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Amtsgericht

Mann aus Schwetzingen verurteilt: Marihuana-Plantage professionell aufgezogen

Ein 39-Jähriger ist vom Amtsgericht zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Ihm wurde vorgeworfen, aus seiner Wohnung in der Innenstadt heraus, Drogen verkauft zu haben.

Von 
Volker Widdrat
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Ein Mann aus Schwetzingen hat Drogen Marihuana angebaut und verkauft. © Hendrik Schmidt/DPA

Schwetzingen. Ein 39-jähriger Schwetzinger musste sich wegen unerlaubten bewaffnetem Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor dem Schöffengericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, aus seiner Wohnung in der Innenstadt heraus Drogen verkauft zu haben. Bei einer Durchsuchung im Oktober 2020 waren dort viereinhalb Kilo Marihuana mit unterschiedlichem Wirkstoffgehalt und rund 80 Amphetamin-Tabletten sowie ein Messer gefunden worden.

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Der 39-Jährige, der Betriebswirtschaft studierte und zeitweise als Personalvermittler und Barkeeper gearbeitet hatte, wurde aus der Haft vorgeführt. Dort sitzt er seit Juni wegen einer anderen Strafsache ein, die noch verhandelt wird.

Er konsumiere seit seiner Jugend Cannabis, räumte der Mann ein. Später habe er auch Kokain und LSD probiert. Nach Beziehungsproblemen sei er in Depressionen verfallen, die habe er mit Marihuana, zum Schluss fünf bis zehn Gramm pro Tag, gut bekämpfen können.

Die gefundenen Betäubungsmittel seien nur für den Eigenverbrauch bestimmt gewesen. Er selbst sei seit einigen Jahren anerkannter Cannabis-Patient. In der Haft habe er sich nun um einen Therapieplatz beworben.

Käufer erwischt

Die Polizei hatte damals die Wohnung des 39-Jährigen observiert und dabei einen Käufer mit knapp 15 Gramm Marihuana erwischt. Der 38-Jährige kam als Zeuge mit Rechtsbeistand Dr. Oliver Brinkmann zur Verhandlung. Zum damaligen Kaufpreis wollte der Mann, der einen Strafbefehl bekommen hatte, nichts Konkretes sagen. Er sei auch nur wenige Sekunden in der Wohnung gewesen.

Der Angeklagte will mit dem professionellen Anbau experimentiert haben, um die für ihn geeigneten Marihuana-Pflanzen züchten zu können. Dazu gehörten auch unterschiedlichste Sorten von Dünger sowie ein ausgeklügeltes Beleuchtungssystem für die professionelle Indoor-Aufzuchtanlage.

Das Butterfly-Messer, wie es auf Bali zum Schneiden von Getreide verwendet wird und das die Polizei hinter der Wohnungstür gefunden hatte, will er nur als „Kunstobjekt“ gehabt haben. Ein weiterer Zeuge erschien nicht und wurde mit einem Ordnungsgeld von 500 Euro, ersatzweise drei Tage Haft, belegt.

Unglaublich viele Pflanzen

Das Gericht nahm Lichtbilder in Augenschein und beschäftigte sich mit Whatsapp-Chats des Angeklagten. Der 39-Jährige ist nicht vorbestraft. Er hatte behauptet, zum ersten Mal Drogen angebaut zu haben. Der Anklagevertreter sah den bei der Wohnungsdurchsuchung vorgefundenen Sachverhalt bestätigt. Der drogenabhängige Hartz-IV-Empfänger habe sich eine lukrative Einnahmequelle verschaffen wollen. Die professionelle Anlage „mit unglaublich vielen Pflanzen“ müsse auch entsprechend finanziert worden sein, so der Staatsanwalt.

Die schicke Wohnung und der Lebensstil des Angeklagten zeugten ebenso von einem schwunghaften Handel. Der 39-Jährige hätte auch Apotheken-Cannabis verschiedener Sorten auf unterschiedlichste Behältnisse verteilt gehabt. „Das war nicht der erste Anbau. Das Messer war im Flur, wo die Geschäfte stattfanden“, forderte der Vertreter der Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten.

Eine Plantage habe es gegeben, räumte Verteidigerin Andrea Combé ein. Ihr Mandant habe aber nie Handel getrieben und nur ab und zu Kleinstmengen weiterveräußert. Die Polizei habe keinen verkaufsbereiten Stoff gefunden und kein Verpackungsmaterial. Auf dem Handy des Angeklagten habe es keine Absprachen mit etwaigen Abnehmern gegeben.

Der 39-Jährige sei Cannabis-abhängig und hätte sich auch alles legal besorgen können, aber aus finanziellen Gründen für den Eigenbedarf selbst anbauen müssen. Die Rechtsanwältin stellte keinen konkreten Antrag. Das Gericht möge doch eine Strafe finden, die eine stationäre Therapie ermöglicht. „Es war alles falsch von mir und kam nur wegen meiner Sucht so weit, ich bereue es jeden Tag“, sagte der Angeklagte in seinem letzten Wort.

Schon wieder neue Vorwürfe

Das Schöffengericht urteilte auf drei Jahre und drei Monate Gefängnis. Der Beschuldigte hätte gut 1500 Euro monatlich für medizinisches Cannabis aufbringen müssen. Ein großer Teil der aufgefundenen Betäubungsmittel seien von besonders guter Qualität gewesen, führte die Vorsitzende Richterin Sarah Neuschl aus. Die Stromkosten müssen sehr hoch gewesen sein, der 39-Jährige habe ja auch noch seinen Lebensunterhalt bestreiten müssen. Deshalb habe er noch Drogen verkaufen müssen.

Das Gericht wertete das Teilgeständnis zu seinen Gunsten, es gebe aber auch schon wieder neue Vorwürfe gegen ihn. Er sei offensichtlich von dem gegen ihn angesetzten Verfahren nicht beeindruckt gewesen. Die Strafe sei angemessen.

Freier Autor Volker Widdrat ist freier Mitarbeiter.

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