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Stadtbibliothek - Anna Lenz hat zum 1. November die Leitung übernommen / Einarbeitungszeit mit Vorgänger Dieter Reif besonders wichtig / Corona erschwert gewünschte Planung von Veranstaltungen

Bücherei als Treffpunkt mit Wohlfühlcharakter

Von 
Vanessa Schwierz
Lesedauer: 
Die neue Leiterin der Stadtbibliothek, Anna Lenz, sitzt im neu gestalteten Bereich in der Stadtbibliothek. Die Ecke mit Sesseln und Sofa soll den Menschen ein Wohlfühlambiente bieten und die Aufenthaltsqualität steigern. © Lenhardt

Hockenheim. Die Liebe zum Buch begleitet Anna Lenz schon seit ihrer Kindheit. Mit Märchen ist sie groß geworden, liest sie heute noch gerne, „nur bin ich eben in die Erwachsenensparte gerutscht“. So sammelt sie weiterhin Bilderbücher – „nur eben die gemeinen“. Im Juli kam die 36-Jährige als Mitarbeiterin in die Hockenheimer Stadtbibliothek und übernahm zum 1. November die Leitung der Einrichtung. Die Vielfalt und Mischung aus verschiedenen Bereichen ist das, was Lenz an der Arbeit in der Bücherei so sehr liebt. Man steht in engem Kundenkontakt, muss sich an neuen Strömungen und Interessen in der Gesellschaft orientieren. Aber auch Marketing und Öffentlichkeitsarbeit sowie pädagogische Arbeit stecken dahinter.

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Christian Stalf, Pressesprecher der Stadt, erklärt, dass die Stadt zunehmend versuche, eine gemeinsame Arbeitszeit, auch bei Nachfolgeregelungen, zu schaffen, damit der neue Mitarbeiter eingelernt werden kann. Dies war auch im Fall der Stadtbüchereileitung so. Lenz freute sich darüber, war dankbar, denn „das hat man nur ganz selten“. So stand Dieter Reif ihr bis Oktober mit Rat und Tat zur Seite, lernte die 36-Jährige ein und zeigte ihr Arbeitsabläufe.

Zauber der Zehntscheune

Zur Person: Anna Lenz

Anna Lenz (36) hat am 1. November die Leitung der Hockenheimer Stadtbibliothek übernommen. Sie kommt aus Abenheim, einem Vorort von Worms.

Nach der Schule machte sie eine Ausbildung zur Bibliothekssekretärin im mittleren Dienst in der Unibibliothek Mannheim. Im Anschuss sammelte sie in einer öffentlichen Bibliothek viele Erfahrungen.

Sie hängte dann ein Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaft und Germanistik an der Universität Mannheim an.

Lenz arbeitete danach in einer Stadt- und Schulbibliothek. Dies war für sie besonders spannend, da man Schule und Öffentlichkeit unter einen Hut bringen musste.

Ihre Schwester ist in einer Bücherei ehrenamtlich tätig. Durch mehr Berufserfahrung ist Lenz bei gewissen Themen erste Ansprechpartnerin für ihre Nichte. vas

Bei der Bewerbung für diesen Posten spielte für Lenz auch die Zehntscheune eine Rolle. Auf den Bildern entdeckte sie immer wieder schöne Ecken, sie wurde neugierig. Sie las Pressetexte, las das Engagement der Mitarbeiter aus diesen heraus. Sie erfuhr vom Überraschungskino mit Popcorn, da war „ich dann rettungslos verloren“, sagt sie und lacht. Die Örtlichkeit zu besuchen, gestaltete sich allerdings schwierig. Durch die Pandemie war es nicht so einfach. Als es endlich klappte, war Lenz begeistert: Alles, was sie sich erträumt hatte, wurde vor Ort bestätigt. „Ein gepflegter Bestand in tollen Räumlichkeiten mit viel Flair und Ambiente“, beschreibt sie ihren Eindruck von der Stadtbücherei, dass auch die Basics vorhanden waren und sie nun noch ihr eigenes i-Tüpfelchen einbringen kann.

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Zu diesem gehört unter anderem das Thema Upcycling, das Lenz am Herzen liegt. Vor allem mit alten Büchern bastelt sie gerne, auch gemeinsam mit Kindern. Im ersten Obergeschoss hat sie eine gemütliche Ecke mit Sofa und Sesseln eingerichtet, in der Mitte steht ein Tisch mit kleinen Fläschchen, die als Vasen dienen. Darin stehen gebastelte Blumen aus Tortenspitzen. Wenn es die Corona-Situation wieder zulässt, will sie mehr solcher Bastelaktionen für und mit Kindern anbieten.

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Anna Lenz möchte aus der Stadtbücherei eine Begegnungsstätte machen, nicht nur einen Ort, in dem man sich schnell Bücher ausleiht und wieder geht. Man soll sich aufhalten wollen, sich wohlfühlen, sich miteinander treffen und austauschen können. Daher liege ihr auch allgemein eine Bücherei sehr am Herzen. Denn sie ist nicht statisch, sie liegt in einem Kreislauf, lebt mit der Nutzung durch die Menschen, passt sich immer an, beschreibt Lenz die Einrichtung. Alle Gruppen sollen zusammen- und miteinander ins Gespräch kommen können.

Fantasy ist ihr Lieblingsgenre

Das Lesen begleitet Lenz schon ihr ganzes Leben. Die Teenagerphase habe sie – was die Themen der Bücher angeht – quasi übersprungen, wechselte sofort in die Erwachsenensparte. Werke, die sie in der Schule hat lesen müssen, habe sie sich später noch mal vorgenommen. Dabei erinnerte sie sich an den Spruch: „Man liest ein Buch niemals zweimal“. Dies kann sie so nicht bestätigen. „Man findet neue Aspekte, neue Sichtweisen, gerade wenn mehrere Jahre dazwischenliegen. Und die Selbstreflexion ist wirklich sehr interessant“, sagt Lenz, dass es dennoch Bücher gegeben habe, „die blöd waren“. Aber zumindest gaben sie Anstoß, sich Gedanken zu machen, darüber zu reden. „Man muss nicht alles toll finden. Aber man soll Anreize bekommen und Möglichkeiten, sich eine Meinung zu bilden. Und das will ich hier auch schaffen“, beschreibt Lenz, was ihr am Herzen liegt.

Persönlich findet sie sich vor allem in der Fantasy wieder, das begeistert sie am meisten. Neben Fantasybüchern hat Lenz auch eine Leidenschaft für Astrid Lindgren. Michel aus Lönneberga fühle sie sich sehr verbunden. „Ich komme selbst aus dem ländlichen Raum und finde manche Sachen gar nicht so abwegig“, sagt sie, lacht und ergänzt, dass sie Otfried Preußler auch sehr liebt. Im Fantasybereich haben es ihr derzeit die Werke von Sarah Maas angetan. Die Jugendbuchreihe „Skulduggery Pleasant“ von Derek Landy gefalle ihr auch, obwohl Science-Fiction-Elemente mit einfließen. Mit diesem Genre kann Lenz sich eigentlich nur wenig anfreunden. „Es ist mir zu kalt vom Setting her, da kann ich nicht viel mit anfangen. Ich brauche eine normale Flora und Fauna“, erklärt sie die Gründe, dass es ihr oft zu technikbasiert ist. Auch Liebesgeschichten mag die 36-Jährige überhaupt nicht: „Sie sind einfach vorhersehbar.“

Lenz steht allen Arten von Medienpräsentation offen gegenüber. Hörbücher hört sie sich gerne auf der Autofahrt an. Vor allem „Achtsam morden“ von Karsten Dusse empfiehlt sie. Aber auch Tonies lauscht sie hin und wieder. Allein schon von Berufs wegen her, um Empfehlungen aussprechen zu können.

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Anna Lenz möchte Bestandsgruppen wie die Kamishibais (japanisches Papiertheater, Anm. d. Red.) erweitern. Dabei denke sie an eine Zusammenarbeit mit den Kindergärten. Auch in Veranstaltungsreihen für Kinder werden diese gerne eingesetzt. Da es große Bildkarten sind, können auch Kleine aktiv in die Arbeit einbezogen werden, deren Aufmerksamkeitsspanne recht kurz ist und bei denen Kamishibais daher sehr gut funktionieren.

Die Stadtbibliothek hat eine digitale Geschichtenzeit eingeführt, eine Plattform mit verschiedenen Bilderbuchreihen. Diese wird für Kindergärten zur Verfügung gestellt, soll aber auch als Ersatz für Veranstaltungen dienen. „Das kann zu Hause zwei Wochen lang genutzt werden“, erklärt Lenz.

Veranstaltungen zu planen, gestalte sich aufgrund der Corona-Lage derzeit etwas schwierig. Bibliotheksnächte will die 36-Jährige wieder einführen und auch ein neues Konzept für die Vorstellung von Medien wolle sie noch erarbeiten. Es gibt Konzepte, mit denen direkt gestartet werden kann, wenn es wieder möglich ist.

Lenz und ihr Team wünschen sich Anregungen, Hinweise und Tipps von den Nutzern. Denn man wolle die Bücherei ja auch für sie gestalten.

Autor Redakteurin für Print und Online in Hockenheim, Altlußheim, Neulußheim und Reilingen

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