Vier Hoheiten blicken auf ihre Kampagnen zurück Und plötzlich „Seifenprinzessin“

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Caroline Scholl
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Die „Seifenprinzessin“ rollt an: Daniela I. bekam diesen lustigen Beinamen, weil sie kleine Lux-Seifen ins Zugpublikum warf. © Brunner, Berberich, Keilbach

Ketsch. Manchmal waren die Prinzessinnen der Narrhalla noch sehr jung, jedoch waren alle sicherlich eines: tolle Persönlichkeiten. Im Laufe der Jahre haben sich mit den Prinzessinnen die Statuten der Narrhalla verändert, bedingt durch das charmante Einwirken mancher Lieblichkeit, die so für die kommenden Prinzessinnen neue Wege geebnet hat.

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Als Birgit I. aus dem Hause Berberich den närrischen Thron der Narrhalla im Herbst 1982 bestieg, erfüllte sich nicht nur ihr Traum: Für ihre Eltern Irma und Heinz Berberich ging ebenso ein inniger Wunsch in Erfüllung. Denn: „Meine Eltern waren nicht nur miteinander verheiratet, sondern irgendwie auch mit der Narrhalla“, erzählt Birgit Lösch und lacht. Ihre Kindheit verbrachte sie mit Menschen aus der Narrhalla. Sie war bei jedem Fest zugegen, denn ihre Eltern packten immer kräftig mit an, wenn es um den Verein ging. „Im Freundeskreis meiner Eltern waren viele Töchter bereits Prinzessin gewesen. Meine Eltern wollten das auch für mich. Als ich 17 Jahre alt war, kam eine Abordnung der Narrhalla zu uns und fragte, ob ich nicht Prinzessin sein wollte. Meine spontane Antwort war erstmal: Nein!“, berichtet Birgit Lösch. Sie ließ sich jedoch auf ein Geschäft mit ihren Eltern ein: Diese versprachen ihr ein VW-Käfer Cabrio, von dem Birgit träumte, dafür wurde sie Fasnachtsprinzessin. „Meine Mutter hütete das Geheimnis, dass ich Prinzessin werde, tatsächlich bis zur Inthronisation“, verrät die Ketscherin weiter.

Die erste Amtstat am Tag nach der Inthronisation in der Rheinhallen-Gaststätte war ein Gratulationsbesuch bei Bürgermeister Ferdinand Schmid, der gerade wiedergewählt wurde. Birgit Lösch erinnert sich: „Insgesamt war meine Kampagne sehr ruhig. Ich erinnere mich an schöne Umzüge und dass ich außer Bonbons auch kleine Geschenke für Kinder warf, was der Verein erst einmal nicht so gut fand, denn das war etwas Neues. Neu war auch, dass ich andere, nicht-karnevalistische Vereine wie den Tennisclub oder den Gesangverein bei deren Fasnachtsveranstaltungen besuchte. Meine Eltern waren eben in vielen Vereinen engagiert. Außerdem war ich die erste Prinzessin, die in Trauerkleidung am Aschermittwoch die Fasnacht beim Heringsessen beerdigte.“ Eines ihrer schönen Prinzessinnenkleider kam 1985 noch mal zum Einsatz, als sie gemeinsam mit den ehemaligen Prinzessinen Roswitha I. und ihrer Nachfolgerin Sylvia I. bei der 100-Jahrfeier des Gesangvereins (heutige Sängereinheit) als Festdame im Zug mitlief. „Es war alles eine tolle Zeit, verbunden mit vielen Erinnerungen an meine Eltern“, resümiert Birgit I.

Das Beste daraus gemacht

In weniger positiver Erinnerung hat Michaela I. aus dem Hause Brunner ihre Kampagne 2008/2009. „Ich war mit über 30 schon eine der älteren Prinzessinnen und dadurch sicher nicht mehr so formbar wie eine ganz junge Totalität“, ist sie überzeugt. „Seit Tessy Sommer Mitte der 1980er Jahre Prinzessin war, hatte ich mit dem Gedanken gespielt, dieses Amt einmal zu übernehmen. Fast hatte ich es schon verworfen, als Nicole Ostfalk, die als Nicole II. 1994/1995 Prinzessin war, mich bei der Narrhalla ins Spiel brachte. Leider passten dann viele Dinge für mich nicht, ob es um die Orden, das Wurfmaterial oder organisatorische Abstimmungen ging“, erklärt sie weiter. Mit ihrer selbstbewussten Art sei es ihr jedoch gelungen, das Beste aus den Situationen zu machen. „Dankbar bin ich heute noch ganz besonders Bernd Schmitt, der leider viel zu früh verstarb, sowie Bernd Kahrmann, die sich immer für mich einsetzten und mit denen ich eine schöne Zeit hatte. Und natürlich meinen Eltern Annemarie und Jürgen Brunner, die mich voll unterstützen. Vielleicht bin ich einfach nicht das ‚brave‘ Mädchen gewesen, dass sich die damalige Vereinsführung wünschte, aber so bin ich eben – und das ist gut so“, bilanziert die Ketscherin.

Hart im Nehmen

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17 Jahre alt war Daniela Blaschko, die noch Keilbach hieß und im elterlichen Möbelhaus in der Enderlegemeinde die Abordnung der Narrhalla ihre Aufwartung machte, um sie für die Kampagne 1986/87 zu gewinnen. „Ich habe spontan ja gesagt. Kurz danach wurde ich 18 und im November dann in kleiner Runde in der Rheinhallen-Gaststätte inthronisiert“, erinnert sich Daniela Blaschko noch genau – und gerne: „Ich hatte meine Prinzessinnenkleider in Mannheim gekauft. Meine Eltern haben mich immer begleitet und voll unterstützt. Damals war es auch eine finanzielle Frage, denn die Kleider, die Orden und vieles andere musste selbst finanziert werden“, führt die heutige Geschäftsführerin vom Möbelhaus Keilbach aus. Eine starke Erkältung machte ihr damals während der Prunksitzung zu schaffen und auch bei den Umzügen war sie krank, was sie jedoch nicht davon abhielt, überall dabei zu sein. „Irgendwie habe ich – wie auch immer – alles gemeistert. Was ich nie vergessen werde, ist, dass ich als Wurfmaterial unter anderem kleine Lux-Seifen hatte. Als ich am Fasnachtsdienstag mit dem Cabrio an den Umzügen in Schwetzingen und Brühl teilnahm, rief eine Frau: ,Da kommt die Seifenprinzessin‘“, erzählt Daniela Blaschko und lacht.

Seit ihrer Kampagne kommt die Narrhalla mit der amtierenden Prinzessin traditionell am schmutzigen Donnerstag zur Stippvisite bei Kuchen und Brezeln ins Möbelhaus Keilbach, was die Belegschaft als sehr wertschätzend empfindet. „Leider ist dies ja diesmal nicht möglich und ich vermisse alle Veranstaltungen rund um die Fasnacht in Ketsch sehr. Hoffentlich geht es in der nächsten Kampagne wieder weiter.“

Rückblick in die Jahre 1958/59

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Die finalen Zeilen der Prinzessinnenserie gehören Inge Engelhorn, die als Inge I. aus dem Hause Volk 1958/1959 in Ketsch die 7. Prinzessin der Vereinsgeschichte war und mittlerweile 80 Jahre alt ist: „Was soll ich sagen? Ich war 18 Jahre alt und es war eine Zeit, die sich mit heute nicht mehr vergleichen lässt. Es war alles etwas begrenzter, dafür trotzdem sehr schön. Die Prinzessinnen heute sind alle zauberhaft mit ihren großartigen Kleidern, bei mir ist alles schon so lange her.“

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26 Ex-Tollitäten haben mit der Redaktion auf ihre Kampagnen zurückgeblickt. Nun geht die Fasnacht 2020/21 sehr still in ihre letzte Phase. Doch Schluss wird noch lange nicht sein – oder um es mit den Worten von Dirk Berger, dem Präsidenten der Narrhalla, zu sagen: „Ketsch Ahoi – Narrhalla Ahoi – Tollitäten Ahoi“.

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