Schmeckt Fisch ohne Fasnacht?

Franz Anton Bankuti sinniert über Coronas Einfluss auf Heringe

Von 
Franz Anton Bankuti
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Heringe – wie steht es in diesem Jahr um sie? Bislang war alles klar: Erst wurde Fasnacht gefeiert, dann wurden Heringe gegessen. Im Laufe der Zeit haben die Heringe, also besser gesagt, hat das Heringsessen ein Eigenleben entwickelt. Manche Vereine stellten nämlich fest, dass man keinen Karneval vorher braucht, um gemeinsam Heringe zu essen.

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Der Hering hat es also zu einer gewissen Bekanntheit im Jahreszyklus geschafft. Man sagte: Wir gehen zum Heringsessen, und alle wussten, was gemeint ist. Wenn jemand erzählt: Wir gehen zum Rotbarschessen . . . na ja, lassen wir ihn doch. Der Aschermittwoch hat den Hering in gewisser Weise geadelt. Er schmeckt den meisten ja auch prima und es macht Spaß, wenn er in gemütlicher Runde und großer Gesellschaft verspeist wird. Man könnte natürlich sarkastisch sagen, das sei ja schön für den Hering, weil er auch zu Lebzeiten stets im Schwarm lebte.

Aber halt, nicht in unseren Zeiten anno Domini 2021. Kein Fasching, kein Schunkeln, wenig gemeinschaftliche Geselligkeit, also sind auch die Heringe einsam. Digital eingelegter Hering? Mal überlegen.

Fisch ist ja bekanntlich gesund, drum sollten wir, hören wir oft, mehr Fisch essen. Dann hören wir aber, weltweite Speisefischbestände seien überfischt oder erschöpft, viele Fangmethoden zerstören sensible Ökosysteme.

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Sind wir verunsichert? Jedenfalls kann dieses Jahr das große gemeinsame Heringsessen nicht stattfinden. Corona schützt Hering? Der nimmt übrigens bundesweit Platz vier in der Rangfolge der beliebtesten Fische ein. Wir Deutschen essen statistisch gesehen etwa 14 Kilogramm Fisch pro Kopf pro Jahr. Die Franzosen und die Schweden verzehren gut das Doppelte. Wenn wir diskret die Liste des Fischkonsums der Bundesländer betrachten, steht Baden-Württemberg bundesweit an allerletzter Stelle. Da ist also bei den Unterwassertieren noch „Luft nach oben“. Vielleicht bemühen wir uns: Jede Ölsardine zählt . . .

Zurück zum Hering: In diesem Jahr müssen wir also aufgrund der ausfallenden Heringsessen-Runden kein schlechtes Gewissen gegenüber dem Hering haben. Und eines wollten wir ja mit unserer Geselligkeit auf gar keinen Fall: Unsere Meere in eine Krise stürzen.