In Ketsch gibt es mehr Glückliche als woanders

Von 
Marco Montalbano
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Ketsch. Mitten in der Corona-Krise hat sich die Ketscherin Stephanie Groen, psychologische Beraterin und Life-Coach, dazu entschlossen, sich in ihrer Heimatgemeinde selbständig zu machen. Ihr zentrales Thema ist „Glück“, wie man es findet, wiederfindet und was man genau tun muss, um dieses Ziel zu erreichen. In einer Zeit voller Unsicherheit und Angst thematisiert jemand einen Punkt, den viele auch vorher gar nicht „auf dem Schirm“ hatten. Fragt man Freunde und Bekannte „Bist du eigentlich glücklich?“ erhält man meist nur ein ratloses Achselzucken als Antwort. Darüber, wie es um das Glück in Ketsch bestellt ist, wie es einem gelingen kann, aktuell glücklich zu sein, sprachen wir mit der 34 Jahre jungen Beraterin

Auf der Couch bei Stephanie Groen – sie hat Anfang Januar ihre psychologische Praxis eröffnet. Der Praxisname ist Programm und lautet „Glücklich sein“. © Montalbano
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Mitten im Ketscher Wohngebiet liegt die Schulstraße. Auch wenn noch kein Schild draußen hängt, steht doch schon alles bereit. Der Praxisraum ist hell und freundlich, mit Blick zum Garten, Buch um Buch reiht sich in der Regalwand aneinander, neben der zwei modernen Stühle für die Patienten bereit stehen.

„Auch ich musste lernen“

Stephanie Groen ist ein Mensch mit grundpositiver Ausstrahlung. Ob sie schon immer so war, möchte man als Gegenüber von ihr wissen. „Trotz Schicksalsschlägen und belastenden Erlebnissen ist es möglich, ein glückliches Leben zu führen. Auch ich musste das lernen. Aber es geht. In jedem von uns steckt unglaublich viel Potenzial, nur nutzen wir es nicht. Oft leben wir ein Leben, das uns nicht glücklich macht, haben Angst oder der innere Schweinehund hindert uns daran, Veränderungen anzugehen. Ich traf vor ein paar Jahren die Entscheidung, mein Leben, meine Sichtweise und mein Denken komplett zu verändern und damit einen Entschluss für mehr Selbstbewusstsein, Hoffnung, Mut, Willenskraft und Selbstvertrauen.“ Sie fügt nach einer Pause hinzu: „Daraus resultierte ein glücklicheres Leben, mehr Gesundheit und Lebensqualität. Nun helfe ich anderen, auch dahin zu kommen.“

Man behilft sich

Auf die Frage, ob die Ketscher glückliche Menschen sind und ob sich da vielleicht etwas in den vergangenen zwölf Monaten verändert habe, reagiert sie ohne Zögern: „Ketsch ist eine kleine Gemeinde mit starkem Zusammenhalt. Man hilft sich in der Nachbarschaft, wir haben hier tolle Natur und viele Vereine. Das macht viel aus. Ich selbst war mal Faschingsprinzessin. Es gibt auf jeden Fall sicher mehr Glückliche als in anderen Orten“, sagt sie mit einem Augenzwinkern und ergänzt: „Die Pandemie sorgt auch hier für Einschränkungen, Ängste und Verluste. Sie machen den Menschen zu schaffen und direkter Kontakt fehlt. Aber man behilft sich, zum Beispiel durch die Facebook-Gruppe Ketsch, da gibt es rund 3000 Mitglieder. Das tröstet.“

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Sie hat schon einige Patienten. „Viele scheuen den Schritt, sich professionelle Hilfe zu suchen. Darum therapiere ich auch online und per Telefon, was beides gut funktioniert. So erleichtere ich die Kontaktaufnahme“, sagt Stephanie Groen, die gut ein Jahr auch über ihren Instagram-Account, zu diesem Zeitpunkt noch gratis, beriet. „Da gab es auch einen Patienten in Abu Dhabi dem ich helfen konnte. Ein Saarländer“, sagt sie und lacht.

Rund 5000 Follower hat sie. Darunter seien einige gewesen, die auf sie zugekommen seien, wie auch im echten Leben, und sie um Rat fragten. Bedarf gäbe es viel: „Rund jeder dritte Mensch hat in seinem Leben zeitweilig mit psychischen Belastungen und Problemen zu kämpfen.“

Jeder kann stark bleiben

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Stephanie Groen ist davon überzeugt, dass jeder es schaffen kann, auch in der aktuellen Krise stark zu bleiben: „Ja, es kann einem gelingen trotz schwerer Umstände, Krisen, Verluste und Krankheiten ein glückliches Leben zu führen. Dazu erfordert es ein starkes Mindset, einen starken Selbstglauben, Resilienz, also eine psychische Widerstandskraft, positives Denken, Achtsamkeit und eine Portion gesunden Egoismus. Ein glückliches Leben führen zu können ist für jeden individuell. Der Schlüssel zum Glück ist, dass in jeder Krise, jedem Verlust und Negativen auch eine Lösung, Hoffnung und etwas Positives steckt. Ein Mensch ist meiner Meinung nach glücklich, wenn er das tut, was er liebt, sich durch andere, negative Impulse nicht beeinflussen lässt und sich selbst verwirklichen kann.“

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Es sei für unsere Psyche wichtig, die derzeitige Situation zu akzeptieren und sich bewusst zu machen, weshalb die Einschränkungen getroffen wurden, nämlich für unsere Sicherheit. Es würde nicht helfen, dagegen anzukämpfen, sondern man solle die Dinge nehmen, wie sie sind und das Beste daraus machen. „Sehen Sie die neue gewonnene Zeit als Chance und beschäftigen Sie sich nicht permanent mit all den negativen Dingen um uns herum. Kommen Sie zur Ruhe, entdecken Sie neue Fähigkeiten und Hobbys. Versuchen Sie in allem etwas Positives zu finden, egal, wie schlimm es gerade sein mag“. Und: „Jeder Mensch hat das Recht auf ein glückliches Leben, unabhängig aller Lebensumstände - ich helfe dabei.“

Eine Grafik mit den aktuellen Corona-Zahlen gibt's hier:

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Freie Autorenschaft Freier Journalist für die Region Rhein-Neckar. Davor Pressereferent bis zum Wechsel auf die „andere Seite“. Studium der Politikwissenschaft. In Vergangenheit lange als Texter für die Wirtschaft tätig. Mitglied der Autorengruppe Literatur Offensive Heidelberg.