vom BUND: "Der Campingplatz soll einen Zugang zum See erhalten und bereits ab Ostern bei jedem Wetter genutzt werden. Damit gäbe es kaum noch störungsfreie Zeiten, was im Widerspruch zu den Zielen des Natura-2000-Gebiets steht."

Der Bereich des geplanten Campingplatzes umfasse eine Wiese und einen Acker, die bei Rheinhochwasser oft mit Druckwasser überflutet werden. Daher habe dieser Bereich einen hohen ökologischen Wert, der unwiederbringlich verloren ginge. So sei zum Beispiel in nassen Jahren mit der Nutzung der überfluteten Wiese durch verschiedene Amphibienarten zu rechnen. "In der Ackerfläche können bei großen Rheinhochwassern flache Druckwassertümpel entstehen, die für sogenannte Urzeitkrebse lebenswichtig sind", erklärt Uwe Heidenreich, der sich bei BUND und Nabu engagiert.

Landschaftsbild droht Entwertung

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Ferner weisen die Naturschutzverbände darauf hin, dass ein Campingplatz das Landschaftsbild entwerten und auf diese Weise eines der wichtigsten Naherholungsgebiete in Altlußheim beeinträchtigen würde. Auch das stehe im Konflikt mit dem Einheitlichen Regionalplan Rhein-Neckar, in dem das Gebiet als "Bereich mit besonderer Bedeutung für die Naherholung" ausgewiesen ist.

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Zum geplanten Campingplatz haben BUND und Nabu zusammen mit dem Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg eine Stellungnahme abgegeben. zg