Bürgersaal

SWR-Moderatorin Patricia Küll in Oftersheim: „Achtsamkeit für sich und für andere“

Die SWR-Moderatorin, Autorin und Trainerin Patricia Küll spricht am Dienstag im Bürgersaal über Lebensfreude und Leichtigkeit. Und die 54-Jährige räumt im Interview ein, dass ihr zweiter Vorname „Pragmatismus“ heißt.

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Hat viel zu erzählen: Autorin, Coach und SWR-Moderatorin Patricia Küll. Bild: Werneke © Werneke

Oftersheim. Die SWR-Moderatorin, Autorin und Trainerin Patricia Küll spricht am Dienstag im Bürgersaal über Lebensfreude und Leichtigkeit. Und die 54-Jährige räumt im Interview ein, dass ihr zweiter Vorname „Pragmatismus“ heißt.

Frau Küll, Sie sind SWR-Moderatorin, Autorin und Coach. In welcher Reihenfolge machen sie das denn?

Patricia Küll: Tatsächlich ist es so, wie Sie das gesagt haben. Mit der Moderation für den SWR verbringe ich die meiste Zeit, seit zwei Jahren bin ich auch Teamleiterin und für den Service zuständig. Ansonsten fließt alle Zeit ins Schreiben, mittlerweile habe ich drei Sachbücher und zwei Romane geschrieben. Coach bin ich erst an letzter Stelle, obwohl ich das Thema super interessant finde. Im ersten Corona-Jahr habe ich eine Glückslehrerausbildung am Fritz-Schubert-Institut für Persönlichkeitsentwicklung in Heidelberg absolviert. Das ist sehr anerkannt. Man lernt dort, was man braucht, um sich selbst ein glückliches Leben zu gestalten.

Sie sagen, dass Sie bei Lesungen gar nicht so viel lesen, sondern mehr erzählen. Warum ist dies essenzieller für Sie?

Küll: Na ja, weil es eher ein Vortrag ist, den ich sehr lange vorbereite. Mit Pointen und einer entsprechenden Dramaturgie. Bücher können die Leute selbst lesen, es soll ja kein betreutes Lesen sein (lacht). Ich möchte, dass die Zuhörer etwas mit nach Hause nehmen, emotional berührt werden, lachen, ein Tränchen verdrücken und einfach gemeinsam einen schönen Abend verbringen. Ich möchte ihnen einen Mehrwert mitgeben.

Das klingt sehr pragmatisch …

Küll: Pragmatismus ist mein zweiter Vorname.

Bei Ihrem Vortrag am 8. November in Oftersheim steigen Sie thematisch mit Ihrem ersten Roman „Denn wir werden Schwestern bleiben“ ein. Sind Schicksalsschläge Kompassnadeln für unser Leben?

Küll: Letztlich fordern uns Schicksalsschläge erst einmal emotional, aber irgendwann sollte man etwas daraus lernen, damit sie nicht umsonst waren. Mein Vater sagt immer: Es ist nichts so schlecht, als dass nicht etwas Gutes dabei wäre. Das ist mein Mantra! Loslassen, Trennung oder Zäsuren mögen noch so schmerzlich sein, aber für irgendetwas werden sie gut sein. Der Buchtitel hat mit dem Tod meiner kleinen Schwester zu tun. Sie hatte beim Sturmtief Christian vor 13 Jahren einen tödlichen Unfall. Wozu soll dieses tragische Unglück gut gewesen sein? Ich weiß es nicht, aber zu diesem Zeitpunkt stand ihr privates wie berufliches Glück auf tönernen Füßen. Vielleicht hat ihr das Schicksal doch einiges erspart. Dieser Gedanke tröstet mich bis heute.

Vortrag, Tickets und Gewinnspiel

Der Vortrag von Patricia Küll „Über Lebensfreude und Leichtigkeit in schweren Zeiten“ am Dienstag, 8. November, beginnt um 19.30 Uhr im Bürgersaal der Gemeinde Oftersheim in der Eichendorffstraße 2. Einlass ist ab 19 Uhr. Es ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Gemeindebücherei und der Volkshochschule Schwetzingen.

Tickets gibt es bis einschließlich Montag, 7. November, noch im Vorverkauf. Anmeldungen nimmt sowohl die Bücherei (Telefon 06202/59 71 55) und die Volkshochschule (06202/2 09 50) entgegen. Dort kann man sich in eine Anmeldeliste eintragen lassen, um den vergünstigten Vorverkaufspreis (10 Euro) zu bekommen. An der Abendkasse werden Karten für 14 Euro verkauft.

Gemeinsam mit der SWR-Moderatorin, Autorin und Trainerin Patricia Küll sowie deren Verlag verlosen wir drei Buchexemplare. Bitte nutzen Sie dafür unser allgemeines Gewinnspielformular www.schwetzinger-zeitung.de/gewinnspiel und schreiben Sie als Betreff „Buch Patricia Küll“ dazu. Einsendeschluss ist Montag, 14. November, um 12 Uhr. Die Gewinner werden informiert und können dann ihr Exemplar im Kundenforum der Schwetzinger Zeitung zwischen Montag und Freitag (8 und 12 Uhr, 13 und 17 Uhr) in der Carl-Theodor-Straße 2 abholen. jog

Tragisch – und gleich ein harter Themenschwenk. Wer möchte nicht lieber die Leichtigkeit des Seins genießen. Wie schwer ist es, diese zu erreichen und zu konservieren?

Küll: Es ist viel, viel Arbeit. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Meine Mutter ist mit 67 an Krebs gestorben, von der Diagnose bis zum Tod waren es gerade mal drei Monate. Also auch ich muss viel daran arbeiten, um mir die Leichtigkeit zu erhalten. Die gute Nachricht ist: Es ist nicht so wahnsinnig schwer, man muss nur dranbleiben und in kleinen Schritten vorgehen. Man braucht Achtsamkeit für sich und andere. Wenn man alle negativen Gefühle wegschiebt, ist die Gefahr des Reboundeffekts (Anm. der Red.: die Gefahr, dass sie immer wieder zurückkommen), gerade bei depressiven Verstimmungen, sehr groß. Nein, man muss schon die Steine in seinem Garten umdrehen und gucken, was darunterliegt.

Welche Botschaften liegen Ihnen besonders am Herzen?

Küll: Wichtig ist, dass es jeder selbst in der Hand hat. Wir Frauen warten immer auf den Prinzen mit einem Pferd, doch der rettet uns nicht. Wir müssen es selbst machen. Wir arbeiten uns am Partner, an Bekannten, an Arbeitskollegen ab – doch über die haben wir keine Handlungsmacht. Das ist der Kern meiner Botschaft. Vielleicht hören das manche nicht gerne, weil es unbequem ist . . .

Wie fällt das Feedback auf Ihre Vorträge aus?

Küll: Immer toll. Es ist pure Begeisterung dabei, die Leute bedanken sich bei mir, wie emotional sie das Gesagte berührt hat. Vorher denke ich immer: Oh Gott, oh Gott, oh Gott, ich bin nicht gut genug. Ich bin halt wahnsinnig selbstkritisch und neige dazu, alles mit nach Hause zu nehmen. Und so freue ich mich über das Lob immer ganz besonders.

Sie sind der „Glas-halb-voll-Typ“, die Amerikaner sprechen bekanntlich vom „positive thinking“. Wie funktioniert das eigene Coaching beim Thema Handlungsmacht am ehesten?

Küll: Der „Glas-halb-leer-Typ“ tut sich schwerer, er hat viel mehr an sich zu arbeiten, aber auch er kann es lernen. Es sind die kleinen Dinge, etwa vor dem Einschlafen sich zu fragen, was ist am heutigen Tag gut gelaufen? Wofür bin ich dankbar? Den Blick auf das zu lenken, was ich habe, hilft gerade dabei, aus Krisen wieder herauszukommen. Achtsamkeit, Dankbarkeit, Auszeiten, das Bewusstsein fürs Leben ist entscheidend. Und reden hilft. Wenn es nicht die Freundin oder der Freund ist, dann gehe ich zum Coach oder Therapeuten.

Corona, Krieg in der Ukraine, Energie- und Klimakrise – welches Rüstzeug brauchen wir in turbulenten und unsicheren Zeiten?

Küll: Man sollte nicht jeden Tag fünfmal Nachrichten schauen, es reicht auch, alle drei Tage über die Schlagzeilen zu fliegen und sich grundsätzlich zu informieren. Ein bisschen Nachrichtenabstinenz schadet nicht – und das sage ich als Journalistin! Wenn jeder etwas für seine Lebensfreude tut, dann fließt sie gewissermaßen ein in die Gesamtenergie der Bevölkerung. Und das tut dann allen gut.

Was denken Sie über Offline-Tage – heißt Hände weg von Smartphone, Tablet oder Laptop?

Küll: Das ist sehr, sehr hilfreich. Bei Teenagern sogar ein absolutes Muss. Es ist halt alles sehr verführerisch. Das „Joy-Scrolling“ bei Instagram lässt uns vermeintlich abtauchen und in das strahlende Leben von anderen eintauchen. Bei zu viel Konsum aber nicht gesund, weil das eigene Leben dann umso grauer wirkt.

Sie sind eine Macherin. Wie klappt das mit Ihrem Zeitmanagement?

Küll: Ich bin beruflich sehr diszipliniert und pragmatisch. Wozu ich mich zwingen muss, ist beispielsweise Jogging, obwohl ich weiß, dass dies auch meiner Psyche hilft. Ich laufe seit 15 Jahren mit meiner Nachbarin Marlene, alleine würde ich eher Nein zu mir selbst sagen (lacht). Disziplin und Selbstdisziplin sind wichtige Tugenden, um sich selbst glücklich zu machen.

Mit welcher Haltung soll Ihr Publikum idealtypisch nach Hause gehen?

Küll: Idealtypisch sind die Menschen emotional bewegt und nehmen die Power mit, um am nächsten Tag etwas in ihrem Leben zu verbessern. Am besten gehen sie ein Stückchen zufriedener raus als sie reingekommen sind.

Sie haben drei Wünsche für eine bessere Zukunft unserer Leistungsgesellschaft frei. Welche wären das?

Küll: Ich wünschte mir für die Jugend das Schulfach „Glück“ in allen Schulen. Ich wünschte mir bei jedem Menschen das Wissen, wie es ist, in den Schuhen des anderen zu laufen, damit wir alle nicht so ungehalten und ungerecht sind. Mir reichen zwei Wünsche, glaube ich. Ach nein, ich wünschte mir, jemand könnte Putin aus dem Verkehr ziehen. Da bin ich pragmatisch genug.

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