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Amtsgericht

Weihnachtsdeko-Unfall in Schwetzingen: Angeklagter freigesprochen

Das Gericht fand, der Angeklagte habe seine Verkehrssicherungspflicht ausreichend erfüllt.

Von 
Lukas Heylmann
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Vor dem Amtsgericht Schwetzingen wurde gegen den Inhaber einer Firma verhandelt, die mit 2021 mit der Abhängung des Weihnachtsschmucks in der Fußgängerzone beauftragt war. © Hardung

„Eigentlich haben wir hier einen Skandal aufgedeckt.“ Mit diesen Worten leitete der Verteidiger im Sitzungssaal des Schwetzinger Amtsgerichts am zweiten Verhandlungstag im Fall einer Rentnerin aus Graben-Neudorf, die in der Mannheimer Straße in Schwetzingen durch ein herabfallendes Stahlseil verletzt wurde (wir berichteten), sein Plädoyer ein – und zwar Momente bevor sein Mandant von Richter Weimer freigesprochen wurde.

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Eine Pflichtverletzung seitens des angeklagten Elektrikers, wie sie die Staatsanwaltschaft als gegeben ansah, sei jedenfalls nicht nachweisbar, so Weimer. „Ich hätte es wahrscheinlich ähnlich gemacht wie Sie“, gestand der Richter bei der Urteilsbegründung sogar. Der Angeklagte ist Eigentümer jener Firma, die den Weihnachtsschmuck in der Mannheimer Straße abgehängt hat, als es zu dem Vorfall kam. Er leitete selbst die Arbeiten vor Ort.

Was der Verteidiger als Skandal bezeichnete, war auf die Aussage des Sachverständigen German Sternberger zurückzuführen, der dem Gericht erläutern sollte, wie es letztlich dazu gekommen war, dass sich beim Abhängen der Weihnachtsdekoration der Draht – denn laut des Metallbaumeisters sei es kein Seil gewesen – lösen konnte und die Geschädigte schwer am Kopf verletzte.

Und der Fachmann kam zu einem recht eindeutigen Ergebnis: Schuld an dem Vorfall war Materialermüdung, die nur bei einer sehr detaillierten Wartung und Inspektion hätte bemerkt werden können. Eine solche Wartung – und darauf zielte der Verteidiger in seinem Plädoyer letztlich ab – hätte in der Verantwortung der Stadt gelegen. Der Bauamtsleiter hatte bereits beim ersten Verhandlungstag zugegeben, dass die Inspektion nicht erfolgt sei, was der Sachverständige als immenses Sicherheitsrisiko harsch kritisierte.

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Teils haarsträubender Zustand

Aufgrund seiner Untersuchungen ließ sich Gutachter Sternberger zu einer recht drastischen Prognose hinreißen, was die Sicherheit der Drähte und ihrer Befestigungen in der Mannheimer Straße angeht: „Meine klare Meinung ist: Das passiert noch einmal.“ Der erste Verhandlungstermin hatte bereits ergeben, dass die Drähte und Halterungen aus den 1980er Jahren stammten, laut Sternberger seien sie in teils haarsträubendem Zustand.

Zudem sei das Material der Befestigungselemente problematisch. „Aluminium ist sehr rissanfällig“, erklärte der Sachverständige auf eine Frage des Richters hin. „Mit der Zeit entstehen leichte Beschädigungen der Oberfläche, die dann jederzeit zu einem Defekt führen können.“ In diesem Kontext bestätigte der Metallbaumeister nicht nur, dass es zahlreiche finale Auslöser dafür geben könne, dass das Material schließlich nachgibt, sondern auch, dass eine solche Beschädigung unmöglich für jemanden zu sehen gewesen sei, der nur etwas am Draht und nicht an der Halterung arbeite –also wie im vorliegenden Fall die Dekorationen abhängte.

Die Kombination aus der Erkenntnis, dass die Qualität des Drahts und der Halterungen nicht im Ermessen des Angeklagten lag, und der Auffassung des Vorsitzenden Richters, dass der Angeklagte den Unfallort ausreichend abgesichert hatte, führten schlussendlich zu dessen Freispruch. Zwar stellte der Sachverständige auf eine Nachfrage des Staatsanwalts fest, dass die Berührung des Seils, zu der es beim Abhängen des Schmucks sicher gekommen war, sehr wahrscheinlich der Auslöser für das Abreißen gewesen sei, betonte aber auch, dass genauso Wind und Wetter dem Material so zusetzen könnten, dass etwas Ähnliches wieder vorfalle.

Der Staatsanwalt betonte in seinem Plädoyer dennoch, dass der Angeklagte seine Sicherungspflicht verletzt hätte. Die Vertreterin der Nebenklage, die sich dieser Einschätzung vollumfänglich anschloss, betonte dabei noch mal die Schwere der Folge, mit der ihre 84-jährige Mandantin aufgrund des Vorfalls immer noch zu kämpfen habe und für die sich niemand entschuldigt habe. In seiner Urteilsbegründung ging Richter Weimer darauf ein: „Es ist tragisch, was der Frau passiert ist. Aber es gibt Dinge, für die keiner verantwortlich ist.“ Inwiefern die Stadt eine Verantwortung an dem Unfall trägt, ließe sich, so der Richter klar, nur in einem Zivilprozess klären.

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