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Ortsgeschichte - Das Exemplar aus dem Jahr 1903 weist bereits damals auf die hohe Qualität des Oftersheimer Spargels hin

Eine der richtig alten Postkarten

Von 
Hans-Peter Sturm
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Eine der ältesten Lithografien der Gemeinde: Die abgebildete Postkarte von Oftersheim stammt von 1903. © Huko/Sturm

Oftersheim. Zum Johannistag an diesem 24. Juni und zur in der hiesigen Region vor Kurzem zu Ende gegangenen Spargelsaison verweist die abgebildete Postkarte auf die wohl schon früher bekannte Qualität des Oftersheimer Spargels. Die Karte aus einer Auktion ist eine der ältesten Lithografien der Hardtgemeinde vom einst sehr bekannten Verlagshaus Karl Küstner in Heidelberg, laut umseitigem Poststempel wurde sie am 1. Juli 1903 auch dorthin verschickt. Charakteristisch für die Zeit sind die vom Jugendstil geprägten Einrahmungen der einzelnen Abbildungen wie auch die ergänzenden Blumenmotive.

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Totalansicht vom Süden her

Die „Totalansicht“ zeigt das Dorf von Süden her, genauer gesagt vom Hang des Dreieichenbuckels. Als markantes Bauwerk erscheint links die evangelische Kirche, rechts davon das 1889 fertiggestellte damalige „neue Schulhaus“, der heutige Klinkerbau der Friedrich-Ebert-Schule. Daneben blickt der Turm des Rathauses hinter den Dächern hervor. Hinter diesen Bauten erscheint die Silhouette von Schwetzingen mit ihren Kirchen und Fabrikschloten. An letztere schließt sich zum linken Bildrand hin der Schlossgarten an. Die Scheunen im Vordergrund der rechten Bildhälfte gehören zu den Bauerngehöften in der Mannheimer Straße, heute etwa von der Einmündung des Dreieichenwegs bis zum Rathaus.

Die Bezeichnung „Kirche“ lässt erkennen, dass es damals nur ein Gotteshaus in Oftersheim gab, die evangelische Kirche im alten Kirchhof, dessen Grabsteine gut erkennbar sind. Der Betrachter blickt von Westen her auf den Kirchenbau, der damaligen Feldseite, heute ungefähr vom Eingangsbereich des Gemeindehauses her gesehen. Der neubarocke Turm mit seiner charakteristischen doppelten Zwiebelhaube war 1894 und damit erst wenige Jahre, bevor die Karte „gelaufen“ ist, fertiggestellt worden.

Die Miniaturansicht im Anschluss zeigt neben dem einstigen evangelischen Schulhaus von 1836 links dahinter das „Rathaus“ mit seinem markanten Turm, ebenfalls eines der verschwundenen Wahrzeichen des alten Dorfes. Rechts zweigt die jetzige Eichendorffstraße ab. Bemerkenswert sind die dargestellten Personen, welche die Szene beleben sollen: Vor allem die modisch gekleideten Damen wären eher dem gehobenen Bürgertum zuzuordnen und wirken mit ihren weit ausladenden Hüten hier in der Mannheimer Straße des noch vorwiegend bäuerlich geprägten Ortes etwas skurril.

Schließlich sitzt in einem kreisförmigen Bildausschnitt eine zwergenähnliche männliche Gestalt mit Zipfelkapuze und üppigem weißen Bart in der freien Natur, genüsslich eine lange Stange des „königlichen Gemüses“ verzehrend.

Unter der Darstellung lädt ein origineller Vers auf der Karte den Bildbetrachter ein, es dem Bärtigen gleichzutun:

„Und kommt die schöne Frühlingszeit, Nach Oftersheim dann wandre. Kauf dir ein ganz Pfund Spargel ein, Iss eine um die andre.“

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