Grüne Liste - Bei virtueller Sitzung geht es um die Fernwärmeversorgung im Antoniusquartier / Erstaunt über Äußerung von Drescher „Schmutzigste Variante für Energie“

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zg
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Die Geschosswohnungsbauten im Antoniusquartier werden ihre Wärme aus dem Großkraftwerk Mannheim beziehen. © DPA

Plankstadt. Die Grüne Liste Plankstadt (GLP) hat ihre lange Tradition der wöchentlichen Treffen auch in den harten Corona-Zeiten nicht aufgegeben – nun virtuell per Videokonferenz, heißt es in einer Pressemitteilung. Beim jüngsten virtuellen Treffen war das Thema die Nahwärme- beziehungsweise Fernwärmeversorgung der Wohnungen im Antoniusquartier.

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Die Firma Diringer und Scheidel (D+S) möchte die Mehrfamilienhäuser im Antoniusquartier an das Fernwärmenetz des Großkraftwerks Mannheim anschließen. Die GLP lehnte dies in der letzten Gemeinderatssitzung ab und forderte stattdessen den Aufbau eines eigenen Nahversorgungsnetzes mit einer gemeindeeigenen Pellet- oder Holzhackschnitzelanlage, wie in ursprünglichen Plänen vorgesehen (wir berichteten). Gemeinderat und Diplom-Ingenieur Knut Doll, der auf jahrelange Erfahrung im Kraftwerksbau als Ingenieur zurückblicken kann, erläuterte nochmals seine Position: Generell sei ein Kohlekraftwerk die schmutzigste Variante, um Energie zu gewinnen.

Wirkungsgrad eher gering

Der Wirkungsgrad zur Stromerzeugung liege stets unter 50 Prozent. Die hierbei entstehende Wärme könne nicht einfach für Fernwärme nutzbar gemacht werden. Für eine stabile Versorgung des Fernwärmenetzes bedürfe es einer eigenen Produktion an Wärme. Daher verbrenne ein Kraftwerksbetreiber dann zwei Einheiten von importierter Kohle, um einen Teil Strom und einen weiteren Teil Wärme zu gewinnen. Dies führe dann rechnerisch zu unwesentlich höheren Wirkungsgraden. Auch ziehe er den „grünen“ Anteil der Fernwärme aus Müllverbrennung in Zweifel. Hierfür brauche es immer einen hohen Anteil an fossilen Brennstoffen (Öl oder Gas), um eine Müllverbrennung zu betreiben.

„Zudem“, so Knut Doll, „sind ja noch die alten Blöcke des Großkraftwerks Mannheim in Betrieb, die auch Fernwärme erzeugen. Da liegen die Wirkungsgrade für die Wärme- und Stromerzeugung bei 30 bis 40 Prozent!“ Im Vergleich zu den Wirkungsgraden einer Pelletheizung oder Hackschnitzelanlage (85 bis 95 Prozent) liegen dazwischen Welten. Auch Gasheizungen (Biogas) lägen bei 96 Prozent Wirkungsgrad und darüber. Es gehe nicht darum zu verhindern, dass die Mehrfamilienhäuser im Antoniusquartier an ein Nahversorgungsnetz angeschlossen werden, sondern an eines, das nicht durch CO2-emittierende und ineffiziente Steinkohle betrieben wird.

Es hat nicht gereicht

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Gemeinderat Thomas Burger sagte, dass es enttäuschend sei, wie wenig die anderen Fraktionen aus der Klimakrise gelernt hätten. Bei der Plankstadter Liste war nachvollziehbare Kritik an der Fernwärme zu vernehmen, aber das habe leider nicht zu einer richtungsweisenden Entscheidung gereicht.

Gemeinderätin Ulrike Auffarth zeigte sich erstaunt darüber, wie voreilig Bürgermeister Nils Drescher die Stellungnahme der GLP in der Gemeinderatssitzung als „ideologisch“ bezeichnete und damit versuchte, diese abzuwerten. Die GLP sieht jedoch einen krassen Widerspruch, wenn man richtigerweise den Ausstieg aus CO2-Erzeugung und Kohleverbrennung verfolge, dann aber Fernwärme aus Steinkohle beziehen möchte. „Wenn es ,ideologisch’ ist, für Umwelt und lebenswerte Zukunft zu sein und zu agieren, dann sind wir das gerne“, heißt es in der Mitteilung.

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Von Gemeinderätin Viviane Reize kam noch der Einwurf, das zeige wohl, dass der Bürgermeister und die Verwaltung mehr auf eine einfache und schnelle Lösung aus seien, als auf eine saubere und nachhaltige Energieversorgung in der Hand der Gemeinde. Sie finde es interessant, wie schnell man Diringer + Scheidel aus der Verantwortung entlassen habe und nicht gesehen habe, welche ursprüngliche Absichten die Gemeinde damit aufgegeben hat beziehungsweise es nicht geschafft hat, ein eigenes Nahwärme-Netz zu planen. zg