Im Gespräch - Dr. Kristina Hoge und Dr. Wolfgang Naumer über die Entwicklung des Xylon-Museums Leiter des Schwetzinger Xylon-Museums planen – auch „Otto-Mindhoff-Preis“

Von 
Maria Herlo
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Schwetzingen. Nachdem Otto Mindhoff, seit 1987 Initiator und Vorstand von Xylon-Museum und Werkstätten, im November 2019 verstorben ist, übernahm Dr. Wolfgang Naumer als Vorsitzender mit Kunsthistorikerin Dr. Kristina Hoge als künstlerische Leiterin die Führung. Obwohl der Geist seines Gründers weiterhin durch die Räume des Museums in der ehemaligen Invalidenkaserne in Schwetzingen weht, herrschte Anfang des vergangen Jahres unter der neuen Regie so etwas wie Aufbruchsstimmung.

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Zu spüren war dies nicht nur an der sorgfältigen Aufteilung des Ausstellungssaals, an dem frischen Anstrich der Wände und dem einfallenden Licht, das den Raum hell und freundlich erscheinen lässt, sondern auch an dem Angebot von Ausstellungen, die Anfang des vergangenen Jahres realisiert wurden. Erwähnenswert sei dabei die einzigartige Schau „Nacht wie Tag“ der Grafikspezialistin Margarete Lindau im März und die des Starkünstlers Bodo Korsig im Juli unter dem Titel „Beyond Memories“.

Mit Fahnen macht sich das Xylon-Museum mehr bemerkbar. © Herlo

Frau Hoge, Herr Naumer, alles hat so vielversprechend begonnen, Sie haben ein wunderbares Konzept ausgearbeitet und langfristig geplant. Dann kam der Lockdown und damit die Unterbrechung des Kunstbetriebs im Xylon-Museum. Wie hart trifft Sie das?

Dr. Wolfgang Naumer: Die Konzeption das Xylon-Museum stärker in der lokalen Öffentlichkeit bekannt zu machen und mit dem Anspruch, sich mit hochwertigen Ausstellungen für Druckkunst einen Namen zu erhalten, schien zu greifen und hat uns bestätigt. Die verordnete Schließung hat uns hart getroffen. Die Besucherzahlen haben sich in Grenzen gehalten und die Künstler konnten nur wenige der ausgestellten Kunstwerke verkaufen.

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Dr. Kristina Hoge: Mit der Ankündigung und Übernahme nach dem Tod von Otto Mindhoff hatten wir eigentlich eine positive Grundstimmung, Interesse und Neugier verspürt – natürlich wurde dies durch die Corona-Maßnahmen dann ziemlich schnell noch im Laufe unserer ersten Ausstellung ausgebremst – seither konnte weder ein „normaler“ Ausstellungsbetrieb erfolgen, noch ist eine Planungssicherheit gegeben, da ist ein Agieren natürlich sehr schwierig, es bedarf Geduld und Ausdauer.

Wie sieht es außerdem mit den Werkstattkursen aus, die Gudrun „Ju“ Mindhoff jahrelang leitete? Konnten diese stattfinden?

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Naumer: Die Hygieneauflagen zur Durchführung der Kurse konnten wir mit unseren beschränkten finanziellen Mitteln nicht erfüllen. Darüber hinaus wesentlich für die Kurse ist die Werkstattatmosphäre, die durch regelmäßiges Lüften nicht beeinflusst wird, jedoch von der in der Pandemie notwendigen klinischen Sauberkeit entfernt ist. Daher mussten wir leider alle vorgesehenen Kurse absagen. Die Einnahmen der Kurse, die notwendig sind, um Betriebskosten zu decken, konnten glücklicherweise durch das erste Soforthilfeprogramm ausgeglichen werden. Die Kooperation mit der Comeniusschule musste leider ausgesetzt werden.

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Einiges weist in dieser zweiten Corona-Welle darauf hin, dass es sich nicht um eine temporäre Betriebsunterbrechung handelt, sondern um eine langfristige und tiefgreifende Veränderung des Kunstgeschehens. Haben Sie überlegt, Ausstellungseröffnungen auf der Website des Museums zu präsentieren, ergänzt durch Videos und virtuelle Rundgänge?

Naumer: Wir haben sowohl mit Margarete Lindau wie auch mit Bodo Korsig ein Künstlergespräch aufgezeichnet. Diese sind auf Instagram beziehungsweise auf der neu gestalteten Internetpräsenz www.xylon-schwetzingen.de zu sehen. Für die noch bis 26. Februar konzipierte Ausstellung der beiden Künstler Matthias Plenkmann und Julius Reinders war die Präsentation des Ausstellungskataloges geplant. Gerne würden wir dies auch medial präsentieren, aber die dafür notwendigen zusätzlichen Aufwendungen sprengen unser Budget.

Hoge: Eine ganz wesentliche Veränderung für eine künftig stärkere Präsenz im Netz war die nun abgeschlossene Erneuerung des Webauftritts, der eine leichtere Veränderung und Interaktion ermöglicht – diese ist seit der ersten Ausstellung auch schon erfolgt und soll weiter ausgebaut werden. Dennoch glaube ich, kann eine virtuelle Präsenz, das reale Erlebnis eines Ausstellungsbesuchs und schon gar nicht einer Vernissage wirklich adäquat ersetzen. Das reale Erleben und Empfinden von Kunstwerken und die Möglichkeit den/die Schöpfer/in „live“ kennenzulernen sind meiner Ansicht nach nicht ersetzbar. Ich glaube dementsprechend, dass den Menschen durch die Schließung des Kulturbetriebs und den Verweis auf das Internet sehr viel verloren geht.

Die physische Präsenz bei Vernissagen ist, glaube ich, für die Kunstliebhaber wichtig: betrachten, diskutieren, sich in die Augen schauen, Sektgläser anstoßen, Musik hören. Was bleibt, wenn all das ausfällt?

Hoge: Sicher kann man versuchen, Formate zu finden, die eine Form von Vernissage-Erlebnis im Internet ermöglichen – einen adäquaten Ersatz für reale Begegnungen mit Austausch und Diskussion scheint mir - so erlebe ich auch die Grenzen dieser virtuellen Möglichkeiten in der Online-Lehre – aber da nicht wirklich gegeben.

Kunstausstellung werden ja langfristig geplant. Können Sie jetzt schon sagen, welche Künstler 2021 im Xylon-Museum ihre Werke zeigen werden?

Naumer: Unsere Absicht ist, als erste Ausstellung die Werke von Sibylle Möndel und Angelika Flaig zu zeigen . . .

Hoge: . . . und danach sind bis zum Sommer bisher zwei weitere Ausstellungen geplant. Bei all diesen Ausstellungen ist es für uns momentan einfach sehr schwer zu entscheiden, wann und ob überhaupt eine Eröffnung wirklich sinnvoll ist oder wir doch besser noch mal verschieben.

Naumer: Zum Jahresende ist dann eine Gruppenausstellung der Arbeiten des in 2021 zum ersten Mal ausgelobten „Otto-Mindhoff-Preis für Druckkunst“ vorgesehen.

Was meinen Sie, wie wird die Reaktion der Künstler auf die Krise sein? Werden sie in ihren Werken thematisieren, was Ausgangssperre, Kontaktverbot und all die anderen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie mit uns macht, wie sie unser Selbstverständnis und die Gesellschaft verändert?

Hoge: Nach meiner Erfahrung ist die momentane Situation für die meisten Künstler sehr schwer. Auch wenn sie vermeintlich den Vorteil haben in Ruhe in ihrem Atelier arbeiten zu können, so leiden doch viele darunter, dass alle möglichen zum Teil auch schon lange vorbereiteten Ausstellungen immer wieder verschoben oder eben zwar eröffnet werden aber ohne Publikum und somit auch ohne große Resonanz bleiben. Kunst will gesehen und erlebt werden, dafür wird sie geschaffen und das fehlt ohne Zweifel allen. Ich denke – und hoffe eigentlich auch – dass sich Künstler kritisch und bewusst mit den von Ihnen angesprochenen Veränderungen auseinandersetzen, denke aber, dass es hier für wirklich relevante Werke noch ein wenig mehr Abstand braucht …

Naumer: Jeder Künstler reagiert anders auf die aktuelle Situation. Die Bandbreite ist jedoch sehr groß von Blockade in der Arbeit bis hin zu „ich habe schon immer im Homeoffice gearbeitet“.

Wie gehen Sie privat mit den Einschränkungen um?

Hoge: Im Hinblick auf „unseren“ Bereich der Kultur machen mir diese Veränderungen große Sorgen, die quasi erzwungene Entwicklung hin zu einer Verlagerung ins virtuelle finde ich keine schöne Entwicklung.

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