Dreifaltigkeitskirche

Esprit, Leichtigkeit und Tiefe

Mozartchor singt Francis Poulencs „Gloria“ und Gabriel Faurés „Requiem“

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zg
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Der Mozartchor Speyer lädt endlich wieder zum Konzert ein. © Varelmann/Mozartchor

Speyer. Als verwegene Mischung zwischen Mönch und Lausbub charakterisierte der französische Musikkritiker Claude Rostand den Komponisten Francis Poulenc. Die in dieser Bezeichnung zum Ausdruck kommende unkonventionelle Art des Komponierens mit ihrer überaus abwechslungsreichen Tonsprache prägt auch Poulencs „Gloria“. Am Samstag, 26. November, führt der Mozartchor dieses Werk zusammen mit dem „Requiem“ von Gabriel Fauré und mit Poulencs Konzert für Orgel, Streicher und Pauke ab 19 Uhr in der Dreifaltigkeitskirche auf.

Als Fauré die Urfassung seines Requiems im Januar 1888 in der Église de la Madeleine zum ersten Mal aufgeführt hatte, war der Pfarrer nicht begeistert. „Wir brauchen dergleichen Neuheiten nicht“, soll er seinem Kapellmeister an den Kopf geworfen haben. In der Tat hat das Werk innerhalb der Requiem-Literatur einen ganz eigenen Charakter: Es ist sanft, wie der Komponist selbst es beschrieben hat.

Nach der Aufführung der Endfassung am 28. Oktober 1900 im Théatre de l´Alhambra in Brüssel schrieb der Rezensent der Zeitung La Réforme: „Für ein Werk der Trauer ist das Requiem von Monsieur Fauré kein allzu düsteres Werk. Es ist gefühlvoll, klagend und zart. Nichts von dem berühmten Heulen Bossuets oder dem Zähneklappern der Heiligen Schrift. Es bezaubert.“ Trostreiche Innigkeit also tritt an die Stelle des Erschreckens und Verzagens. Vielleicht taucht das Werk gerade deshalb so häufig in den Konzertkalendern auf.

Eher selten zu hören ist dagegen Francis Poulencs „Gloria“ aus dem Jahr 1961. Vom Komponisten selbst als „Chorsinfonie“ bezeichnet, verbreitet es auf weite Strecken pure, unbeschwerte Fröhlichkeit. Seine Tonsprache folgt zwar einer durchaus traditionellen Melodik und Harmonik, unterscheidet sich aber in ihrem Abwechslungsreichtum sehr von den bis dahin komponierten Vertonungen dieses festlichen Gebetes aus der katholischen Feiertagsliturgie. Die unkonventionelle Art des Komponierens, oder – wie der Kölner Musikjournalist Matthias Corvin es ausdrückt – dieser „Mix aus Esprit, Leichtigkeit und Tiefe“ war bei Poulenc Programm. Nach eigener Aussage arbeite er instinktiv und nicht nach Regeln. Und er sei stolz darauf, kein festes System zu besitzen. Seinem „Gloria“ verleiht diese Herangehensweise einen besonderen Reiz.

Ungewöhnliche Besetzung

Der gleiche Einfallsreichtum und die gleiche Experimentierfreude finden sich auch bereits 20 Jahre früher in Poulencs Orgelkonzert. Das beginnt schon mit der ausgefallenen Besetzung: Orgel, Pauke und Streicher. Thematisch führt Poulenc die Zuhörer zwischen erhabenem Kirchenraum und quirligem Jahrmarktstreiben hin und her. Das innovative Konzert, am 21. Juni 1939 mit Maurice Duruflé an der Orgel uraufgeführt, gehört heute zu den meistgespielten Werken Poulencs und hat einen festen Platz im Kanon der bedeutenden Orgelkonzerte.

Der Mozartchor Speyer musiziert unter der Leitung von Dieter Hauß mit dem Heidelberger Kantatenorchester, mit den Vokalsolisten Hanna Ramminger (Sopran), Matthias Weichert (Bass) sowie mit Domorganist Markus Eichenlaub. Das Konzert beginnt um 19 Uhr, Einlass ist ab 18.15 Uhr. zg