Serie Ex-Tollitäten der Narrhalla (Teil 3) - Verena III. folgt ihrer Mutter Roswitha I. und übergibt an Cousine Isabel I. / Sandra II. ist Schwester des ersten Kinderprinzen Jochen Eine Ketscher Familie mit vielen Prinzessinnen

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Caroline Scholl
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Isabel I. (im blauen Kleid) übernimmt 2016 das närrische Zepter von ihrer Cousine Verena III. Narrhalla-Präsident Dirk Berger mo-deriert den wichtigen Moment in der Rheinhalle. © Elischer

Ketsch. Die Fasnacht wird schmerzlich vermisst – von allen Fasnachtsfreunden und von allen, die der KG Narrhalla verbunden sind. Nachdem wir im ersten Teil unserer Serie mit den Prinzenpaaren des Ketscher Traditionsvereins zurückgeblickt hatten, widmen wir uns in Teil 3 einigen Ex-Tollitäten, bei denen die Inthronisierung als Prinzessin in der eigenen Familie schon Tradition hat.

Narrhalla-Prinzesinnen Zepter bleibt in der Familie

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Als Roswitha Schäfer, damals mit zarten 17 Jahren, 1980 ihre Kampagne als Roswitha I. aus dem Hause Elischer antrat, war bei der Narrhalla alles ein wenig anders als in den Jahren zuvor. „Ich war damals die erste Prinzessin, die nicht beim Silvesterball in der Rheinhalle inthronisiert wurde, sondern bereits im November, denn der Silvesterball fand ab diesem Zeitpunkt nicht mehr statt“, erinnert sich die Ketscherin zurück.

Im Schützenhaus sei der Kreis der Anwesenden überschaubar gewesen und auch die Prinzessin-Krone, die seit 1953 von der ersten Prinzessin Pia I. immer weitergereicht wurde, kam bei Roswitha I. das letzte Mal zum Einsatz. „Auch durfte ich noch keinen eigenen Prinzessin-Orden haben. Ein eigenes Auto beim Ketscher Umzug gab’s ebenfalls nicht. Ich fuhr auf dem Wagen der Narrhalla mit“, erinnert sie sich zurück. Mit zwei verschiedenen Kleidern, die sie heute noch hat, war sie als Prinzessin damals schon gut ausgestattet, hatten die Vorgängerinnen zumeist nur ein Kleid.

25 Jahre später trat ihre Nichte als Jaqueline I. aus dem Hause Elischer das karnevalistische Erbe ihrer Tante an. Und 2015/2016, also 35 Jahre nach der eigenen Inthronisierung, begann für Roswitha eine ganz besondere Kampagne: Ihre Tochter Verena übernahm als Verena III. das närrische Zepter bei der Narrhalla. „Meine Mama war von Anfang an überall immer mit dabei. Wir haben schon immer ein ganz inniges Verhältnis und Fasnacht ist von Kindesbeinen an mein Leben. Ich habe schon ganz früh mit dem Gardetanz begonnen und natürlich wollte ich eines Tages Prinzessin sein“, berichtet Verena, die beim Start ihrer Kampagne 22 Jahre war. Auf Mama Roswitha war immer Verlass. „Als am 11.11. die Eröffnung der Fasnacht auf dem Marktplatz anstand, war mir plötzlich mein Kleid zu weit geworden, aber Mama hat es in einer Blitzaktion enger genäht“, lacht Verena beim Gespräch mit unserer Zeitung.

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Dass sie das Prinzessin-Dasein derart genieße, hätte sie vorher nie gedacht: „Es war am Ende sogar fast traurig, das Zepter weiterzugeben, so sehr hing ich an der schönen Zeit.“ Als derzeitige Trainerin der aktiven Garde blute ihr in diesem Jahr besonders das Fasnachterherz, denn die Wochenenden seien viel zu ruhig und ihre Schützlinge und sie vermissen die Auftritte sehr. „Mein närrisches Zepter durfte nach mir allerdings direkt in der Familie bleiben, denn meine Nachfolgerin wurde meine Cousine Isabel als Isabel I. aus dem Hause Schäfer.“

Vier wunderschöne Kleider

„Für mich war meine Kampagne eine unvergessliche Zeit und der Zusammenhalt im Verein war großartig“, erinnert sich Isabel. Überrascht hat die damals 23-Jährige die karnevalistischen Würdenträger der Narrhalla allemal: „Ich wusste nicht, dass es laut Statuten so sein musste, dass die Prinzessin nicht alleine nach Hause laufen durfte. Gleich am ersten Abend habe ich das aber getan – sehr zur Überraschung des Elferrats, der mich dann vermisste. Allerdings haben mich dann auch alle überrascht, denn für mich wurde eine Überraschungsgeburtstagsparty organisiert. Mein 24. Geburtstag fiel nämlich mitten in die Kampagne.“ Von ihren vier wunderschönen Kleidern kann sich Isabel bis heute nicht trennen. „Besonders hat mich gefreut, dass mein Sohn Luis ein Jahr nach meiner Kampagne der zweite Kinderprinz in der Narrhalla-Geschichte wurde“, ergänzt die blonde Ketscherin.

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Sandra Hubbuch, die Schwester von Jochen – dem ersten Kinderprinzen der Narrhalla im Jahr 1996 – führte die Tradition in ihrer Familie fort und wurde 2000 als Sandra II. inthronisiert. „Ich wollte unbedingt einmal Prinzessin bei der Narrhalla sein und bewunderte schon als Gardemädchen und Tanzmariechen die damaligen Prinzessinen“, sagt sie.

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Auch dass ihr bei der Inthronisierung derart die Hände zitterten, dass sie es nicht schaffte, ihre Rede vom Zettel abzulesen, vergesse sie nie. „Einmal stand ich in meinem Prinzessin-Outfit fix und fertig zu Hause und sollte abgeholt werden. Doch keiner kam. Später sollte sich herausstellen, dass unsere Klingel an der Tür defekt war und mein Gefolge verzweifelt versuchte, mich zu erreichen“, lacht Sandra, die vor Corona gerne auch mal nach Köln zum Karneval gereist ist.

Präsident einst Fasnachtsmuffel

Outfits im Stile einer Prinzessin, das war das Steckenpferd von Verena Berger, die als Verena I. 2009 inthronisiert wurde. „Ich hatte tatsächlich ganze sieben Kleider während meiner Kampagne“, erinnert sich die Schwester von Dirk Berger, dem heutigen Präsidenten der Narrhalla, der als Prinz im Jahr 2000 – gemeinsam mit Jennifer I. – die Ketscher Fasnacht regierte. „Meine Tante Simone war an der Seite von Gregor I. ebenfalls Prinzessin in der Kampagne 2017/2018, es ist also auch so ein Familiending bei uns, wobei ich heute verraten möchte, dass mein Bruder Dirk als Kind ein richtiger Fasnachtsmuffel war. Das Interesse kam bei ihm erst viel später, aber dann mit voller Wucht“, lacht die sympathische heutige Elferrätin.

Sie selbst habe ihr Herz an die Fasnacht verloren, als sie 1995 nach Ketsch zog und als Tochter des damaligen Hausmeister-Ehepaars der Rheinhalle mit großen Augen das Training der Gardetänzerinnen verfolgte. „Natürlich wollte ich auch tanzen und bin mit vier Jahren zur Garde. Meine Kampagne bleibt für mich unvergesslich und war noch schöner, als ich es mir je vorgestellt hatte“, bekräftigt Verena.

Eine kleine Anekdote weiß die erste von drei Prinzessinen mit dem Namen Verena zudem zu berichten und wie sollte es anders sein: Es geht um ein Kleid: „Meine Mama wollte eines meiner Kleider bügeln und verzierte es ganz ungewollt mit einem schönen Bügeleisen-Abdruck“, lacht sie. Gerettet wurde es, indem einfach eine Falte eingenäht wurde, was später nicht mehr auffiel.

Und eine Änderung bei der Narrhalla gab es nach der Kampagne von Verena der I. außerdem: „Ich bekam bei meiner Abdankung als Prinzessin den Elferratskittel umgehängt, denn seit diesem Zeitpunkt wurde aus dem reinen Männerelferrat bei der Narrhhalla ein gemischter Elferrat“, erklärt Verena Berger erfreut.

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