Stadtbibliothek - Ausgerechnet zum 50. Geburtstag muss die Einrichtung fast alle Veranstaltungen absagen / Im Januar 2020 erstmals über 10 000 Ausleihen in einem Monat Corona vereitelt Rekord im Jubiläumsjahr der Stadtbibliothek

Von 
Matthias Mühleisen
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Ist mit der Zahl der Ausleihen im Corona-Jahr 2020 noch ganz zufrieden: Dieter Reif vor den Neuheiten, die die Stadtbibliothek jedes Jahr reichlich präsentiert. © Lenhardt

Hockenheim. 2020 hätte das Jahr für die Stadtbibliothek werden können. Nach einer rekordverdächtigen 2019-Bilanz mit einer Steigerung der Besucherzahl um mehr als 1000 brachte der Januar erneut Höchstwerte. „Es war der erste Monat, in dem wir über 10 000 Ausleihen verzeichneten“, berichtet Dieter Reif, der die Einrichtung seit 33 Jahren leitet. Bedenkt man dann noch, dass die Stadtbibliothek ihr 50-jähriges Bestehen hätte feiern können, wird klar, was Corona dem Büchereiteam genommen hat.

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Wobei Dieter Reif angesichts der Umstände mit den Zahlen für 2020 durchaus zufrieden ist: Das Minus liege bei acht Prozent, trotz mehrwöchiger Schließzeiten und starken Einschränkungen in den Zeiten dazwischen. „Als wir nach sechs Wochen wieder aufmachen durften, konnten wir maximal zehn Besucher auf einmal einlassen, das haben wir kontrolliert durch die Ausgabe von Einkaufskörben, die alle nehmen mussten außer Kinder unter sechs Jahren“, erklärt der Diplom-Bibliothekar.

„Leute waren sehr verständnisvoll“

Er spricht seinen Lesern ein großes Lob aus: „Das hat wunderbar funktioniert, die Leute waren sehr verständnisvoll.“ Und hatten offenbar schon einen guten Riecher für die Pandemieentwicklung und deren Folgen: „Am Freitag vor dem zweiten Lockdown haben wir über 1000 Ausleihen gebucht, da standen kurz vor Schließung die Leute noch vom einen Eingang zum anderen“, erinnert sich Reif. Sie wurden alle noch „abgearbeitet“.

108 000 Medien hat die Stadtbibliothek insgesamt im vergangenen Jahr verliehen, davon waren 86 000 „physischer“ Natur – also Bücher, CDs, DVDs oder Spiele, dazu kamen rund 22 000 E-Books. Die Zahl der Medien gibt Dieter Reif mit 34 000 an, dabei dominieren die Bücher mit 28 500 Exemplaren. 2600 Medien wurden neu angeschafft.

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Die Einrichtung hatte im vergangenen Jahr rund 2400 aktive Leser, das sind solche, die wenigstens einmal pro Jahr eine Ausleihe tätigen. 250 Nutzer wurden neu angemeldet. Diese Zahl sei deutlich niedriger als im Durchschnitt, was auf das Konto des Coronavirus gehen dürfte.

Gerade aufgrund der Beschränkungen in der Öffnungszeit und der Besucherzahlen im Haus hält Dieter Reif das Angebot von Metropolbib.de, der E-Ausleihe, für besonders empfehlenswert. „Der Service ist auch in diesen Zeiten zu 100 Prozent nutzbar“. Rund 600 Nutzer haben mit einem Leseausweis der Stadtbibliothek die digitalen Angebote Medien abgerufen, davon waren 175 neu angemeldet.

Lockdown beflügelt E-Ausleihe

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Die Gesamtzahl der Nutzer von Metropolbib.de beläuft sich laut Dieter Reif auf 22 000, die der Ausleihen auf 890 000. Interessant findet der Bibliotheksleiter, dass der stärkste Monat der E-Ausleihe der April war mit 87 000 Medien – also der erste komplette Monat im Lockdown.

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Über die E-Book-Ausleihe hinaus bietet Metropolbib.de auch einen „Pressreader“, der Zugang zu Zeitungen und Zeitschriften aus über 100 Ländern in über 60 Sprachen kostenlos nutzbar macht. Viele große ausländischen Zeitungen seien dabei vertreten. Das sei vor allem für Schulen interessant, die den Fremdsprachenunterricht mit aktuellen Themen aufwerten können. In gedruckter Form könne das eine einzelne Bücherei nicht anbieten.

Eine wichtige Informationsquelle für Schüler und Studenten sei das Nachschlagewerk Munzinger-Archiv, das mit dem Personen- und dem Länderverzeichnis ebenso online zur Verfügung steht wie das Brockhaus-Lexikon. „Das ist ein gutes Angebot, es wird nur noch viel zu wenig genutzt“, findet Dieter Reif. Ein kostenlos zu erhaltender Leseausweis genügt für den Zugang.

Vom großen Veranstaltungsprogramm, das die Stadtbibliothek alljährlich auf die Beine stellt, konnten nur die Kinderangebote in den ersten Monaten stattfinden. Bilderbuchkino, Papiertheater Kamishibai, Vorlesen, Überraschungskino und Vorlesen in der Salzgrotte des Aquadroms liefen bis Mitte März. Nach dem ersten Lockdown hätte man die Zuhörerzahlen so stark einschränken müssen, dass es sich nicht mehr gelohnt hätte. „Das war aus meiner Sicht gravierend, dass das nicht mehr möglich war – wir hatten uns ein Stammpublikum erarbeitet“, sagt Reif.

Zwei Bucht(r)ipps geplant

Einen Bucht(r)ipp mit Rosa Grünstein und Thomas Liebscher hatte Reif zum Glück schon Ende Januar angesetzt. Für das laufende Jahr ist er vorsichtig: Er hat nur zwei Bucht(r)ipps im Mai und Oktober geplant und einen „Retro-Gaming“-Nachmittag für Fans von Gameboy und Nintendo 64. Dafür steht noch kein Termin fest.

Die Schließzeiten habe das Team genutzt, um mal „richtig aufzuräumen“. Endlich stehe alles da, wo es stehen soll, viele verschollene Medien seien wieder gefunden worden – an falscher Stelle oder in zweiter Reihe.

Redaktion Redakteur im Bereich Hockenheim und Umland sowie Speyer

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