Jubiläen und Feierlichkeiten

Ein Blick in die Oftersheimer Ortsgeschichte

Das neue Jahr, schon wieder rund zwei Wochen alt, gibt auch für Oftersheim Anlass für mancherlei Gedenktage und Jubiläen: Was sich 2023 in der Hardtgemeinde so alles jährt, zum Beispiel der erbitterte Kampf um die Selbstständigkeit vor genau 50 Jahren.  

Von 
Hans-Peter Sturm
Lesedauer: 
Ja, was denn nun? Der wöchentliche Bauernmarkt findet vor der Kurpfalzhalle, der Schmutzige Donnerstag in der Roland-Seidel-Halle statt. © Hans-Peter Sturm

Oftersheim. Kinder, wie die Zeit vergeht … Das neue Jahr, schon wieder rund zwei Wochen alt, gibt auch für Oftersheim Anlass für mancherlei Gedenktage und Jubiläen, doch echte Feierlichkeiten sind dabei eher nicht zu erwarten. Dennoch lohnt es sich aber, an bestimmte Ereignisse zu erinnern, die sich 2023 zu einer runden Zahl jähren und die jüngere Geschichte der Hardtgemeinde wesentlich mitgeprägt haben - hier einige Beispiele:

Vor 20 Jahren musste mit der Friedenslinde ein bedeutendes Naturdenkmal und Ortswahrzeichen aufgrund eines Pilzbefalls gefällt werden. Am 5. Dezember 2003 geschah dies in Anwesenheit zahlreicher Einwohner, die sich eine Baumscheibe als Trophäe mitnahmen.

Ortsgeschichte Oftersheim: „Wäscheklammer“ verschwindet

„Silberjubiläum“ feiert in diesem Jahr die Friedrich-Ebert-Schule nach Erweiterung und Renovierung 1997/98, im Zuge dessen erfuhren auch der Schulhof und die angrenzenden Freiflächen zur Christuskirche und der Rathausvorplatz eine Neugestaltung. Von letzterem verschwand damals auch die markante Standuhr, von den Oftersheimern liebevoll-spöttisch „Wäscheklammer“ getauft. Am 31. Oktober 1998 wurde bei der Verabschiedung von Bürgermeister Siegwald Kehder einer herausragenden Persönlichkeit nicht nur die Ehrenbürgerwürde verliehen, auch die bisher so genannte altengerechte Wohnanlage trägt seither seinen Namen. In dasselbe Jahr fiel auch der Abschluss des Flurbereinigungsverfahrens.

1993 erklärte das Regierungspräsidium Karlsruhe durch Rechtsverordnung die Oftersheimer Dünen zum Natur- und Landschaftsschutzgebiet auf einer Fläche von 48 Hektar – auch schon 30 Jahre her.

Und vor 40 Jahren, am 28. März 1983, wurde bei der Gründungsversammlung des Heimat- und Kulturkreises im Bürgersaal des Rathauses ein neuer Verein ins Leben gerufen, der seither den Veranstaltungsreigen in der Gemeinde maßgeblich mitbestimmt und viel zu deren Identität beiträgt. Damit verknüpft ist der fast zeitgleiche Beginn der Renovierung des bäuerlichen Anwesens Mannheimer Straße 61, welches drei Jahre später als vielbeachtetes Gemeindemuseum eröffnet wurde.

Mit der Einweihung des Rose-Saals im Spätjahr nach Renovierung und Erweiterung konnte ein weiteres Stück „Alt-Ofdasche“ erhalten werden, während am 27. Oktober 1983 durch einen Großbrand „beim Kubbers-Wendl“ in der Mannheimer Straße 19 einer der imposantesten Höfe des alten Dorfes erheblich zerstört wurde.

„Oftersheim, Landkreis Mannheim“ – das gehörte ab 1973 mit der Gründung des Rhein-Neckar-Kreises der Geschichte an. Doch nach dieser Umstellung drohte viel größeres Ungemach: „Schwetzingen, Ortsteil Oftersheim“! So oder ähnlich hätte es künftig an den Ortseingängen heißen sollen, nachdem im Landtag Baden-Württemberg das „Gesetz zur Neuordnung der Gemeinden“ erlassen worden war. Es folgte ein erbitterter Kampf um die Selbstständigkeit, nachdem der Gemeinderat den Zielplanungsentwurf des Landes zur Zusammenlegung der Stadt Schwetzingen mit Oftersheim und Plankstadt abgelehnt hatte.

Bürgerversammlungen fanden statt, eine Bürgerinitiative zum Erhalt der Selbstständigkeit wurde gegründet, es gab Werbeaktionen wie Broschüren und Anstecker mit dem Slogan „Nein zum Zusammenschluss!“ 1974 votierten bei einer Bürgeranhörung 95 Prozent gegen die Zusammenlegung, doch erst Ende Juni traf die erlösende Nachricht aus dem Landtag ein, davon abzusehen.

Ortsgeschichte Oftersheim: Ölkrise und Energiespargründe

Dass 1973 „In den Seegärten“ ein neuer evangelischer Kindergarten gebaut wurde und der Bauhof in der Saarstraße sein Domizil erhielt, geriet da schon fast zur Randnotiz. In diesem Jahr wurde übrigens keine Weihnachtsbeleuchtung aufgehängt – aus Energiespargründen, Stichwort „Ölkrise“! Das kommt einem doch heute nach 50 Jahren bekannt vor …

Am Dienstag, 10. Mai 1963, auf den Tag genau zwei Jahre nach dem ersten Spatenstich, wurde mit einem Festakt die neue Turn- und Festhalle als „Leuchtturmprojekt“ feierlich eingeweiht. Am 24. Februar 1962 war mit dem Grundstein auch die Namensgebung für die Halle festgelegt worden: „Kurpfalzhalle“ – unter diesem historisch geprägten Begriff sollte sie in den folgenden Jahrzehnten als herausragende Kulturstätte den Namen Oftersheims in der Region repräsentieren. Wohl niemand hätte damals gedacht, dass der Bau sechs Jahrzehnte später quasi über Nacht einen neuen Namen erhalten sollte, was erwartungsgemäß die Verärgerung der meisten Bürger nach sich zog.

Immerhin wurde bei der gut besuchten Bürgermeisterkandidatenvorstellung am 12. September bereits in Aussicht gestellt, dieses Thema zu gegebener Zeit erneut auf die Gemeinderat-Agenda zu setzen. Was dem Schwetzinger Rokokotheater recht war, kann infolgedessen der „guten Stube“ Oftersheims hinsichtlich der öffentlichen Meinung nur billig sein.

Ortsgeschichte Oftersheim: Ironie oder Wink des Schicksals?

Da erscheint es fast als Ironie oder Wink des Schicksals, dass ein neu gegründetes regionales Gesprächsformat namens „Kurpfalz Horizonte“ ausgerechnet in Oftersheim Ende des Monats seine erste Station nimmt.

Vor diesem brisanten Thema verblasst fast die Anmerkung, dass ebenfalls 1963 der Gemeinderat den Abriss des alten Rathauses beschlossen hatte.

Abschließend bleibt noch zu erwähnen, dass vor 70 Jahren die damalige „Volksschule“ einen Neubau erhielt, welcher 1952/1953 als zweigeschossiges Gebäude und Klassenzimmern mit beidseitigem Lichteinfall (sog. „Schuster-Typ“) errichtet wurde.

So viel Geschichte – doch es schadet sicher nicht, die Ereignisse zur Kenntnis zu nehmen und sich ihrer in gebührender Weise zu erinnern. Nach dem Motto: „Zukunft braucht Herkunft“. 

Mehr zum Thema

Hungermarsch Hungermarsch: 40. Jahrestag wird in Brühl begangen

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Was geschah am... Kalenderblatt 2023: 15. Januar

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Roland-Seidel-Halle Django Asül beim Neujahrsempfang in Oftersheim: "Ich lebe als Kabarettist meine Träume"

Veröffentlicht
Mehr erfahren