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Requiem für Papst Benedikt XVI. in Speyer: Die Gottesfrage stand im Mittelpunkt

Bischof Karl-Heinz Wiesemann feiert mit vielen Gläubigen ein Requiem für den verstorbenen Papst Benedikt XVI. und erinnert an dessen Europarede 1990.

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Bischof Karl-Heinz Wiesemann bei seiner Predigt im Dom. © Domkapitel/Landry

Speyer. Mit einem feierlichen Pontifikal-Requiem im Dom würdigte das Bistum Speyer den verstorbenen emeritierten Papst Benedikt XVI. „Am Silvestertag hat Benedikt sein Leben in die Hand seines Schöpfers zurückgelegt. Er war durch und durch ein geistlicher Mensch, ein großer Theologe und eine wichtige Gestalt in der Kirchengeschichte“, sagte Bischof Karl-Heinz Wiesemann zu Beginn des Gottesdienstes.

Er denke gern an viele Begegnungen mit dem späteren Papst als junger Student zurück und „bin ihm persönlich dankbar, dass er mir vor 15 Jahren sein Vertrauen geschenkt und mich zum Bischof von Speyer ernannt hat“. Benedikt sei gestorben „im tief gläubigen Bewusstsein, dass der Tod nicht das Ende ist“.

In seiner Predigt betonte der Speyerer Bischof, dass in der Mitte des ganzen Lebens, Denkens und Wirkens Joseph Ratzingers Jesus Christus gestanden habe: „Christus als der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Dies komme im geistlichen Testament des emeritierten Papstes wie auch in seinen letzten Worten „Jesus, ich liebe dich“ („Signore ti amo“) zum Ausdruck.

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dpa/lrs
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In seinem langen Wirken in ganz verschiedenen Positionen der katholischen Kirche habe Joseph Ratzinger in der Kirche immer die Gottesfrage in den Mittelpunkt gestellt. „Lange hat die Kirche keinen so großen Theologen an der Spitze gehabt“, würdigte Wiesemann den Verstorbenen. In seinen Aussagen sei deutlich geworden: „Gott ist der Wirkmächtige in unserer Welt“ und „Gott lässt sich nicht beiseiteschieben, nicht aus dem privaten Leben, nicht aus der Gesellschaft, nicht aus der Öffentlichkeit.“ Für Speyer und seinen Dom bleibe die Europarede von Kardinal Ratzinger zum Pfingstfest 1990 unvergessen, in der er deutlich gemacht habe, dass eine Gesellschaft ohne Gott totalitäre Züge entwickle und ein Europa ohne Gott einen Verrat an der eigenen Geschichte bedeute. Mit Blick auf den Speyerer Dom habe der damalige Präfekt der Glaubenskongregation betont: „In keiner Phase lebte diese Stadt ohne den Blick auf das Heilige, ohne den Versuch, vom Mitwohnen mit Gott her das rechte Miteinander-Wohnen der Menschen zu erlernen.“ „Europas Größe“, so habe Ratzinger gesagt, „beruht auf einer Vernünftigkeit, in der Vernunft über alles Lernen und Können hinaus ihr Höchstes nicht vergisst: Vernehmen des Ewigen zu sein, Organ für Gott.“ Ratzinger habe seine Rede mit dem Wunsch abgeschlossen: „Möge der Speyerer Dom Symbol solcher Offenheit, solch europäischen Geistes sein und damit Wegweiser in ein gesegnetes neues Jahrtausend.“

Kondolenzbuch und Geläut

Schon seit dem 2. Januar liegt im südlichen Seitenschiff des Speyerer Doms ein Kondolenzbuch aus. Am Donnerstag, 5. Januar, läuten um 11 Uhr, zum Zeitpunkt des Begräbnisses von Papst Benedikt XVI. in Rom, bistumsweit eine Viertelstunde lang die Glocken.