Schulsozialarbeiterin: Nichts ersetzt den persönlichen Kontakt

Von 
Caroline Scholl
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Schulsozialarbeiterin an der Neurottschule Marion Sandritter weiß, dass durch Corona neue Beratungsthemen und -anlässe entstehen. © Scholl

Ketsch. Bereits seit 2005 ist die Diplom-Sozialpädagogin Marion Sandritter, die als Master of Social Work mit dem Schwerpunkt psychosoziale Beratung abschloss, in der Neurottschule kompetente Ansprechpartnerin für Schüler, Lehrer und Eltern. Wo sonst der Zugang zur Beratung bei ihr sehr einfach, praktisch von Tür zu Tür möglich ist, stellt der Lockdown und die dazugehörigen Schulschließungen neue Herausforderungen dar. „Alle Schüler, die schon vorher bei mir in der Beratung waren und natürlich alle anderen auch, haben aktuell online die Möglichkeit, mit mir Termine zu vereinbaren und auch Spaziergänge im Eins-zu-eins-Kontakt, sogenannte „Walk and Talk“-Gespräche, sind möglich“, erklärt Sandritter.

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„Durch die aktuelle Situation kann man sagen, dass es einen vermehrten Bedarf an Beratung und Unterstützung gibt, denn in vielen Familien kommt man mit Homeschooling, Homeoffice und weiteren Belastungen, die Corona und die Verordnungen mit sich bringen, an Grenzen“, bemerkt die 48-Jährige aus den Erfahrungen der letzten Zeit.

Unterliegt der Schweigepflicht

Bereits im ersten Lockdown konnte sie feststellen, dass nach der Wiederöffnung der Schulen zahlreiche Schüler Redebedarf hatten und das Angebot der Beratung gerne nutzten. „Die Beratung ist immer etwas Freiwilliges und, dies ist ganz wichtig, etwas Vertrauliches. Bei Inhalten von Gesprächen unterliege ich der Schweigepflicht. Lehrer und Eltern können genauso eine Beratung anstoßen wie die Schüler selbst, jedoch entscheidet am Ende der Schüler, ob er ein Gespräch wünscht“, so Marion Sandritter.

Natürlich sei die „Schwelle“ bis zur Beratung im Normalbetrieb der Schüler geringer. „Wenn ein Lehrer einen Gesprächsbedarf mit mir erkennt, so kann er dies einem Schüler persönlich anraten. Gerade bei jüngeren Schülern ist dies dann einfacher. Aktuell wird ein Grundschüler nicht so einfach Möglichkeiten haben, mit mir in Kontakt zu kommen, als in Präsenzzeiten, in denen man einfach bei mir vorbeikommen kann. Kontakt ist zwar aktuell per Mail oder Telefon oder über die Online-Lernplattform der Schule über den Chat für alle Schüler möglich, doch dies ist für jüngere Schüler vom Ablauf her etwas schwieriger“, weiß die Sozialpädagogin. Sie ist daher, gerade auch bei jüngeren Klassenstufen, oft mit eingeladen, wenn online Klassenlehrerstunden oder Klassenräte stattfinden.

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Weiterhin entstünden durch die Online-Beschulung und die gesamte Situation ganz neue Themen und Beratungsanlässe: „Ob es um den Umgang miteinander im Chat geht oder um das Fehlen von Kontakten zu Gleichaltrigen. Homeschooling ist zwar aktuell die einzige Möglichkeit, das Bildungsgeschehen weiterzuführen, es sollte jedoch immer als Notlösung gelten. Der persönlichen Kontakt, ein soziales Miteinander und ein für die Entwicklung wichtiges gemeinsames Lernen ersetzt dies nicht. Manche Schüler kommen damit besser klar, manche weniger. Dies ist sehr individuell und Eltern und Lehrer geben ihr Bestes, um die Schüler zu begleiten. Ältere Schüler haben teils Zukunftssorgen, wenn es um Prüfungen oder die anschließende Ausbildung geht, jüngere Schüler vermissen geregelte Abläufe sehr stark“, bekräftigt Marion Sandritter.

Dem Tag eine Struktur geben

Auch Eltern, die einen Beratungsbedarf erkennen, seien eingeladen, sich bei der Schulsozialarbeiterin zu melden, denn jeder Anlass sei wichtig und ein Gespräch oft hilfreich. „Was den Familien aktuell vielleicht etwas helfen kann, ist, wenn sie es schaffen, den Tag etwas mehr zu strukturieren. Ein Homeschooling- Schultag entsprechend der regulären Schulzeiten mit Pausen kann helfen und auch ein entsprechendes Bewegungsangebot für Kinder und Jugendliche ist wichtig“, rät die Sozialarbeiterin. Dass nun in Kürze die Jüngsten wieder teilweise in den Präsenzunterricht zurückkehren dürfen, begrüßt Marion Sandritter, denn gerade für diese Altersgruppe, die sich mal an einen Schulalltag gewöhnt hat, sei es sehr schwer, online lesen und schreiben zu lernen.

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„Die Lehrer, Eltern und Schüler tun alles, was in ihren Möglichkeiten liegt, und es ist wichtig, das Infektionsgeschehen einzudämmen. Doch ich bin zuversichtlich, dass in Baden-Würrtemberg bald wieder Leben in die Schulräume kommt und nach und nach Präsenzunterricht wieder möglich wird“, bekräftigt Marion Sandritter.

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