Erinnerungsabend im Rokokotheater

So erlebt Schwetzingen Udo Jürgens noch einmal hautnah

Einen besseren Tourauftakt hätten sich Initiatoren sowie Künstler nicht vorstellen können - und das Publikum wohl keinen unterhaltsameren Abend: Die Udo Jürgens Story überbot alle Erwartungen.

Von 
Katja Bauroth
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Erich Furrer (v. l.) und seine Frau, die Schauspielerin Gabriela Benesch, hatten die Idee zur Udo Jürgens Story, die Sänger und Pianist Alex Parker musikalisch fantastisch ausfüllt. Das Foto entstand in der Pause der ausverkauften Auftaktshow im Rokokotheater in Schwetzingen. © Bauroth

Schwetzingen. Einen besseren Tourneeauftakt für das Jahr hätten sich Initiatoren sowie Künstler nicht vorstellen können - und das Publikum wohl keinen unterhaltsameren Abend: Die Udo Jürgens Story hielt nicht nur allen Erwartungen stand, sondern überbot sie. Es waren nicht allein die Lieder des unvergessenen Udo Jürgens (1934 - 2014), sondern wie sie vorgetragen und eingebettet wurden. Das Ambiente tat sein Übriges: „Ein traumhaft schönes Haus, es erinnert mich an das Theater in der Josefstadt in Wien“, attestierte Gabriela Benesch dem Rokokotheater in Schwetzingen. Und der altehrwürdigen Bühne im Schloss stand dieser ausverkaufte Erinnerungsabend an den Grandseigneur der deutschsprachigen Unterhaltungsbranche mit nachdenklichen Chansons und fetzigem Schlagerpop wunderbar zu Gesicht.

Gabriela Benesch - im Jahr 2014 in Wien als beste Theaterschauspielerin des Jahres ausgezeichnet - hatte mit ihrem Mann Erich Furrer, der Regie und musikalische Leitung der Udo Jürgens Story innehat, die Idee zu dieser wunderbaren Hommage an einen der ganz großen Künstler unserer Zeit. In dem Sänger und Pianisten Alex Parker fanden sie förmlich den musikalischen Zwilling von Udo Jürgens: Akustisch ist er vom Original nicht zu unterscheiden. Ausdruck, Betonung, selbst das für Udo Jürgens so typische Vibrato in der Stimme hat dieser Mann aus Salzgitter drauf - ganz zu schweigen von einem kraftvollen, fein nuancierten Klavierspiel. Singen und dabei gleichzeitig die musikalisch anspruchsvollen Stücke spielen in diesem Format: Der Mann kann’s! Das bescheinigte ihm übrigens auch der Maestro selbst einmal: Alex Parker traf sein Idol Udo Jürgens, genauso wie Gabriela Benesch, die mit Jürgens-Tochter Jenny befreundet ist. Diese engen Verbindungen zum Protagonisten des Abends bilden das Sahnehäubchen dieser authentischen Show, bei der beide immer wieder zum Mitsingen und Mitklatschen einladen.

Die Udo Jürgens Story in Schwetzingen: Ein Ritual, das bleibt

Gabriela Benesch nahm die generationenübergreifende Zuhörerschar mit in das Leben, die Liebe und die Musik von Udo Jürgens. Mit ihrer einfühlsamen Stimme und mitreißend emotionalen Art erzeugte die charmante Wienerin Bilder vor dem geistigen Auge, die den vor neun Jahren verstorbenen Sänger und Komponisten für Momente zurückholte. Sie erzählte dabei in Ich-Form, also so, als plaudere Udo Jürgens selbst über Erinnerungen und Anekdoten beginnend in seiner Kindheit bis hinein ins hohe Alter. Mit zwölf Jahren entdeckte der gebürtige Kärntner nach einem Konzertbesuch mit seinen Eltern seine Liebe zur Musik („Ich möchte komponieren“), schrieb schnell die ersten Stücke und heimste schon im Teenageralter Preise ein - zum Beispiel für das Lied „Je t’aime“. Da war er 16 Jahre jung. In der Euphorie der Freude, den Komponistenwettbewerb des Österreichischen Rundfunks gewonnen zu haben, kaufte er eine weiße Rose und legte diese auf die Marmorgeige der Johann-Strauss-Statue in der österreichischen Hauptstadt („Ich fühlte mich fast als Nachfolger von Johann Strauss“). Ein Ritual, das er später beibehielt, wenn er in Wien auftrat.

Leidenschaft und Poesie zeichneten Udo Jürgens aus, dessen Texte an Aktualität nicht verlieren: In „5 Minuten vor 12“ besang er etwa die Umweltzerstörung und die Sinnlosigkeit der Kriege, stets verbunden mit Hoffnung und dem Glauben an das Gute. Die Idee zu diesem Lied entstand im Gespräch mit Michael Kunze, ein langjähriger Wegbegleiter von Udo Jürgens, im bekannten Café Hawelka in Wien, einem Treffpunkt von Künstlern und Literaten. Kunze lieferte zum Beispiel auch den Text für „Griechischer Wein“, dessen Melodie Udo Jürgens nach einem Urlaub auf Rhodos schnell aus den Fingern floss. Nur die Zeilen wollten nicht so recht zu Papier kommen, zumal diese nicht schnulzig klingen und etwa von Caprifischern handeln sollten. Umgekehrt bei „Aber bitte mit Sahne“: Hier lehnte die Hamburger „Rentnerband“ den Text ab, er war ihr zu makaber. Udo Jürgens griff zu und bastelte die passenden rhythmischen Klänge um den humoresken Inhalt - es wurde ein Hit!

Die Udo Jürgens Story in Schwetzingen: Verwechselung mit Peter Kraus

Fast 1000 Lieder hat Udo Jürgens im Laufe seines Lebens komponiert und das nicht nur für sich selbst. Er schrieb Welthits für Shirley Bassey, Sammy Davis Junior, Bing Crosby, hatte Nummer-eins-Hits in Frankreich und Japan und verkaufte mehr als 100 Millionen Tonträger. Jazzmusik spielte dabei früh eine große Rolle. Gabriela Benesch erzählte die Geschichte, als Udo Jürgens während seiner Zeit in den USA spontan den großen Chet Baker einen Abend lang begleitete, als dessen Pianist ausfiel („Ein unvergessliches Erlebnis“).

Die Udo Jürgens Story lebt dank fantastischer Musik von Alex Parker und der schönen Erzählungen von Gabriela Benesch. © beneschfurrer.com

Immer wieder bringt die Schauspielerin das Publikum zum Schmunzeln, etwa als sie davon erzählt, wie ein Münchner Taxifahrer seinen Fahrgast (Udo Jürgens) nach langem Raten als Peter Kraus entlarvte. Dabei spielte sie herrlich mit Gestik, Mimik und Stimme. Genauso räumte Gabriela Benesch nachdenklichen Momenten Raum ein, etwa als Udo Jürgens über das Älterwerden sinnierte: „Uns bleibt nur, sehr bewusst mit der Zeit als eine der wichtigsten Ressourcen umzugehen, weiter den Weg zu gehen, geführt von einem guten Stern - und immer geradeaus.“ Oder als sie den Brief von Jenny Jürgens an die Fans ihres Vaters vorliest, voller Dankbarkeit an all jene, die dessen musikalisches Erbe nicht vergessen.

Musikliste


  • Mein Ziel
  • Traumtänzer
  • Damals wollte ich erwachsen sein
  • Ich weiß, was ich will
  • Griechischer Wein
  • Mit 66 Jahren
  • Heute beginnt der Rest deines Lebens
  • Was ich dir sagen will
  • Fünf Minuten vor Zwölf
  • Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden
  • Geradeaus
  • Merci Cherie
  • Medley (unter anderem „Ich war noch niemals in New York“, „Aber bitte mit Sahne“, „Ein ehrenwertes Haus“)

Eine Geschichte darf natürlich nicht fehlen: Wie kam es dazu, dass Udo Jürgens zum großen Finale seiner Konzerte mit dem weißen Bademantel auf der Bühne am Flügel saß? Nach einem Konzert in Hamburg, bei dem er über drei Stunden frenetisch gefeiert wurde, sein Repertoire rauf und runter spielte, forderte das Publikum weitere Zugaben. Udo Jürgens - komplett durchgeschwitzt und sich der nassen Kleidung in der Garderobe schon entledigt - wurde noch einmal in den Konzertsaal rausgeschickt - im Bademantel. Und so saß er da am Flügel, umringt von Fans und spielte „Was ich dir sagen will“, neben ihm ein kleiner Junge auf dem Klavierschemel, der ihn mit strahlenden Augen ansah . . .

Die Udo Jürgens Story bietet für alle Fans die Gelegenheit, ihrem Idol noch einmal ganz nahe zu kommen und es zu feiern - zum Finale im Rokokotheater mit einem Medley sogar stehend, mitsingend und mitklatschend. Diese Gelegenheit bietet sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz bis Ende Mai noch satte 94 Mal. Respekt den Machern dieses gelungenen Erinnerungsabends!

Ressortleitung Katja Bauroth ist Redaktionsleiterin der Schwetzinger Zeitung/Hockenheimer Tageszeitung.

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