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Tipps zur Prävention

Vorsicht vor K.O.-Tropfen beim Altstadtfest in Speyer

Endlich kann nach einer zweijährigen Zwangspause das Altstadtfest in Speyer wieder stattfinden! Leider gibt es auch Schattenseiten solcher Feste.

Von 
Frauennotruf Speyer
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Symbolbild © Nicolas Armer

Speyer. Endlich kann nach einer zweijährigen Zwangspause das Altstadtfest in Speyer wieder stattfinden! Sommer, Sonne und laute Musik - das lockt auch dieses Jahr sicher wieder tausende Menschen an, um gemeinsam den Spätsommer zu erleben und laue Sommerabende mit guter Musik und dem ein oder anderen Getränk zu genießen. Leider gibt es auch Schattenseiten solcher Feste: Immer wieder kommt es zu sexuellen Belästigungen und Vergewaltigungen.

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Vor der Corona-Pandemie wandten sich nach dem Brezel- oder Altstadtfest fünf bis zehn Mädchen und Frauen aufgrund eines sexuellen Übergriffs an den Frauennotruf Speyer, die Fach- und Beratungsstelle bei Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt. Nicht selten spielen dabei K.O.-Tropfen eine Rolle. Nun, da Partys und Feste in großem Maße wieder stattfinden können, warnt der Frauennotruf Speyer vor Spiking mit K.O.-Tropfen und ruft zur Vorsicht auf.

Symbolbild © Achim Scheidemann

K.O.-Tropfen: Etwa 15 Minuten nach der Verabreichung setzt die Wirkung ein

Unter K.O.-Tropfen werden verschiedene Substanzen zusammengefasst, die farb-, geruchs- und geschmacksneutral sind und eine bewusstseinstrübende Wirkung haben. Spiking, also die heimliche Verabreichung von Betäubungsmittel in einem Getränk (Drink Spiking) oder mit einer Spritze (Needle Spiking) wird gezielt eingesetzt, um Straftaten - meist sexuelle Übergriffe gegen Frauen - auszuüben. Etwa 15 Minuten nach der Verabreichung setzt die Wirkung ein: Die Opfer werden willen- und wehrlos und sind leicht manipulierbar. Außerdem verursachen K.O.-Tropfen Erinnerungsstörungen.

Oftmals wachen Betroffene an unbekannten Orten auf oder wissen nicht, wie sie dorthin gelangt sind. Die fehlende oder lückenhafte Erinnerung führt anschließend zu großer Verunsicherung, Zweifeln und Scham, weshalb sich Betroffene nur selten direkt jemandem anvertrauen. Sie zweifeln daran, ob ihnen geglaubt wird. Hinzu kommen oft Gefühle von Angst und Ohnmacht.

Hinweise auf eine Verabreichung von K.O.-Tropfen sind u.a.:

Symptome nach K.O.-Tropfen

  • Schwindel, Schweißausbrüche, benebeltes Gefühl („in Watte gepackt“)
  • Übelkeit (häufig mit stundenlangem Erbrechen), Panik- und Angstanfälle nach der Betäubung
  • Schlagartiger Erinnerungsverlust, der nicht durch Alkohol-/Drogenkonsum erklärbar ist
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen (auch noch mehrere Tage nach dem Vorfall)


Diese Tipps können helfen, um sich gegen Drink Spiking (heimliche Verabreichung von Substanzen im Getränk) am Altstadtfest zu schützen:

Tipps um den Missbrauch von K.O.-Tropfen zu vermeiden

  • Nimm kein offenes Getränk von Leuten an, die du nicht kennst
  • Vertraue deinem Gefühl, wenn du dich seltsam fühlst
  • Wenn du dich unwohl fühlst oder dir schlecht wird, sprich Freund:innen oder Personal an Ständen und Buden an
  • Kümmere dich um Freunde, die zu viel getrunken haben
  • Zögere nicht, das Altstadtfest zu verlassen, wenn du dich nicht sicher oder unwohl fühlst
  • Sprich dich mit Freunden ab und achtet aufeinander
  • Misch dich ein, wenn du Drink Spiking beobachtest
  • Rufe im Zweifel die Polizei an und hole Hilfe


Bei allen Sexualverbrechen unter Einsatz von K.O.-Tropfen kann es trotz der gestörten Erinnerung der betroffenen Mädchen und Frauen zu einer Verurteilung des Täters kommen. Alleine die Betäubung einer anderen Person an sich ist strafbar und die nachfolgenden Taten können, gerade wegen des bewussten Einsatzes von Drogen, durch das Gericht als schwerwiegender gewertet werden. Wichtig für eine mögliche Anzeige ist es, möglichst umgehend Blut- und Urinproben sicherstellen zu lassen, da die Substanzen nur für wenige Stunden nachweisbar sind.


Der Frauennotruf Speyer unterstützt betroffene Mädchen und Frauen mit Information und Beratung. Auf Wunsch begleiten wir Betroffene auch bei der Anzeigenerstattung wie auch im späteren Gerichtsprozess. Betroffene müssen ernst genommen und diese Straftaten dürfen nicht verharmlost werden!

Deshalb ist der Frauennotruf Speyer auch der Meinung: "Wenn wir Übergriffe mit K.O.-Tropfen und die damit oft verbundene sexualisierte Gewalt verhindern wollen, müssen wir mehr auf potenzielle Täter einwirken und das strukturelle Problem von Macht und Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen benennen und bekämpfen!"

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