Stadtkirche

Vokalensemble Schwetzingen: Rutters Requiem geht am Totensonntag ins Licht

Vokalensemble sorgt für einen würdigen Totensonntag zum Ausklang des Kirchenjahres

Von 
Bojan Basson
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Wunderbar intoniert das Schwetzinger Vokalensemble das Requiem von John Rutter. Kirchenmusikdirektor Detlev Helmer hat die Leitung. © Lenhardt

Vor der 1758 erbauten evangelischen Schwetzinger Stadtkirche reihten sich viele Besucher ein, die den Ausklang des Kirchenjahres an diesem frühen Sonntagabend in zeitgenössischer Musik erleben, sich damit umgeben wollten. Das Schwetzinger Vokalensemble spielte an diesem Totensonntag „Motetten und ein Requiem“ des zu Lebzeiten royal gewürdigten, britischen Komponisten John Rutter. Der gilt bis in unsere Zeit als einer der weltweit bedeutendsten und populärsten Komponisten von Chor- und Kirchenmusik.

Die zeitgenössischen Kompositionen Rutters werden weltweit uraufgeführt – ja geradezu gefeiert. Sein Kompositionsstil entspringt der englischen Chor-, und Kathedralmusik und bereichert sie durch Elemente des Jazz und Pop. Rutters hat wesentliche Teile der Totenmesse um Psalmtexte aus dem sogenannten Book of Common Prayer – das ist das liturgische und katechetische Buch der anglikanischen Kirche aus dem späten 17. Jahrhundert – interpretatorisch modifiziert.

Die im Stil der Neo-Renaissance gebauten Glasfenster im Kirchenhauptschiff der Schwetzinger Stadtkirche respondieren das Requiem durch die frühe Dunkelheit ebenso wie Kirchermusikdirektor (KMD) Detlev Helmer durch seine hochwertige, sehr gelungene und austariert feingliedrige Interpretation.

Vokalensemble Schwetzingen: Ein Stück mit Aktualität

Das Requiem spiegelt auch die Begrüßungsworte von Detlev Helmer zu unserer gegenwärtigen Situation mehrfacher, nicht nur ökonomischer sondern über imperiale Ziele hinausgehend auch existenziell bedrohlicher Krisen wider, die auf uns hereinbrechen. Die hohe musikalische Qualität der Aufführung unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Helmer und die leicht eingängliche Klangarchitektur des zeitgenössischen Musikwerkes John Rutters steht diesen Bedrohungen durch einen postmodernen Charakter für Augenblicke wie eine Leuchtwand ohne Reklame entgegen.

John Rutter geht für dieses am 13. Oktober 1985 in der „Lovers’ Lane United Methodist Church“ im amerikanischen Texas aufgeführte Requiem nicht den bekannten Weg der Totenmesse wie sie in der katholischen Liturgie festgelegt ist. Er setzt dem eine modifizierte Kompositionsvariante gegenüber, in dem er die wichtigen Partiturteile aus dem Book of Common Prayer von 1662 nochmals erweitert.

Vokalensemble Schwetzingen: Weg aus dem Dunkel ins Licht

Immer wieder geht seine Musik den Weg aus dem Dunkel ins Licht, wie es auch Kirchenmusikdirektor Detlev Helmer in einem Gespräch mit dieser Zeitung hinterher nochmals erklärte: „Es besteht durch die immer wiederkehrende Komponente, dass der Tod nur der Durchgang durch einen dunklen Tag zum ewigen Licht ist. Hoffnung und Trost zugleich.“

Das Sanctus aus Rutters Requiem wurde übrigens auch für die Liturgie der Totenmesser für den früheren Bundeskanzler Helmut Kohl am 1. Juli 2017 im Dom zu Speyer ausgewählt. Das Schwetzinger Vokalensemble sang und spielte vor einem sehr dankbaren, den Totensonntag traditionell würdigenden Publikum.

Das Ensemble besteht schon seit 2001 und ist ein Chor der Evangelischen Kantorei Schwetzingen und des Evangelischen Kirchenbezirkes Südliche Kurpfalz. Gesungen wird Literatur aus verschiedenen Jahrhunderten – vom Barock bis in die Moderne. Der Chor als wichtige Bereicherung der Kulturszene Rhein-Neckar zeichnet eine bunte Vielfalt der Mitglieder aus Schwetzingen und dem Kirchenbezirk aus. Die gemeinsame Freude an der Erarbeitung und Darbietung anspruchsvollerer Chorwerke steht im Mittelpunkt des Vokalensembles.

Detlev Helmer leitet verschiedene Chöre und Ensembles. Er konzertiert im In- und Ausland. Er ist auch Komponist von Orgel-, und Chorwerken sowie Kindermusicals. Aufgrund seiner Verdienste wurde ihm 2016 der Titel Kirchenmusikdirektor verliehen.

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