Corona-Krise - Eine Spargelsaison voller Unsicherheiten geht zu Ende / Gerd Koppert kann auf die Unterstützung seiner Familie zählen / Großes Lob für Studentinnen, die im Hofladen verkaufen „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“

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Anette Zietsch
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Martin Koppert (l.) und sein Vater Gerd präsentierten im April einen Teil der morgendlichen Ernte. © Zietsch (2)/Lenhardt

Oftersheim. Überstunden werde er jetzt erst einmal abbauen, antwortetet Gerd Koppert augenzwinkernd auf die Frage, was er denn ab Sonntag machen wird. „Meine erste Amtshandlung ist ausschlafen“, sagt er. Anschließend will er mit der Familie, mit Sohn Martin und Tochter Simone, ausgiebig frühstücken. Das habe schon Tradition. Und danach geht’s auf Flurfahrt zu den Spargel- und Tabakfeldern.

Oftersheim Oftersheim: Selbstversuch als Spargelstecherin

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Kopperts Erleichterung ist spürbar. Die Anspannung fällt nach der rund drei Monate dauernden Spargelsaison langsam von dem Landwirt ab. Die zwölf Wochen hatten, wie es in dieser Zeit immer üblich ist, sieben Arbeitstage. Doch ein Faktor war neu: Die Unsicherheit, die sich seit dem dem ersten Stich in die sandigen Böden im Kohlwald, der um den 20. März erfolgt ist, bis in die Gegenwart gezogen hat. Das wird mit dem 13. Juni endlich Vergangenheit gewesen sein. Am Samstag nämlich werden die letzten Stangen des Jahres im Hofladen in der Mannheimer Straße 45 verkauft.

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Auch auf dem Hof von Emil Siegel (Hardtlache 2; Telefon 06202/5 57 00) gibt es noch bis Samstag, 13. Juni, Spargel – allerdings nur noch in sehr begrenzter Menge.

Der Spargel- und Melonenhof Gieser (Altneurott 4; Telefon 06202/5 59 84) teilt mit, dass der Verkauf bis Samstag, 13. Juni, geht, unter Umständen sogar noch bis Sonntag, 14. Juni.

Bei Klaus Seitz ist die Saison bereits beendet. az

Wir haben Gerd Koppert und sein Team ja zu einem Selbstversuch beim Spargelstechen begleitet und mit ihm über die außergewöhnliche Situation gesprochen, als die dringend erwarteten rumänischen Erntehelfer nach vielen bürokratischen Schwierigkeiten gerade in Oftersheim angekommen waren (wir berichteten am 17. April). Und damit so etwas wie Normalität auf den Feldern eingekehrt ist – soweit man davon während der Corona-Pandemie überhaupt reden kann. Und nun ist es an der Zeit, eine Bilanz zu ziehen.

„Unsere Verkaufseinbußen belaufen sich auf rund 20 bis 30 Prozent“, erklärt Gerd Koppert auf Nachfrage unserer Zeitung. Die seien in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die Gastronomie als Hauptnehmer zunächst komplett ausgefallen ist und nach der vorsichtigen Öffnung der Lokale in Baden-Württemberg nach dem 18. Mai nur in überschaubaren Mengen bestellt hat. „Wir beliefern unter anderem Schwetzinger Gaststätten“, berichtet er. „Die leben – vor allem während der Festspiele, die ja auch verschoben wurden – vom Tourismus. Und der hat halt in diesem Jahr so gut wie gar nicht stattgefunden. Die einheimischen Gäste bestellen eben seltener Spargelgerichte.“

Über Umwege in die Kurpfalz

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Auch das verspätete Eintreffen der Spargelstecher aus dem rumänischen Tarna Mare machte sich natürlich bemerkbar. Die blieben beim ersten Anlauf Mitte März auf dem Landweg an der Grenze zu Ungarn, die gerade dichtgemacht wurde, stecken. Dann wurden bereits gebuchte Flüge nach Deutschland wieder storniert. Gerd Kopperts Sohn Martin, mit dem er die Landwirtschaft gemeinsam betreibt, konnte sich glücklicherweise um die Formalitäten kümmern. „Aber wer sich nicht mit Computern auskennt, hatte es schwer in diesem Jahr“, weiß er von Kollegen in anderen Gemeinden. „Viele Betriebe haben gar nicht erst anfangen können zu stechen.“

Bei den Kopperts haben zu Beginn auch die Verwandten mit angepackt. „Da zahlt sich der familiäre Zusammenhalt aus“, weiß Gerd und ist dankbar für die Unterstützung von Bruder Jürgen, Mutter Elsbeth und Onkel Hermann Emmert, die ebenso mit von der Partie wie er und seine Kinder.

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Doch obwohl die Stammbesetzung der rumänischen Spargelstecher ab Mitte April komplett im Einsatz war, mussten die Kopperts sich entschließen, eineinhalb ihrer sieben Hektar Spargeläcker in diesem Jahr nicht abzuernten. Mit den Erntehelfern hat er aber dafür jetzt vereinbart, bis 13. Juni zu stechen, obwohl in anderen Gemeinden schon Schluss ist. „Das hat den Vorteil, dass auch in Rumänien die Regelungen ab Montag gelockert sind. Sie müssen bei ihrer Rückkehr nicht mehr 14 Tage in Quarantäne“, sagt er.

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Zufrieden ist der Landwirt mit dem Hofverkauf. Die Nachfrage sei gestiegen – aufgrund der Reisebeschränkungen durften ja auch die Kurpfälzer nicht in Urlaub fahren oder in Lokale gehen. Das habe sich besonders an den Osterfeiertagen bemerkbar gemacht. „Und die Kunden haben die regionalen Anbieter unterstützt“, freut er sich. Das konnte aber natürlich den Ausfall durch die Gastronomie nicht wettmachen.

Auch die Kosten sind gestiegen: 20 bis 30 Prozent weniger Absatz, gestiegene Löhne, die Anreise der Erntehelfer mit dem Flugzeug, deren Versorgung in Oftersheim – sie durften in den ersten 14 Tagen nach ihrer Ankunft nur aufs Feld – weitere Auflagen wie Gesundheitschecks und Desinfektionsmittel – all das hat ordentlich zu Buche geschlagen.

„Wir wollen uns nicht beklagen“

Aber eines ist Gerd Koppert wichtig: „Wir wollen uns nicht beklagen. Es gibt Arbeitnehmer und Branchen, denen es viel schlechter geht als uns. Das kriegen wir immer wieder in den Gesprächen mit unseren Kunden im Hofladen mit. Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen, es hätte schlimmer ausgehen können. Und im nächsten Jahr geht’s von Neuem los.“

Dann mit einer äußerst positiven Erkenntnis aus dieser alles andere als alltäglichen Spargelsaison: „Wir haben drei Studentinnen, die sich im März bei uns gemeldet haben. Sie wollten mithelfen, weil die Erntehelfer noch nicht einreisen durften. Seitdem arbeiten sie regelmäßig im Verkauf mit. Sogar während der Prüfungsvorbereitung sind sie samstags und sonntags im Hofladen. Die meistern das richtig gut, strahlen Ruhe aus, auch wenn’s hektisch wird, sind souverän, freundlich und wissen mittlerweile alles“, lobt er die jungen Frauen, denen der Job auch großen Spaß gemacht hat. „Das wollen wir deshalb im kommenden Jahr beibehalten“, meint Gerd Koppert.

Am Freitag und am Samstag geht’s nun also in den Endspurt. Die Nachfrage ist noch da. „Wir sind gerüstet für den großen Ansturm zum Saisonfinale, auch weil das Wetter mitmacht. Wir können noch einmal Vollgas geben“, weiß der Landwirt aus langjähriger Erfahrung, dass gerade die Oftersheimer Hausfrauen in den letzten Tagen noch einmal auf Vorrat einkaufen: „Das hat eine lange Tradition. Da werden ein paar Kilo eingefroren, damit man für besondere Anlässe auch außerhalb der Saison Spargelgemüse machen kann“, ist er stolz auf die über lange Jahre gewachsene Kundschaft seines Familienbetriebs.

Info: Bilder vom Spargelstechen: www.schwetzinger-zeitung de

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Redaktion Lokalredaktion, zuständig für Oftersheim und Eppelheim