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Öffnung der Salierbrücke

Die Speyerer Vielfalt macht’s - OB Stefanie Seiler und Peter Bödeker im Interview

Von 
Jürgen Gruler
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Chefredakteur Jürgen Gruler (r.) im Gespräch mit OB Stefanie Seiler und Peter Bödeker von der Leistungsgemeinschaft. © Gruler

Speyer. Genug gedarbt – Speyer ist zurück im Fokus der Menschen aus der badischen Nachbarschaft. Gerade hat der Weihnachtsmarkt begonnen, der sich diesmal über die ganze Maximilianstraße zieht. Das ist zwar jetzt Corona geschuldet, könnte aber auch ein Zukunftsmodell sein. In den fast drei Jahren der Sperrung der Saliernbrücke hat sich einiges verändert in der Domstadt. Mit Stefanie Seiler gibt es eine neue Oberbürgermeisterin, die große Pläne hat. Und an der Spitze der Leistungsgemeinschaft „Das Herz Speyers“ hat mit Peter Bödeker ein erfolgreicher Unternehmer, dessen Geschäfte große Anziehungskraft haben, die Leitung übernommen. Wir haben mit den beiden über Gegenwart und Zukunft der historischen Stadt gesprochen.

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Was hat die Sperrung der Brücke mit der Stadt Speyer gemacht?

Stefanie Seiler: Es war eine schwierige Zeit für die Geschäftsleute und die Gastronomen der Stadt. Die schon von Beginn an lange Sanierungszeit und dann noch die Ankündigung, dass es ein Jahr länger dauern soll, haben starke Diskussionen in der Stadtgesellschaft verursacht. Ich hätte mir da schon eine stärkere Einbindung und mehr Entgegenkommen des Regierungspräsidiums Karlsruhe gewünscht. Dann wurde auch noch alles von der Pandemie und den Schließungen der Geschäfte sowie Lokale überlagert. Ich bin wirklich gespannt darauf, ob die Menschen wieder den Weg zu uns nach Speyer finden werden. Und ich kann nur sagen, wir haben hier alles dafür getan, dass man auch jetzt zur Pandemiezeit sicher und gut seine Weihnachtseinkäufe tätigen kann. Unsere Besucher können Speyer im Lichterglanz genießen, der Weihnachtsmarkt ist eröffnet. Ich appelliere an die Menschen, vernünftig zu bleiben, die Schutzmaßnahmen zu beachten und es uns so zu ermöglichen, den Weihnachtsmarkt bis zum 9. Januar ohne weitere Einschränkungen offen halten zu können. Es liegt letztlich an uns allen, was wir daraus machen.

Peter Bödeker: Ich bin nach wie vor verärgert und geschockt von der behördlichen Arroganz, die das Regierungspräsidium bei der Brückensanierung an den Tag gelegt hat. Es bestand keinerlei Interesse daran, die Probleme, die wir dadurch bekommen haben, pragmatisch zu lösen. Das hat 14  Geschäftsleuten in Speyer die Existenz gekostet und viele Einbußen gebracht. Bei manchen Kollegen gab es bis zu 40 Prozent Umsatzeinbußen. Wir hoffen ganz stark darauf, dass es uns gelingt, jetzt die Kunden aus dem Badischen wieder für uns zu gewinnen, und wir tun alles dafür, auch mit dieser Beilage. Speyer ist eine außergewöhnliche Stadt. Aufgrund ihrer Struktur gibt es hier alles zu kaufen – in der Innenstadt, in der Auestraße und an vielen weiteren Standorten.

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Seiler: Das stimmt. In Speyer bekommt man alles, was man braucht. Ich kaufe grundsätzlich hier in unseren Geschäften ein und bin immer wieder über die Markenvielfalt und die Beratungsqualität überrascht.
Was unterscheidet Speyer denn von anderen Städten ringsum ganz besonders?

Bödeker: Die Badener und Pfälzer haben einfach eine ganz besondere Lebensart. Wir wechseln gerne hin und her übern Rhein und fühlen uns überall hier in der Kurpfalz wohl. Wenn heute am Donnerstag die Brücke aufgeht, dann sehen unsere Gäste, dass wir die Braut schön geschmückt haben. Speyer ist im Weihnachtsglanz. Der Weihnachtsmarkt lädt zum geselligen Miteinander ein. Man kommt ins Gespräch, erzählt bei einem Glühwein und einer Wurst über Gott und die Welt. Dazu muss man sich nicht unbedingt um den Hals fallen, man kann sich auch mit etwas Abstand gut unterhalten und aufeinander aufpassen. Da öffnen sich die Herzen für die Weihnachtszeit, die Licht in unser Leben bringt. Und das Besondere im Handel ist, dass der Branchenmix noch stimmt und wir in der Leistungsgemeinschaft sehr gut zusammenarbeiten, um unsere Stadt in eine gute Zukunft zu führen.

Es gehört Mut dazu, in diesen Zeiten einen Weihnachtsmarkt zu veranstalten. Was hat Sie dazu bewogen?

Seiler: Wir diskutieren so viel über negative Dinge wie die schreckliche Pandemie. Aber die Menschen brauchen doch auch positive Zeichen, eine Orientierung, dass es weitergehen kann. Der Weihnachtsmarkt soll so ein Hoffnungszeichen sein. Wir wollen, dass niemand verlorengeht, dass auch Menschen, die alleine sind, nicht zu Hause sitzen und wieder so ein Weihnachtsfest wie letztes Jahr erleben müssen. Man darf die gesellschaftlichen Spannungen, die durch die Pandemie verschärft wurden, nicht außer Acht lassen und sollten schauen, dass wir die Bürger auf unseren Weg in die Zukunft mitnehmen. Und mal ehrlich, wer glaubt, dass die Menschen sich nicht treffen, wenn wir den Weihnachtsmarkt nicht veranstalten, der scheint mir naiv. Dann finden die Treffen im privaten Kreis statt, in Wohnungen und anderswo. Der Weihnachtsmarkt ist unter freiem Himmel, wir kontrollieren die Einhaltung der Vorschriften, machen auf die 2G- oder 3G-Regel in den einzelnen Bereichen aufmerksam und ermahnen die Menschen, die, wenn es eng wird, die Maske nicht tragen. Wenn alle mithelfen und vernünftig sind, schaffen wir es, diesen Weihnachtsmarkt zu einem positiven Erlebnis werden zu lassen. Und mir gefällt übrigens die Verteilung der Marktstände in der Maximilianstraße ganz gut.

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Bödeker: Heimat braucht einen Ort – und den haben die Speyerer und die Gäste aus der ganzen Region hier auf dem Weihnachtsmarkt. Hier können sie auch Frieden und Besinnlichkeit finden – und der beleuchtete Dom und der diesmal schon zum ersten Advent leuchtende Weihnachtsbaum am Domplatz wachen darüber. Wir Händler und vor allem natürlich auch die Betreiber der Marktstände sind der Stadt sehr dankbar, dass sie den Markt nicht abgesagt hat und uns die Möglichkeit gibt, davon zu profitieren. Das ist sicherlich auch ein schönes Zeichen für die neue engere Zusammenarbeit zwischen den Gewerbetreibenden in der Stadt, den Kirchen, den Kliniken und vielen anderen Organisationen sowie der Stadt. Es ist ein neues Zusammenwirken innerhalb Speyers. Ich bin auch angetreten, um zu versöhnen, weil gegeneinander gar nichts geht.

Am Ende entscheidet der Kunde, wo er kauft. Welche Auswirkungen hat das Internet auf den Speyerer Handel?

Seiler: Die Bürger einer Stadt und aus dem Umfeld haben es selbst in der Hand, ob wir in zehn Jahren noch eine schöne und lebenswerte Innenstadt mit Handel und Gastronomie haben oder nicht. Ob die Stadt ein Ort bleibt, mit dem man sich identifizieren kann. Es beißt sich, wenn man bei Amazon und anderen Anbietern bestellt, die den Mindestlohn oder noch weniger zahlen und man dann von der Politik die Belebung der Innenstädte einfordert. Wir Speyerer sollten stolz darauf sein, was es bei uns alles gibt, wir sollten es nutzen und bei allen unseren Freunden dafür werben, hier einkaufen zu gehen.

Bödeker: Alle wollen energetisch sauber und möglichst grün sein, verstopfen aber unsere Straßen mit einer Paketflut, von der bis zu 66 Prozent anschließend wieder zurückgeschickt werden. Die Kunden haben es selbst in der Hand.

Wie können Sie da unterstützen, Frau Seiler?

Seiler: Bei unseren Innenstadtrundgängen mit engagierten Bürgern ist uns klar geworden, dass wir als Stadt einiges tun müssen. Das fängt bei den Bänken an, die nicht mehr zeitgemäß sind und hört bei der Sauberkeit noch lange nicht auf. Auch die städtischen Häuser wollen wir auf Vordermann bringen. Ein großes Problem sind Vermieter, die gar nicht hier leben. Da müssen wir Einfluss gewinnen und Vorschläge machen, noch bevor der Vertrag mit einem Ein-Euro-Shop gemacht ist. Es gibt ja gute Beispiele für neue Ansiedlungen. So etwa Hunkemöller oder Rituals, auch zwei neue Boutiquen wurden kürzlich eröffnet. Das Geschäft Vom Fass ist in die Hauptstraße umgezogen. Wir wollen das mit Festen und Aktionen nach Kräften unterstützen.

Bödeker: Und wir freuen uns schon auf den verkaufsoffenen Sonntag jetzt am 28.  November, auf den Dreikönigstag, 6. Januar, der bei uns kein Feiertag ist, und auf den 9. Januar, an dem wir mit einem verkaufsoffenen Sonntag die Weihnachts- und Neujahrszeit abschließen wollen.

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