Gemeindeversammlung

Umgestaltung der Stadtkirche in Schwetzingen als Chance begreifen

Die evangelische Gemeinde befindet sich im Wandel – die seelsorgerische Grundversorgung bleibt jedoch gewährleistet.

Von 
Steffen Groß
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Schwetzinge. Die evangelische Kirchengemeinde in Schwetzingen steht vor großen Veränderungen – und sie geht diesen Prozess ebenso nüchtern wie zuversichtlich an. Das war laut Pressemitteilung der Tenor bei der Gemeindeversammlung, die am Sonntag im Lutherhaus stattfand.

Einen ersten Akzent hatte Pfarrer Steffen Groß schon in seiner Predigt gesetzt. „Welche Formen, welche Angebote, welche Strukturen von Kirche helfen uns am besten, um das Evangelium unter die Leute zu bringen? Um diese Frage wirklich zu beantworten, muss alles, was wir bisher tun, auf den Prüfstand“, betonte Groß. Bisher erreiche die evangelische Kirche nur zehn bis fünfzehn Prozent ihrer Mitglieder wirklich: „Da müssen wir besser werden, denn es ist unser Auftrag, allen Menschen Lust zu machen auf die Begegnung mit Gott“, machte er in besagter Pressemitteilung deutlich.

Stadtkirche in Schwetzingen: Stellen und Zuschüsse fallen weg

Der Pfarrer verschwieg dabei nicht, dass dieser Prozess für viele treue Kirchenmitglieder mit Ängsten verbunden sei: „Das alles ist ein Schritt ins Offene, ins Ungewisse, keine Frage. Aber wir sind das wandernde Gottesvolk und nicht die Kirche der Dauercamper. Wir kriegen das hin!“

In der anschließenden, von Frank Becker souverän moderierten Gemeindeversammlung, stellten Adelheid von Hauff als Vertreterin des Kirchenbezirks Südliche Kurpfalz und Pfarrer Groß selbst die Grundzüge des von der Landeskirche angestoßenen „Strategieprozesses ekiba 2032“ vor. Dieser sieht bis zum Jahr 2032 Einsparungen von jeweils 30 Prozent bei Finanzen, Gebäuden und Stellen vor und soll gleichzeitig die Arbeit der Kirche attraktiv und zukunftsfähig halten oder machen.

Beim Personal werden im Kirchenbezirk bis 2026 zunächst anderthalb Pfarrstellen wegfallen, bis 2032 werden es insgesamt siebeneinhalb sein. „Ob und wann Schwetzingen davon betroffen sein wird, erfahren die Verantwortlichen hier wie in allen Gemeinden in den kommenden Tagen“, sichert Adelheid von Hauff den Gläubigen zu.

Beim Thema Geld geht es vor allem um die Gebäude – hier gehe die Gemeinde laut Groß davon aus, dass die Landeskirche künftig keine Zuschüsse fürs Lutherhaus mehr zahlen werde. Dennoch bleibe das Haus, das de facto auch als Stadthalle diene, erhalten. „Für den Luthersaal sind wir auf der Zielgeraden zu einem Vertrag, der die Lasten fair zwischen Kommune und uns aufteilt. Die Gemeinderäume im ersten Stock werden wir selbst finanzieren können“, erklärte der Pfarrer.

Das Gustav-Adolf-Haus auf dem Hirschacker sei bereits vermietet, das Melanchthon-Haus werde zum Jahresende 2023 geschlossen. Hier liefen intensive Gespräche über einen Verkauf, sagt Steffen Groß.

Stadtkirche in Schwetzingen: Bezirkskantor wird neu besetzt

Neu ist auch, dass die bisher lockere Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden der Region sich zu einer verbindlichen Kooperation wandeln wird. Die Hauptamtlichen arbeiten bereits mit den Nachbarn in Brühl, Ketsch, Oftersheim, Plankstadt und Eppelheim zusammen.

Diese Zusammenarbeit wird in einigen Jahren in gemeinsamen Dienstgruppen organisiert, sodass Diakoninnen und Pfarrer auch über die Grenzen der eigenen Gemeinde hinaus im Einsatz sein werden. „Es ist aber klar, dass in jedem Ort auch in Zukunft ein Hauptamtlicher als Gesicht der Gemeinde präsent sein wird und für alle Anliegen zwischen Taufe und Beerdigung ansprechbar ist“, betonte Adelheid von Hauff.

Während damit die Grundversorgung lokal organisiert bleibe, werde es in jedem Ort einzelne Schwerpunkte geben, weil keine Gemeinde mehr alle Bereiche von der Krabbel- bis zur Trauergruppe anbieten könne.

In Schwetzingen werde in jedem Fall die Kirchenmusik verankert bleiben: Die Stelle von Bezirkskantor Detlev Helmer, der zum Jahresende 2023 in Ruhestand geht, werde in vollem Umfang neu besetzt, erklärte Groß unterm Beifall der Anwesenden.

Rückfragen gab es unter anderem zur Zukunft des Konfirmandenunterrichts oder zur Stadtkirche an sich. Deren Potenzial sei bei weitem noch nicht ausgeschöpft, finde der Kirchengemeinderat. Der habe den Grundsatzbeschluss gefällt, den Kirchenraum im Verlauf der nächsten zehn Jahre umzugestalten. „Stadtkirche – Zentrum 32“ heißt das Projekt, das die Kirchengemeinderätin Andrea Botero-Hartmann bei der Versammlung erstmals vorstellte.

Stadtkirche in Schwetzingen: Raum für Ausstellungen und mehr

In Zukunft soll die Kirche nicht mehr nur für Gottesdienste und Konzerte genutzt werden, sondern auch für Sitzungen und Kunstausstellungen, für Proben oder Vorträge.

Ein erster Schritt auf dem Weg dorthin werde dann die Anschaffung einer mobilen Licht- und Tonanlage sein, denn in diesem Bereich liege in Schwetzingen vieles im Argen. „Was danach kommt, ist noch völlig offen – da liegt ein langer Prozess vor uns“, sagt Botero-Hartmann. Wahrscheinlich werde es dazu einen Architektenwettbewerb geben. Landeskirche und Stiftung Schönau müssten ebenso mit ins Boot wie der Denkmalschutz. Klimaneutralität sei dabei wichtig – und vor allem die Ideen der Gemeindeglieder und der Stadtgesellschaft.

Entscheidungen über konkrete Veränderungen gebe es bisher noch keine, aber das Ziel sei klar: Die Kirche soll das Zentrum der Gemeindearbeit werden – und ein Treffpunkt für die ganze Stadt.

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