Goldene Löwen

Karnevalisten aus der Region erhalten in Speyer Goldene Löwen

Die Brühler Kollergrotten und der CC Grün-Weiß Oftersheim erhalten besonders viele Auszeichnungen von der Vereinigung.

Von 
Susanne Kühner
Lesedauer: 
Die „Kollerkrotten“ aus Brühl erhalten besonders viele Goldene Löwen (v. l.): Rebecca Seppich-Polauer, Daniel Kühnle, Sarah Kern-leitner, Nick Möltgen, Mareike Meininger, Niklas Geschwill, Sabrina Estelmann, Christina Röger, Jens Niederdräing, Mathias Kühn-le und Claudio Glässer – im Vordergrund sitzt „Kollerkrotten“-Prinzessin Michèle I. mit schimmerndem Diamant: © Kühner

Speyer/Region. Manche waren gespannt wie die Flitzebogen, anderen zitterten sogar die Knie am Sonntag in der Stadthalle zu Speyer. Die immense Freude war bei allen 367 Frauen und Männern aus verschiedenen karnevalistischen Vereinigungen gleich. Sie erhielten den Goldenen Löwen für ihr Engagement um das Brauchtum. Nordbaden stellte mit 127 Personen übrigens auch die größte Gruppe der Würdenträger.

Die Kurpfälzer Trabanten aus Heidelberg marschierten zu Ehren der künftigen Löwenträger aus ihrer Region zur ersten Nachmittagsrunde auf der Stadthallenbühne auf, wo das Präsidium der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine mit Jürgen Lesmeister an der Spitze versammelt war. Hatten am Vormittag Karnevalisten aus der Vorderpfalz die Auszeichnung für 22-jährige Aktivität in ihren jeweiligen Vereinen erhalten, war Nordbaden nach der Mittagspause an der Reihe.

Goldene Löwen in Speyer verliehen: Carneval-Clubs Plankstadt und Eppelheim nehmen Auszeichnungen nach Hause

„Es ist schon ein bisschen aufregend, denn bei meinen zwei ersten größeren Ehrungen waren nicht so viele Leute da“, gab Manolito Dirker von der SCG Schwetzingen zu, der er seit dem Wechsel vom Plankstadter Carneval-Club Blau-Weiß vor über 15 Jahren angehört. Dort war seine erste Kampagne als Elferrat in der Saison 2007/08. „Ich wurde durch alle Hallen geschleift – das war der Durchbruch“, erinnerte er sich lachend. Wenn Gott Jokus am Elften im Elften zum Angriff bläst, steht Dirker eben einfach parat.

Das tut auch Nathalie Strottner (Bild) von den Plankstadter Karnevalisten. „Ich hab’ 22 Jahre im Marsch getanzt, war zehn Jahre Mariechen und bin jetzt Trainerin“, skizzierte die 27-Jährige ihre Laufbahn. Die zwei Jahre unfreiwillige Corona-Pause waren daher eine harte Prüfung. Das ging Michelle Virag vom CV Rohrhöfer Göggel ebenso. „Fasnacht ist mein Leben und meine Familie“, betonte sie. Lange gefreut hat sie sich daher auf den Moment der Löwenverleihung. „Ich bin schließlich seit meiner Geburt in dem Verein“, warf sie ein.

Goldene Löwen

Karnevalisten aus der Region erhalten in Speyer Goldene Löwen

Veröffentlicht
Bilder in Galerie
7
Mehr erfahren

So lange ist Michael Goth zwar noch nicht beim Eppelheimer Carneval Club, doch die 22 Jahre hat der 37-Jährige auch voll. „Der Tag heute ist aufregend, da der Karneval mich eine so lange Zeit begleitet hat“, macht er deutlich. Das Männerballett ist für ihn stets das Herzstück der Aktivität gewesen. Die Pandemie hat die Gruppe zwar nicht überlebt, doch Goth blickt optimistisch in die närrische Zukunft. „Man muss sich neu finden und anderes entwickeln“, meint er.

Goldene Löwen in Speyer verliehen: Narren aus Hockenheim und Altlußheim ausgezeichnet

Für Anna Nagel von der Ersten Großen Hockenheimer Carnevals-Gesellschaft 1954 war es nicht schwer, wieder in den fasnachtlichen Modus zu kommen nach der Zwangspause. Ganz klassisch hat die 28-Jährige ihre „Karriere“ mit Tanz begonnen. Seit einem Jahr ist sie Elferrätin. „Es ist schon etwas Schönes, ausgezeichnet zu werden“, meint sie mit einem Augenzwinkern zum neuen güldenen Gefährten um den Hals.

Iris Kampa-Schneider war zehn Jahre Präsidentin der „Luxe“ in Altlußheim und ist bereits seit 2003 Elferrätin, bevor sie vor fünf Jahren zum CC Blau-Weiß Hockenheim wechselte. Nicht nur als Senatorin genießt die 60-Jährige die fünfte Jahreszeit dort, sondern auch als Tänzerin der „Golden Dancers“. „Meine Tochter hat mit zehn Jahren bei den Luxen angefangen, da hatte ich mit Fasnacht noch nichts am Hut“, denkt Kampa-Schneider gern an ihren unverhofften Einstieg ins Faschingsmetier zurück.

Goldene Löwen in Speyer verliehen: Oftersheim und Brühl erhalten besonders viele Auszeichnungen

Durch den Einsatz als Musiker kam Horst Bartum (70) zum CC Grün-Weiß Oftersheim. „Ich habe mich gefreut, dass es wieder losgeht“, gibt er mit Verweis auf die laufende Session zu. Vereinskollegin Stephanie Fix ist „ruckzuck reingewachsen“, war erst „Butzelhexe“, dann Schatzmeisterin, dann Elferrätin. Den Löwen hätte sie eigentlich schon vor zwei Jahren bekommen sollen. „Ich wollte ihn aber nicht zugeschickt kriegen, sondern den Moment mit den Menschen genießen, mit denen ich sonst auch unterwegs bin“, untermauert die 52-Jährige.

Aus Oftersheim kamen auch Sina Ulrich und Veronica Lefrank, beide ehemalige Tollitäten – Ulrich wegen Corona sogar drei Jahre lang. 1999 hat sie in Oftersheim angefangen zu tanzen, war elf Jahre Mariechen und ist nun Trainerin. Das gleicht dem Weg von Lefrank, die zudem seit 2011 den Elferratskittel trägt. Jugendgarde und Männerballett trainiert sie – wenn sie nicht gerade in Babypause ist, wie im Moment. Der Nachwuchs wird aber schon vorbereitet. „Er hat schon ein Hütchen“, verrät Veronica Lefrank.

Von Grün-Weiß Oftersheim sind Stephanie Fix (v. l.), Sina Ulrich, Prinzessin Julia II., Veronica Lefrank und Horst Bartum dabei. © Susanne Kühner

Gewaltig war am Sonntag die Abordnung der Kollerkrotten aus Brühl. Elf Empfänger des Goldenen Löwen standen mit einem Schlag auf der Bühne. Mit drei Jahren stand Rebecca Seppich-Polauer erstmals als Tänzerin im Rampenlicht. Im vergangenen Jahr übernahm sie mit einer Vereinskollegin den Part der Sitzungspräsidentin. „Es hat viel gefehlt während der vergangenen zwei Jahre“, betont sie. Ein wenig Vereinsarbeit habe es gegeben, ergänzt Nick Möltgen, der bereits vor der Geburt im Bauch seiner Mutter – einer Trainerin – mit von der Partie war. „Ich bin mit Herz und Seele dabei“, versichert der heutige Vizepräsident. Sabrina Estelmann war Tänzerin, 2016/17 Prinzessin, Trainerin und Betreuerin bei den Kollerkrotten und freut sich wie Niklas Geschwill über den Löwen. Der Wiedereinstieg ist dem Vorsitzenden, der Jugendleiter und Kinderprinz war, nicht leicht gefallen. Mittlerweile laufe die Fasnacht wie gewohnt.

Goldene Löwen in Speyer verliehen: Narren aus der Region feiern

Präsident des Elferrates ist Jens Niederdräing seit drei Jahren. Verschiedene Vorstandspositionen hat er seit seinem Einstieg in die Fasnacht vor 19 Jahren ausgefüllt. Mareike Meininger berichtet: „Ich habe 2001 in der Kindergarde angefangen und alle Tanzgruppen durchgemacht.“ Analog sieht der Werdegang bei Sarah Kunde aus. „Ich freue mich sehr über die Auszeichnung“, hebt sie hervor. Durch Bekannte ist Claudio Glässer zu den Kollerkrotten gekommen. Bei Mathias und Daniel Kühnle waren es die Eltern. 2012 wurde Glässer Sitzungspräsident und mit dem Neubeginn nach der Pandemie Ehrensitzungspräsident.

Mathias Kühnle tanzte in der Garde, war Trainer und ist dafür zuständig, fasnachtliche Erlebnisse in Fotos zu verewigen. Sein Bruder Daniel ist seit dem Jahr 2000 Elferrat und seit 2009 Minister für den Barbetrieb zuständig. Bei der Narrhalla Ketsch fing Christina Rötger an, bevor sie 2011 auf Brühl umgestiegen ist. Die Prinzessinnenzeit 2011/12 setzte ihrem karnevalistischen Werdegang die Krone auf – mit dem Löwen wurde sie am Sonntag vergoldet.

Mehr zum Thema

Fasnacht Brühler Kollerkrotten feiern Prinzessinnen- und Ordensball bis zum Morgengrauen

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Auszeichnungen Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine verleiht Goldene Löwen

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Kollerkrotten Fasnacht in Brühl: Mit lautem „Ahoi“ geht es durch die Straßen

Veröffentlicht
Mehr erfahren