Eppelheims Bürgermeisterin Patricia Rebmann: Feuerwehrhaus ist nächstes großes Projekt

„25 Jahre Stadtrechte“, Fluchtbewegung, Bahntrasse – im Interview spricht Eppelheims Bürgermeisterin Patricia Rebmann über die Herausforderungen und Projekte im kommenden Jahr und blickt auf 2022 zurück.

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Catharina Zelt
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Das Feuerwehrgerätehaus ist das nächste große Projekt in der Stadt. Die Planungen werden jetzt nach dem Beschluss vorangetrieben und dann soll sich vielleicht schon Ende des Jahres etwas tun. © Widdrat

Eppelheim. Ein neues Jahr hat begonnen. Das nehmen wir zum Anlass, um mit Bürgermeisterin Patricia Rebmann auf 2022 zurückzublicken und vor allem die kommenden Herausforderungen aufzuzeigen. Im Interview spricht Rebmann über verschiedene Bauprojekte, die aktuelle Fluchtbewegung, die Bahntrasse und die Feier zu „25 Jahre Stadtrechte“ im kommenden Jahr.

Was war Ihr persönliches Highlight des Jahres als Bürgermeisterin?

Patricia Rebmann: Das war erst vor einiger Zeit im Dezember. In der letzten Gemeinderatssitzung des Jahres 2022 haben wir den Beschluss gefasst, den Standort der Feuerwehr in der Heinrich-Schwegler-Straße zu erhalten. Das macht mich glücklich. Die Feuerwehr war für mich ein ganz schwieriges Thema, seit uns ein Gutachten mit einer Mängelliste von über 50 Punkten vorlag – und das war nur ein Arbeitsschutzgutachten. Da stand mir schon der Schweiß auf der Stirn. Die drohende Unfallgefahr wollte ich keinem Ehrenamtlichen zumuten. Dass wir in unserer finanziellen Situation kein Rettungszentrum bauen können, sollte klar sein. Aber dass wir es tatsächlich schaffen, an diesem Standort die Feuerwehr zu erhalten, habe ich am Anfang der Planungen noch nicht gedacht.

Bürgermeisterin Patricia Rebmann hofft, dass viele Kinder und Jugendliche einen Wunschzettel schreiben und ihn an den Wünschebaum im Rathaus hängen. Es gibt viele Bürgerinnen und Bürger, die Kindern gerne Wünsche erfüllen möchten. © Sabine Geschwill

Was waren im Jahr 2022 die größten Herausforderungen für die Stadt Eppelheim?

Rebmann: Das sind ganz klar die großen Krisen, die ja auf das Tagesgeschäft obendrauf kommen. Zum Ersten dauern die Fluchtbewegungen, die in den Jahren 2015/2016 begonnen haben, noch immer an. Zum Zweiten ist auch Corona noch nicht vorbei – vor allem das, was die Pandemie mit den Menschen gemacht hat und noch immer macht. Zum Dritten kam eine neue Flüchtlingswelle durch den Ukraine-Krieg auf uns zu und in der Folge müssen wir auch noch die Energieknappheit und die stark gestiegenen Kosten bewältigen. Dabei kann man es nie allen Bürgern recht machen. Ein Beispiel ist unsere Weihnachtsbeleuchtung jetzt in der Energiekrise: Hätten wir alle Lichter anbringen lassen wie bisher, hätte man uns als Energieverschwender angeprangert. Nun haben wir uns auf eine abgespeckte Version geeinigt und ich werde kritisiert, weil ein Teil der weihnachtlichen Dekoration fehlt. Es ist für eine Kommune immer schwierig, die notwendigen Maßnahmen gut zu vermitteln. Natürlich ist es nicht schön, dass beispielsweise unser toller Wasserturmplatz, der normalerweise um diese Zeit durch tausend Lichter strahlt, dunkel bleibt. Ich bedauere das am meisten. Aber ich musste eine Entscheidung treffen. Und für mich hatte Priorität, dass wir als Vorbild fungieren müssen und wollen.

In diesem Jahr sind die Ergebnisse der Jugendbefragung ausgewertet worden. Was ziehen Sie aus den Antworten?

Rebmann: Wir haben jetzt einen Jugendbeirat gegründet. Etwa 16 Jungen und Mädchen sind ständig dabei. Ich hatte in den Sitzungen des Jugendgremiums zuvor gefragt, ob es ein Jugendgemeinderat oder ein Jugendbeirat werden soll und die Unterschiede erklärt. Die beteiligten Jugendlichen haben sich für einen Beirat entschieden. Die Sprecher haben ihr erstes Projekt im Gemeinderat bereits vorgestellt – das wurde dort allerdings abgelehnt.

Eppelheim steht finanziell auf wackeligen Beinen. An welcher Stelle würden Sie dennoch nicht sparen wollen?

Rebmann: Das ist immer eine ganz schwierige Frage. Wenn eine Stadt spart, spart sie an allem, was sie leistet. Und wir leisten Daseinsfürsorge für die Bürgerschaft. Daran möchte ich den Rotstift nicht ansetzen müssen. Aber es gibt in Eppelheim einige lieb gewonnene Gewohnheiten, die wir auf den Prüfstand stellen müssen – weil wir zu viel leisten, was nicht gerechtfertigt ist. Und vor allem können wir es uns nicht leisten. Auch wenn es „schon immer so war“, ist das kein Argument. Daran arbeite ich. Bei allem, was „on top“ ist, muss man natürlich zweimal hinschauen. Viele Menschen sind dieses Jahr aus der Ukraine geflüchtet – und zum Teil nach Eppelheim gekommen.

Wie läuft die Integration und wie viele Menschen sind insgesamt gekommen?

Rebmann: Es sind weit über 100 Ukrainerinnen und Ukrainer hier in Eppelheim. Leider konnten wir bisher nicht alle unterbringen, wie wir es zahlenmäßig müssen. Viele Bürgermeister haben vor Kurzem Bedenken hinsichtlich der Leistbarkeit in den Kommunen gegenüber der Landesregierung geäußert. Wirklich Hilfreiches kam nicht zurück. Es ist für mich wichtig zu betonen: Wer Wohnraum anbieten kann, den er vermieten möchte, soll sich bitte melden – gerne auch direkt bei mir. Dieses Jahr haben wir ungefähr noch einmal die gleiche Zahl unterzubringen, das sind dann rund 250 Menschen zusätzlich. Für diese Menschen gibt es in Eppelheim keine städtischen freien Wohnungen. Und Container wären die schlechteste Lösung. Aber es gäbe dafür auch gar keine städtischen Flächen, auf denen das verträglich ist. Wir müssen ja nicht nur ukrainische Flüchtlinge unterbringen – die 2015/2016 begonnene Flüchtlingswelle hält noch immer an. Das wird, denke ich, in den nächsten Jahren nicht besser. Nur hat der Ukraine-Krieg die Situation noch verschärft.

Die geplante Bahntrasse ist ja nach wie vor ein großes Thema in Eppelheim: Wie geht es in diesem Punkt jetzt weiter?

Rebmann: Wir sind zum Glück nicht alleine. Wir haben uns insbesondere mit Plankstadt und mit Heidelberg zusammengeschlossen. Wir arbeiten kontinuierlich an diesem Thema und es gibt regelmäßig interne Beratungsgespräche. Wir wollen ja, dass die Trasse gebaut wird. Aber wir werden alles, was in unserer Macht steht, dafür tun, dass diese Bahntrasse menschenverträglich gebaut wird. Man muss manchmal eben nur mehr Geld in die Hand nehmen, um die Menschen zu schützen. Gerade die Bewohner, die schon massiv bedrängt werden durch Bundesinfrastruktur, haben das verdient. Den Streckenabschnitt zwischen Eppelheim und Plankstadt kann man besser lösen.

Gibt es einen Beschluss des Gemeinderates, den Sie rückwirkend gerne ändern würden, wenn Sie könnten?

Rebmann: Nein. Es gibt keinen einzigen Beschluss, den ich gerne anders gehabt hätte, denn der Gemeinderat bestimmt die Richtlinien. Meine Aufgabe ist es, die Projekte vorzuschlagen und ich bringe alles ein, was auf meinen Tisch kommt. Dann müssen die Vor- und Nachteile abgewogen werden. Manchmal, so scheint es mir, wird ein bisschen aus den Augen verloren, dass wir uns als Stadtvorstand um das Gesamtwohl Eppelheims kümmern müssen.

Ausblick aufs nächste Jahr: Welche großen Projekte stehen an?

Rebmann: In erster Linie das Feuerwehrgerätehaus. Die Planungen werden jetzt nach dem Beschluss vorangetrieben und dann wird sich relativ schnell – eventuell schon Ende des Jahres 2023 – etwas tun.

Eppelheim darf dann auch 25 Jahre Stadtrechte feiern. Ist da etwas in Planung?

Rebmann: In Anbetracht unserer finanziellen Lage, aber auch dadurch, dass wir viel Geld in die Feuerwehr stecken und die Mensa umplatzieren müssen, müssen wir an anderer Stelle sparen. Eine Feier wird stattfinden, jedoch in abgespeckter Version. Es gab dazu ein Gremium innerhalb des Gemeinderates. Gefeiert wird im November, weil die Stadterhebung ebenfalls im November war. Das Fest wird zwar mit wenig Geld umgesetzt, aber es wird dennoch des Jubiläums würdig sein.

Was möchten Sie den Eppelheimern abschließend noch sagen?

Rebmann: Das Jahr 2022 war durch viele Krisen geprägt. Ich habe manchmal den Eindruck, dass sich die Menschen zurückziehen, was vielleicht auch durch Corona beschleunigt wurde. Umso mehr erhoffe ich mir, dass wir uns gegenseitig unterstützen. Dafür möchte ich auch selbst als Vorbild stehen. Deshalb haben meine Familie und ich an Heiligabend wieder die Eppelheimer, die sonst alleine wären, zu uns eingeladen.

Redaktion Redakteurin Print und Online - zuständig für Plankstadt und Eppelheim

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