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Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma

Bürgerrechtler Romani Rose spricht in 3Sat-Doku

Am Montagabend erzählt der Oftersheimer die Geschichte der Verfolgung seiner Familie.

Von 
Jürgen Gruler
Lesedauer: 
Romani Rose, vor dem einstigen „Fluchthaus“ in Heidelberg, wo sich sein Vater und sein Onkel nach der Flucht aus dem KZ Neckarelz versteckt hielten. © Rainer Komers/ZDF

Oftersheim. Anlässlich des Europäischen Holocaust-Gedenktags für Sinti und Roma am Dienstag, 2. August, zeigt der TV-Sender 3Sat am Montag, 25. Juli, ab 22.25 Uhr zwei neue Dokumentarfilme von Peter Nestler. Um 22.25 Uhr spricht der in Oftersheim lebende Bürgerrechtler Romani Rose in „Unrecht und Widerstand – Romani Rose und die Bürgerrechtsbewegung“ über seine Familiengeschichte und seine Erfahrungen.

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Um 0.25 Uhr folgt „Der offene Blick – Künstlerinnen und Künstler der Sinti und Roma“, der Menschen vorstellt, die in ihren Werken das Trauma der Verfolgung und ganz persönliche Erfahrungen gestalten.

Das eigene Schicksal erläutert

Über acht Jahrzehnte haben deutsche Sinti und Roma Unrecht erfahren. Der Dokumentarfilm „Unrecht und Widerstand“ erzählt von Romani Roses Familie, ihrem Widerstand und ihrem Beharren auf Gerechtigkeit. Es ist die leidvolle Geschichte einer Minderheit zwischen Trauma und Selbstbehauptung, die die gesamte Nachkriegszeit hindurch bis in die Gegenwart hinein Gewalt und behördliche Schikanen erlitt und nur dank der Bürgerrechtsbewegung Anerkennung erfuhr.

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Veröffentlicht
Von
Konstantin Groß
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13 nahe Verwandte der Roses wurden in den Lagern der Nazis umgebracht. Romani Roses Vater Oskar war damals untergetaucht und wurde von der Gestapo gesucht. Von seinem mutigen Handeln berichtet der Film ebenso wie von seinem vergeblichen Versuch, im April 1943 beim Münchner Kardinal Michael von Faulhaber um Schutz für die Verfolgten zu bitten, sowie von der riskanten Befreiung seines Bruders aus dem KZ Neckarelz.

Für Roma und Sinti, die den Völkermord überlebt hatten, waren Ausgrenzung, Armut und behördliche Schikanen Alltag. Der Porajmos, der Genozid an der Minderheit, wurde erst 1982 offiziell anerkannt. Peter Nestler beschreibt in seinem neuen Dokumentarfilm den langen Weg aus der Rechtlosigkeit und Diskriminierung in die Bürgerrechtsbewegung. Deren unermüdliches Engagement zeugt von Zivilcourage und Bürgersinn, vom entschiedenen Eintreten für das Miteinander diverser Kulturen und von zukunftsweisendem Demokratieverständnis. Der Film arbeitet mit Archivmaterial sowie Kommentaren und wird zusammengehalten von dem Gespräch mit Romani Rose über seine Familiengeschichte und seine Erfahrungen als Bürgerrechtler.

Künstler in den Fokus gestellt

Im Anschluss zeigt 3Sat ab 0.25 Uhr „Der offene Blick – Künstlerinnen und Künstler der Sinti und Roma“ erstmals im deutschen Fernsehen. Dabei werden Künstler gezeigt, die in ihren Werken das Trauma der Verfolgung und ganz persönliche Erfahrungen gestalten. Sie bedienen sich verschiedenster Ausdrucksformen und Mittel, doch allen gemeinsam ist der offene Blick.

Diesen erfahrbar zu machen, gelingt Peter Nestler, indem er ihnen ohne kulturelle Festschreibungen und auf Augenhöhe begegnet. Gitta Martl und ihre Tochter Nicole Sevik lesen kurze Texte. Sie gedenken darin der Sinti und Roma im oberösterreichischen „Zigeuneranhaltelager“ Weyer.

Ceija Stojka (1933-2013) war eine österreichische Schriftstellerin, Malerin, Sängerin, Aktivistin und Überlebende der nationalsozialistischen Konzentrationslager Auschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen. Ihre Bilder werden weltweit in Museen und Galerien ausgestellt. Ceija Stojka schuf eigene Ausdrucksformen, formte Erinnerung und Traumata zu einem malerischen Oratorium gegen das Vergessen. Filmemacherin Karin Berger begleitete das Schaffen Stojkas als Freundin und Mentorin während zweieinhalb Jahrzehnten.

Sie erinnert an die außergewöhnliche Frau. Schriftsteller und Roma-Aktivist Samuel Mágó, der sich in seinen Texten mit Identität und Vorurteilen auseinandersetzt, sagt: „Für meine Generation ist Ceija Stojka ein wahnsinnig großes Vorbild.“ In diesem Kontext steht ein Exkurs der Filmwissenschaftlerin Radmila Mladenova zu antiziganistischen Klischees in der Filmgeschichte seit D. W. Griffith, denen Fotografien entgegengestellt werden, die durch einen „egalitären Blick“ in der Darstellung von Sinti und Roma gekennzeichnet sind.

Die Künstlerin Lita Cabellut verbrachte ihre Kindheit in prekären Verhältnissen im spanischen Aragon. Als Zwölfjährige wurde sie von einer katalanischen Adelsfamilie adoptiert, übersiedelte 1980 in die Niederlande, studierte an der Gerrit Rietveld Academy in Amsterdam und lebt seither in Den Haag. Als Malerin bedient sie sich einer neuzeitlichen Fresko-Technik, kreiert Opern-Ausstattungen und Kostüme.

In den letzten Jahren hat sich für Künstler einiges zum Positiven gewendet. So bietet beispielsweise die Galerie und Stiftung Kai Dikhas unter Leitung von Moritz Pankok mit mehr als hundert Ausstellungen ein kontinuierliches Forum. Teile der Sammlung sind auf der diesjährigen „documenta fifteen“ zu sehen.

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