Umfrage - Wie fühlt sich der erste Tag der geöffneten Gastronomie an? / Cafés und Restaurants freuen sich über erste Gäste / Besucher genießen gewonnene Freiheit Nichts wie raus – bei Sonne und Sektchen

Von 
Catharina Zelt und Sarah Wallner
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Kaffeehaus: Steffi und Daniel Günter mit Rosa freuen sich, wieder rauszukommen. © Dorothea Lenhardt

Endlich wieder in der Sonne sitzen, einen Kaffee genießen und das Treiben auf dem Schlossplatz verfolgen! Mit der Öffnung der Restaurants und Cafés am Montag ist ein Stück Normalität zurückgekehrt. Wobei: Normalität ist vielleicht ein nicht ganz korrekter Begriff – eher: ein Stück Freiheitsgefühl.

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Auf dem Schlossplatz wischt eine Kellnerin des Kaffehauses mit Desinfektionsmittel die Tische und Armlehnen von Stühlen ab, bevor die nächsten Gäste platziert werden. Dabei trägt sie einen Mundschutz. Damit empfängt sie auch Steffi und Daniel Günter aus Wiesenbach, die bei dem herrlichen Wetter nicht lange zögerten und ihre beiden kleinen Töchter Frieda und Rosa einpackten, um sich eine kühle Erfrischung im Außenbereich des Kaffeehauses zu genehmigen. Daniel Günter ist sehr froh, dass er mit seiner Familie wieder in die Restaurants gehen beziehungsweise draußen sitzen darf. „Wir haben wirklich schon sehnsüchtig darauf gewartet, mal wieder rauszukommen und ein wenig Sonne zu tanken“, erzählt er unserer Zeitung. „Klar, es ist schon eine Umstellung, aber die Atmosphäre hier im Vergleich zu daheim ist einfach eine ganz andere“, so der Familienvater. Rosa spielt mit einem Bierdeckel während ihre ältere Schwester Frieda auf ihrem Stuhl herumklettert. Stören die Hygienemaßnahmen, die beachtet werden müssen, wie die Masken so lange zu tragen, bis man am Tisch ist? „Also ich habe damit überhaupt keine Probleme, da wir ja draußen sitzen und hier ist ja schon viel Platz, um Abstand halten zu können“, berichtet Steffi Günter.

Spontanausflug mit dem Fahrrad

Tatsächlich hätten sich die Gastronomen kein besseres Wetter wünschen können, denn die Gäste kommen von überall her, um sich etwas Abwechslung nach der langen Zeit zu gönnen. So auch Savo Bagatic (Bild) aus Plankstadt. Er schnappte sich sein Fahrrad, um nach Schwetzingen zu radeln und sich dann zur Belohnung einen schönen Cappuccino zu genehmigen. Auch er sei einfach froh, mal wieder rauszugehen.

Ein paar Meter weiter, vor dem Brauhaus zum Ritter, haben sich zur Mittagszeit Gäste niedergelassen. Zuvor haben sie sich die digitale Speisekarte angeschaut, die sie über ihr Smartphone per QR-Code abrufen können, und sich für ein Gericht entschieden. So ist es vorgeschrieben. Sigrid und Herbert Lehmann, die seit 1967 in Schwetzingen leben, feierten in gediegener Zweisamkeit hier ihren 63. Hochzeitstag. Wie fühlt es sich für die beiden Schwetzinger an, nicht mehr nur daheim essen zu müssen und sich auch mal wieder bewirten und bekochen zu lassen? „Wir haben lange darauf gewartet und uns ist es sehr schwer gefallen, vor allem, da wir solche Ausflüge auch immer mit einem Spaziergang in den Schlosspark verbinden“, erzählt Herbert Lehmann. Die beiden haben eine Dauerkarte für den weitläufigen Garten und konnten sie – wie viele andere Besucher – lange nicht benutzen. Schon bringt die Kellnerin des Brauhauses dem Ehepaar einen Spargelflammkuchen und eine duftende Spargelcremesuppe, die sich die beiden bei Sonnenschein und Bier schmecken lassen.

Es wird wieder geprostet

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Auf der anderen Seite des Schlossplatzes prosten sich gerade Barbara Klimpel und Gerhard Merl mit Sekt zu. Die Hockenheimerin berichtet von Urlaubsplänen: „Eigentlich wollte ich mit meinem Mann nach Saint-Tropez, aber nun müssen wir uns damit beglücken, hier in Deutschland Urlaub zu machen, was aber auch sehr schön ist.“ Gerhard Merl, der in Schwetzingen arbeitet, empfindet es als sehr angenehm, wieder mehr Freiheit zu haben. Er habe viel Kontakt mit Ärzten, da er und Barbara Klimpel in der Pharmaindustrie arbeiten, erzählt er. Daher ist er absolut mit den Maßnahmen einverstanden, an die sich jeder zu halten hat.

Die gute Laune, die an den Tischen verströmt wird, teilen auch die Wirte, die nur darauf gewartet haben, wieder persönlich für ihre Gäste da zu sein. Und von allen Seiten zeigt sich volles Verständnis, Vorschriften werden eingehalten und akzeptiert. Zumindest meistens. „Leider will sich nicht jeder in die Liste zur Datenerhebung eintragen“, sagt Aposto-Chef Petar Trivic. „Solche Gäste bleiben dann aber auch nicht bei uns, sondern gehen gleich wieder.“

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Auch Michael Münch, Inhaber des Blauen Lochs, ist erleichtert über die Wiederöffnung. „Wir leben hier ja nicht hauptsächlich vom Tourismus. Ins Blaue Loch kommen viel mehr die Stammgäste, die uns bis dato weggefallen sind. Ludwigshafener Willi Fritschi (Bild), der seit Jahren Stammgast ist, kommt am Montag der alten Zeiten wegen vorbei und genießt ein kühles Bier in dem schönen und gemütlichen Außenbereich des Restaurants. Auch er empfindet die Maßnahmen, wie das eingeführte Ampelsystem (wir berichteten) nicht als störend und freut sich, wieder draußen sein zu können.

QR-Code wird gut angenommen

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„Wir sind überrascht – es ist viel los“, erzählt Thomas Armbruster, der mit seiner Frau das Brauhaus zum Ritter führt. Noch befinde sich das Brauhaus im Probelauf, aber der läuft erstaunlich gut. Bereits am Montagmittag sitzen viele Gäste am Schlossplatz. Besonders gut kommt die Speisekarte an, die sich die Gäste per QR-Code aufs Smartphone laden können. „Schade, dass ich mir das nicht patentiert habe“, sagt Armbruster und lacht. Er ist zufrieden – das Brauhaus ist ausgebucht. „Vor allem draußen ist einiges los“, bestätigt auch Bernd Lehnert vom Kaffeehaus. Die meisten Gäste seien vernünftig, wenn auch Unverständnis für die Kontaktaufnahme herrsche. Bleibt die Hoffnung, dass die Entwicklung weiter so positiv bleibt.

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nina
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