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Nachgefragt - Konrad Sommer von der Stadtverwaltung über die Erfahrungen beim offenen Termin in der Stadthalle / Von 175 verabreichten Dosen 30 Erstimpfungen

„Mobile Impfteams massiv ausbauen“

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mm
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Hockenheim. Beim anmeldefreien Impftermin, den die Stadtverwaltung in Kooperation mit dem Landratsamt am Freitag angeboten hat, sind mit 175 verimpften Dosen 30 Erstimpfungen, 20 Zweitimpfungen und 125 so genannte Boosterimpfungen, also die dritte Verabreichung, vorgenommen worden. Das hat Konrad Sommer (Bild), persönlicher Referent des Bürgermeisters, der die Aktion bei der Stadt koordiniert hat, auf Anfrage mitgeteilt. 148-mal wurde Biontech verabreicht, 16-mal Moderna und elfmal Johnson&Johnson.

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Auf Basis eigener Erfahrung und Berichten aus Nachbargemeinden hat das Hockenheimer Team die Organisation optimiert. Nach Ankündigung des Termins gingen auf der Impfhotline zahlreiche Anfragen ein aus Nachbargemeinden, aber auch aus Mannheim, Heidelberg, Bruchsal, Weinheim, Mosbach und anderen Kommunen des Rhein-Neckar-Kreises sowie aus Rheinland-Pfalz. Dabei ging es immer wieder um die Frage, ob auch dieses Mal Auswärtige geimpft würden.

Sommer: „Die zu erwartende Nachfrage zwang uns dazu, bereits bei der Ankündigung des Termins klar zu machen, dass dieser Impftermin nur für in Hockenheim gemeldete oder in Hockenheim arbeitende Personen zur Verfügung stehen würde. Auch den Anrufern auf der Impfhotline wurde diese Information, verbunden mit dem strikten Rat, auf eine Anreise am 5. November zu verzichten, vermittelt.“

Während der laufenden Impfaktion seien Beschäftigte von Stadtverwaltung und Stadthalle die Reihe der Wartenden immer wieder durchgegangen und hätten versucht, Auswärtige zur Umkehr zu bewegen. Das half, die Warteschlange immer wieder zu verkürzen. Zusätzlich versuchten sie bereits zu einem möglichst frühen Zeitpunkt vorherzusagen, welcher Teil der Warteschlange keine Chance mehr auf eine Impfung haben würde. Die Betroffenen wurden möglichst früh angesprochen, damit sie nicht unnötig lange in der Schlange verbringen mussten.

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Konrad Sommer bedauert, dass am Ende doch noch etwa 15 Personen, die alle bereits mehr als zwei Stunden angestanden hatten, unverrichteter Dinge nach Hause geschickt werden mussten. „Trotz einer Nachlieferung, die wir im Laufe des Nachmittags aus Heidelberg bekamen, ging der Biontech-Impfstoff wieder aus“, erläutert der Impfkoordinator. Zudem habe sich das Personal der Landratsamts wegen der bis zu zwei Überstunden beklagt, die für das Abarbeiten der kompletten Schlange erforderlich gewesen wären.

Für mehr Flexibilität sorgen

Sommer erklärt: „Das hat mich persönlich zwar sehr geärgert, jedoch habe ich zwei Dinge dabei gelernt. Zum einen muss man Verständnis für die Arbeitszeitbelange der Leute des Landratsamts haben. Die schaffen seit Monaten sehr viele Impfungen unter teils schwierigen Bedingungen und bauen fast ausnahmslos hohe Überstunden-Salden auf, welche sie in Anbetracht der aktuellen Pandemie-Situation auch nicht mehr kurzfristig abbauen können.“ Zum anderen funktionierten die in der freien Wirtschaft gegebenen Möglichkeiten eines fairen Interessenausgleichs im öffentlichen Dienst aufgrund des Rechtsrahmens nicht. Er findet: „In Zeiten wie diesen sollte man über eine Flexibilisierung des Vergütungssystems für öffentlich Bedienstete zumindest mal nachdenken.“

Ein weiterer, massiver Schwachpunkt der aktuellen Impfkampagne sei an diesem Nachmittag ebenfalls sehr deutlich geworden: Da alle Ärzteverbände in den vergangenen Monaten versichert hätten, dass das Impfen den niedergelassenen Ärzten sowie Betriebsärzten überlassen werden sollte und diese auch uneingeschränkt vorbereitet seien, hätten sich Politiker aus Bund und Ländern zur Abschaffung der etablierten Impfzentren entschlossen – ein gravierender Fehler, findet Sommer: „Ich habe mich am Freitag mit einer Vielzahl von Wartenden darüber unterhalten, warum sie die Impfung nicht bei ihren Hausärzten vornehmen lassen. Der breite Strauß an Antworten deutet darauf hin, dass die Ärzteschaft bei weitem noch nicht so gut vorbereitet ist, wie deren Interessenverbände behaupten.“

Da werde öffentlich erstgeimpften Jugendlichen Zweitimpfungen verweigert mit dem Hinweis, man impfe keine Kinder. Zweitimpfungen mit Moderna würden in vielen Praxen nicht verabreicht, da man zum Leeren einer Impfampulle mindestens sechs Moderna-Impflinge in einem kurzen Zeitraum versorgen müsse, was jedoch nicht der Fall sei. Einige Ärzte seien mit Impfterminen bis in das kommende Jahr ausgebucht. Andere bestätigten ihren Patienten, dass sie erst im kommenden Jahr mit der Vergabe von Corona-Impfungen beginnen wollen. In Summe führten all diese Erfahrungen zu jenem Chaos, das bei den sogenannten niederschwelligen Impfangeboten nun teilweise entstehe.

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Was für Sommer nicht bedeutet, dass die Impfzentren wieder geöffnet werden müssten, wie es Teile der Bundespolitik gerade fordern: „Dazu gäbe es eine Alternative, die den Impfinteressierten sehr entgegenkäme, nämlich der schnelle und massive Ausbau der mobilen Impfteams.“ Von denen benötige Deutschland dringend mehr und diese sollten unter dem aktuellen Druck durch die Boosterempfehlungen grundsätzlich über mehr als eine Impfstraße verfügen.

Konrad Sommer blickt zurück: „Wir haben am Freitag 175 Personen auf einer Impfstraße versorgt. Mit einer zweiten Impfstrecke hätten wir im gleichen Zeitraum weit über 300 Probanden helfen können. Uns ist bewusst, dass dies keine Entscheidung ist, die im Landratsamt getroffen werden kann. Und ich schätze das Engagement der Ordnungsdezernentin des Rhein-Neckar-Kreises, Doreen Kuss, sehr, die unentwegt versucht, die für den Ausbau der mobilen Impfteams erforderlichen Mittel im Stuttgarter Sozialministerium freizubekommen.“ / mm

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