Hallen- und Freibad - Azubi Manuel Geschwill spricht über die Folgen der Corona-Schließungen / Zahl der Nichtschwimmer dürfte steigen Erfahrungen sammeln geht nicht

Von 
Stefan Kern
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Ketsch. Wenn es um den Start in die Berufswelt geht, ist das Coronavirus eine Art Elefant im Eingangstor. Es trifft nicht alle Auszubildenden gleich: Bei manchen wirkt sich das Maßnahmenpaket zur Eindämmung des Virus durchaus positiv aus, während es bei anderen die Ausbildung ausbremst. Aber alle müssen an diesem Elefanten irgendwie vorbei und machen dabei Erfahrungen, die noch keine Auszubildendengeneration zuvor je so gemacht hat.

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Positiv formuliert kann man davon ausgehen, dass Flexibilität nicht mehr nur ein Wort ist. Bedingungen haben sich teilweise von Tag zu Tag verändert und erzwangen laufend Anpassungen. Für eine stets ungewisse Zukunft nicht die schlechteste Schule. Negativ ist, dass dieses Dauerflexible keine Orientierung und wenig Sicherheit bietet, was das soziale Netzwerk namens Gesellschaft unter Druck setzt und sozialen Zusammenhalt erodieren lassen kann.

Azubi Manuel Geschwill reinigt mit einem Kollegen das Schwimmerbecken im Freibad. Für solche Aufgaben ist jetzt immerhin viel Zeit vorhanden. © Kern

Manuel Geschwill, im zweiten Lehrjahr zum Fachangestellten für Bäderbetriebe im Ketscher Hallen- und Freibad, sieht solche Dinge. Dass gelingende Gemeinschaft eine Art Mindestnähe erfordert, steht für ihn außer Frage. Auch der Mikrokosmos Freibad funktioniere ja nur im Zusammenspiel der Vielen. Und genau diese Vielen fehlen ihm sehr. Im September 2019 startete er seine Ausbildung in der Enderlegemeinde und hat seitdem aktiv keine richtige Freibadsaison erlebt. Für die Ausbildung hat er sich entschieden, weil er gerne mit Menschen zu tun hat – und jetzt findet die Ausbildung fast komplett ohne Menschen statt. Das sei durchaus bedrückend und noch viel wichtiger, „die Ausbildung leidet“.

Damit meint er nicht, dass er wichtige Inhalte wirklich komplett verpasst. Für die ganze technische und chemische Seite von der Wartung technischer Anlagen bis zur Wasserkontrolle bleibt unterm Strich sogar mehr Zeit als zuvor. Nein, es geht eher um das Soziale. Bäderleiter Armin Luksch erklärte in einem früheren Gespräch, dass es als Verantwortlicher am Wasser darauf ankomme, Gefahrensituationen zu „riechen“. Man könne manchen Kindern beispielsweise ansehen, dass sie das Wasser vergessen haben. Oder wenn man erkennt, dass es jemandem nicht so gut geht. Es gibt zig Situationen, die aufmerken lassen, und jede einzelne fußt auf Erfahrung. Und genau die könne man derzeit kaum vermitteln.

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Das geht, das weiß auch Geschwill, nur in der Situation. Vor allem das Freibad ist hier die Schule für die Auszubildenden. Und, dass diese Schule letztes Jahr ausgefallen ist, bedeutet klar ein Defizit. Das könne man alles nachholen und oft würde weniger Erfahrung mit mehr Konzentration einhergehen. Aber optimal, so Geschwill, sei das nicht. Klar, dass der 19-jährige hofft, dass die Impfquote bis zum Beginn der Freibadsaison deutlich nach oben gegangen ist und die Menschen bald wieder ohne Sorgen ins Freibad kämen.

Das sei nicht nur wichtig für ihn, sondern auch für die Kinder, die schwimmen lernen sollen. Hier erkennt Geschwill für seinen Bereich übrigens die schlimmsten Auswirkungen des Corona-Virus. Auch der Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Achim Wiese, befürchtet „eine Generation von Nichtschwimmern“. Nach einer DLRG-Studie konnten schon 2017 bundesweit 59 Prozent der Mädchen und Jungen am Ende der Grundschulzeit nicht sicher schwimmen. Zahlen, die in der Corona-Zeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weiter nach oben gegangen sein dürften.

Trotz allem zuversichtlich

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Mehr Nichtschwimmer und eine bis dato suboptimale Ausbildung lässt Befürchtungen von mehr Unglücken nicht unrealistisch erscheinen. Aber natürlich, so der junge Auszubildende, sei das nicht in Stein gemeißelt. Derzeit absolviert er gerade den Part zur Wasserrettung und Wiederbelebung. „Es läuft gut und ich fühle mich der Aufgabe gewachsen.“ Er ist – genau wie Jan Eckerlin, der gerade sein drittes und damit letztes Ausbildungsjahr absolviert – im Grunde trotz allem zuversichtlich. „Corona wird irgendwann der Vergangenheit angehören, die Menschen werden das Hallen- und das Freibad wieder besuchen kommen und ich werde meinen Teil dazu beitragen, dass sie das sicher können.“

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Freier Autor Stefan Kern ist ein freier Mitarbeiter der Schwetzinger Zeitung.