Umweltaktion - Über 30 Helfer sind bei „Plankscht wird gekehrt“ im Einsatz / Besonders Flaschen werden in großer Zahl aufgelesen Mehr Unrat als im Jahr zuvor gesammelt

Von 
Volker Widdrat
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Der Organisator Bernhard Müller (l.) teilt im Gemeindezentrum die ehrenamtlichen Müllsammler in Teams ein und verteilt zahlreiche blaue Müllsäcke. © Volker Widdrat

Plankstadt. Bei der Aktion „Plankscht wird gekehrt“ für eine saubere Natur kamen allerdings keine Besen zum Einsatz. Die über 30 Helfer, die am Samstagmorgen gegen achtlos weggeworfenen Müll in der Gemeinde ausrückten, waren vielmehr mit Greifzangen und Arbeitshandschuhen ausgerüstet worden.

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Organisator Bernhard Müller stellte die Teams im Gemeindezentrum zusammen. Einsatzgebiete waren an der alten Bahnlinie, auf dem Tunnel der B 535, im Biotop zwischen der Kurpfalzstraße und der Ringstraße, an der Mehrzweckhalle, auf der Nordseite der Schwetzinger Straße bis zum Ortsausgang, an der Kreisstraße 4147, im sogenannten „Wäldchen“, östlich der Grenzhöfer Straße vom Friedhof nach Norden, im Dirtpark und im Neubaugebiet Bruchhäuser Weg.

Die Sammlertrupps wurden auch bei diesem Dreck-weg-Tag schnell fündig und die Säcke waren in kürzester Zeit voll: Es wurden Getränkeflaschen, Zigarettenkippen, Plastiktüten, Kaffeebecher, Verpackungsmaterial und vieles mehr lagen am Straßenrand, auf Feldern und im Unterholz gefunden.

Die Aktion war vor mehr als 20 Jahren von der Lokalen Agenda ins Leben gerufen worden. Agenda-Sprecher Winfried Wolf begrüßte zum Kampf gegen Unrat in der Natur auch den Grünen-Politiker Andre Baumann.

„Allgemeine Vermüllung“

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Wolf zeigte dem neuen Bevollmächtigten des Landes Baden-Württemberg beim Bund die gemeindeeigene Streuobstwiese am Bruchhäuser Weg. Dort waren unlängst weitere Obstbäume gepflanzt worden. Der Baumbestand auf dem Ackerstück wird von der Lokalen Agenda gepflegt. In dem Gebiet liegt viel Plastik. Auch Schutt wurde dort schon illegal abgeladen.

Baumann beklagte die allgemeine Vermüllung der Landschaft. Der Unrat, besonders die vielen Plastikteile, nähme deutlich zu. Es sei wichtig, dass Politik und Verwaltung Wege fänden, dass Plastik künftig sinnvoll verwendet wird: „Wir müssen darauf verzichten, alles Mögliche in Plastik einzupacken, wir müssen den Müll reduzieren und Wertstoffe dem Recycling zuführen.“ Baumann freute sich über das Engagement der Bürger bei der Aufräumaktion: „Toll, dass so viele daran teilnehmen.“ Bürgermeister Nils Drescher wollte beim Müllsammeln eigentlich ebenfalls als aktiver Sammler dabei sein, doch das Coronavirus überlagerte die Freiwilligenaktion. Der Rathauschef und seine Mitarbeiter mussten vorbeugende Maßnahmen gegen den Krankheitserreger bekanntmachen. Kindergärten, Schulen und öffentliche Einrichtungen wurden mit entsprechenden Plakaten über die Verhaltenstipps des Kreisgesundheitsamtes informiert.

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Nach und nach füllten sich die Müllsäcke. „Den ganzen Unrat sieht man erst, wenn man ihn selbst wegmacht“, meinte Fabian Weiß, der auf dem B 535-Tunnel unterwegs war. „Wir haben hier richtige Flaschenbatterien gefunden“, sagte Gottfried Sauter. Der Rathausmitarbeiter entdeckte sogar eine Vesperbox mit verschimmelten Brotstullen.

„Will nicht in Dreckhalde laufen“

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Matthias Schlegel hatte sich den Kreisel an der Eppelheimer Straße vorgenommen. Trinkbecher, Flachmänner, Zigarettenschachteln und sogar ein Ladegerät wurden dabei zusammengesucht. „Unglaublich, was alles einfach in die Natur geworfen wird“, meinte er: „Ich bin immer mit dem Hund unterwegs und will nicht in einer Dreckhalde laufen. Deshalb bin ich gerne beim Sammeln dabei.“

Regina und Andreas Gabel wurden gemeinsam beim Penny-Markt und rund um den Kindergarten St. Martin fündig. „Es war viel mehr als im vergangenen Jahr“, meinten die fleißigen Helfer, die eine Unmenge an Flaschen und sogar einen grünen Turnschuh beibrachten. Auf dem Spielplatz im Neubaugebiet Bruchhäuser Weg wurde ein übriggebliebener Weihnachtsbaum entdeckt. Und dass Bekleidungsstücke wie Hosen und Mützen gefunden wurden, mutete ebenfalls merkwürdig an.

Walter Etzler sammelte die Müllsäcke am Ende ein, die Ausbeute wurde schließlich auf dem Bauhof fachgerecht entsorgt. Alle Helfer durften sich anschließend bei Getränken und einem kräftigen Eintopf in der „Wärtschaft“ stärken. Bürgermeister Nils Drescher dankte den Freiwilligen für ihren Einsatz. Zum Mittagessen eingeladen waren auch die Baumpaten, die im öffentlichen Straßenraum ehrenamtlich die Pflege einer Baumscheibe oder eines Blumenkübels übernommen haben.

Freier Autor Volker Widdrat ist freier Mitarbeiter.