Evangelische Kirchengemeinde - Joanna Notheis tritt zum 1. März ihre Stelle als erste Vikarin in der Gemeinde an / Ihre Eindrücke von Neulußheim sind positiv Joanna Notheis ist die neue Vikarin in Neulußheim

Von 
Corinna Perner
Lesedauer: 
Joanna Notheis tritt zum 1. März als erste Vikarin Neulußheims ihre Stelle an. An ihrer Seite: Hund „Pringles“. © Perner

Neulußheim. Die Motivation, den Pfarrberuf zu ergreifen, wird einem nicht zwingend in die Wiege gelegt, wie dies die zukünftige Vikarin der evangelischen Kirchengemeinde Neulußheim unter Beweis stellt. Erst als Jugendliche begann Joanna Notheis, sich umfassender mit dem Glauben auseinanderzusetzen. Die sympathische junge Frau tritt in wenigen Wochen ihren Dienst in der Gemeinde an und fühlt sich bereits jetzt an der neuen Wirkungsstätte sehr wohl.

AdUnit urban-intext1

Joanna Notheis wurde mit ihrer Familie, zu der auch ein kleiner Bruder gehört, der inzwischen jedoch zum „großen jungen Bruder“ herangewachsen sei, in Graben-Neudorf groß. Die Geschwister seien in ihrer Familie nicht christlich aufgewachsen. Dem Glauben sei man zwar „nie fern, aber auch nicht aktiv gewesen“. Einzig die Oma lebte diesen und praktizierte Rituale wie abendliche Gebete oder das Gebet am Tisch. Im Konfirmationsalter, mit 13 oder 14 Jahren, habe die junge Frau dann festgestellt, dass das Thema Glaube gar nicht so uninteressant sei: „Ich habe gemerkt, dass das doch mehr mit mir zu tun hat, als ich immer dachte, dass mich die Inhalte interessieren.“

Theologie statt Lehramt

So engagierte sich die inzwischen studierte Theologin im CVJM Graben-Neudorf unter anderem als Jugendleiterin, wo sie mit viel Spaß Andachten hielt und feststellte, dass ihr das Predigen liegt. Da ihr das dazugehörige Sprechen vor Menschen leichtfiel, entschied Notheis sich nach dem Schulabschluss für ein Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe. In den ersten drei Semestern kristallisierte sich immer mehr heraus, dass die Studentin das Fach evangelische Religion am meisten interessierte, während das Interesse an Englisch und Geografie nur mäßig groß war.

Die Frage „Wie soll ich Inhalte dieser Fächer erklären, wenn sie mich nur teilweise interessieren?“ mündete in der Folgefrage „Warum nicht in Vollzeit Theologie studieren?“ und so folgte ein Wechsel an die Universität Heidelberg. Nachdem sich das Ende dieses Studiums Corona-bedingt hinauszögerte, ist Joanna Notheis nach Ablegen der letzten Prüfung im vergangenen Dezember nun „examiniert und bereit“ – bereit für ihr erstes längerfristiges berufliches Wirken, das am 1. März beginnt. Als erste Vikarin Neulußheims überhaupt tritt sie dann ihre zweijährige praktische Ausbildungszeit an, danach darf sie sich Pfarrerin nennen.

AdUnit urban-intext2

Dass Neulußheim der zukünftige Ort ihres Wirkens sein wird, weiß die 28-Jährige, bald 29-Jährige bereits seit dem vergangenen Frühjahr und hatte so im Vergleich zu anderen Jahrgängen ein ganzes Stück mehr Vorlaufzeit, um gemeinsam mit Mann Jens und Hund „Pringles“ („wie die Chips“) ein neues Domizil in Neulußheim zu finden. Trotz begrenzter Aussichten auf dem Wohnungsmarkt und Haustier sei dies dann doch gut gelungen, die schöne Wohnung mitten in Neulußheim haben die drei bereits bezogen. Ehemann Jens kommt der Umzug insofern entgegen, als dass sich sein Arbeitsweg etwas verkürzt habe – seine Arbeitsstelle als Physiotherapeut wurde bei der Stellenvergabe seiner Frau berücksichtigt.

Der erste Eindruck von Neulußheim ist für die Zugezogenen rundum positiv, der Ort und seine Umgebung sprechen sehr an. Auch wenn sich ein Kennenlernen der Bewohner aktuell eher schwierig gestaltet, genießen Joanna Notheis und ihr Mann „ausgiebige Spaziergänge mit Hund“ und schätzen, dass sie schnell im Grünen seien – sind doch beide sehr gerne draußen. Dass die Kontakte bisher noch etwas zurückstecken mussten, sei für drei Neu-Neulußheimer „okay, weil wir als kleine Familie so erst einmal ankommen durften“. Auch die im Vergleich zu Graben-Neudorf größere Gastronomie schätzen die beiden – ein Besuch vor Ort war zwar bisher nicht möglich, doch im Zuge des Abholdienstes wurde das Angebot bereits ab und zu genutzt.

„Menschlich und freundlich“

AdUnit urban-intext3

Ins Schwärmen kommt Joanna Notheis, als sie vom Mailkontakt mit Bürgermeister Gunther Hoffmann berichtet, der im Zusammenhang mit der Wohnungssuche entstanden sei: „Ich empfinde es als sehr positiv, wenn ein Gesicht der Gemeinde so sympathisch und offen rüberkommt“, freut sich die angehende Vikarin bereits auf die Zusammenarbeit mit dem Mann, den sie zudem als „menschennah und freundlich“ beschreibt. Ebenfalls erste Kontakte knüpfen konnte sie zu Pfarrerin Katharina Garben, der sie nicht nur ihre Stelle zu verdanken hat, sondern die sie auch die nächsten zwei Jahren als Mentorin anleiten und begleiten wird.

AdUnit urban-intext4

Bei einem gemeinsamen Spaziergang und einem Kaffeeklatsch hatten die beiden jungen Frauen bereits die Gelegenheit, sich näher kennenzulernen. „Mein erster Eindruck: Ich hätte es nicht besser erwischen können mit der Gemeinde“, freut sich Joanna Notheis auf die Zusammenarbeit mit einer Pfarrerin, die sie als „interessiert an mir als Person, sehr einladend sowie offen gegenüber meinen Erfahrungen und für Feedback“ bezeichnet und zudem als „sehr jung und sehr dynamisch“ beschreibt.

Ein erstes Kennenlernen der Mitglieder des Kirchengemeinderates steht Joanna Notheis zwar noch bevor, doch der Blick in die auf der Internetseite der Gemeinde abgebildeten Gesichter zeige ihr, dass dieser vor allem bunt sei: „Es gibt viele verschiedene Altersklassen, vom Schüler bis zum jung gebliebenen Erwachsenen ist alles dabei.“ Die 28-Jährige nehme auch das Gremium als „sehr offen und einladend“ wahr. All diese ersten Eindrücke münden mit Blick auf den 1. März in einem „Vorfreudegrummeln“: Trotz der Gewissheit, nun nach langem Studium und vielen Semesterferien in einen Beruf ohne typische 40-Stunden-Woche einzusteigen, in dem man „immer Neues erlebt, nie fertig ist und nie ausgelernt hat“, empfindet Joanna Notheis vor allem Neugierde auf das Kommende.

Ihre freie Zeit bis zum Arbeitsbeginn füllt sie aktuell vor allem mit ihrem Hund „Pringles“, der mit seinen zwei Jahren noch viel Zeit und Geduld in Anspruch nimmt. Aus den regelmäßigen Treffen mit einem Hundetrainer gibt es Hausaufgaben, bringt das aus dem Tierschutz stammende Tier doch einige schwierige Charaktereigenschaften mit. Dass er deshalb sein Frauchen zunächst bei der Arbeit nicht begleiten können wird, stellt insofern kein Problem dar, als dass der Hund als Hütehund „am besten entspannen und schlafen kann, wenn er alleine ist und auf niemanden aufpassen muss“.

Ansonsten genießt Joanna Notheis es, viel zu lesen und dabei mal auf explizit nicht theologische Lektüre wie Romane und andere Texte zurückgreifen zu können, „die so gar nichts mit dem Beruf zu tun haben“. Zudem gelte gerade jetzt das Motto: „Man hilft, wo man kann“, sodass auch Einkäufe für die Großeltern und die Unterstützung dreier Familien bei der Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung mit zur Alltagsgestaltung bis zum Vikariatsbeginn zählen.

An die bevorstehende praktische Ausbildungszeit bringt Joanna Notheis durchaus Erwartungen mit und zeigt sich dabei als sehr selbstreflektiert: „Ich möchte etwas lernen, aber auch zeigen, was ich schon kann.“ Zu Letzterem zähle das Predigen, lernen müsse die junge Frau jedoch, „wie man eine gute Beerdigung macht, ohne emotional zu sehr involviert zu sein“, also „eine professionelle Distanz einzunehmen, ohne distanziert zu wirken“. Mit Katharina Garben an ihrer Seite zweifelt Joanna Notheis nicht daran, dass der Lernerfolg in den nächsten zwei Jahren eintreten wird.

Wunsch nach Wurzeln

Nutzen möchte Joanna Notheis diese Zeit aber auch, um für sich herauszufinden, ob der Pfarrberuf für sie tatsächlich infrage kommt. So kann sich die Theologin nicht vorstellen, im Zuge der Residenzpflicht alle sieben bis zehn Jahre umzuziehen, sondern sie will „irgendwo ankommen und Wurzeln entwickeln können“. Gegebenenfalls müsse sie sich nach dem Vikariat innerhalb des theologischen Bereichs anderweitig umschauen.

Nun aber sieht der Lehrvikariatsplan zunächst eine Hospitationsphase, dann den Einsatz in der Schule und schließlich auch zunehmend im Gemeindedienst vor. Die Entlohnung während der mit einem Referendariat vergleichbaren Zeit sei „für das, was wir dabei lernen, ganz gut“. Am Pfarrberuf schätzt Joanna Notheis zudem, dass es ein flexibler Job ist und sie beispielsweise selbst herausfinden kann, ob es sich für sie am heimischen Schreibtisch oder am Arbeitsplatz im Pfarramt besser arbeiten lässt.

Mehr zum Thema

Evangelische Kirche Jeder setzt seine Ideen individuell um

Veröffentlicht
Von
Corinna Perner
Mehr erfahren

Trauergottesdienst Ein Leben an der rechten Hand Gottes

Veröffentlicht
Von
Andreas Wühler
Mehr erfahren

Neulußheim Schafskäse und Mineralwasser für’s Jesuskind

Veröffentlicht
Von
Corinna Perner
Mehr erfahren