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Im Interview - Marie-Sophie Kröncke und Dominique Stadtler sprechen über die anstehenden Landesmeisterschaften beim Reiterverein Reilingen

Gespanne sorgen für mächtig Spannung

Von 
Volker Widdrat
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Die baden-württembergischen Meisterschaften der Gespannfahrer werden vom 27. bis 29. August beim Reiterverein Reilingen am Sandweg ausgetragen. Wir haben mit Schriftführerin Marie-Sophie Kröncke und Turnierleiter Dominique Stadtler über das Turnier der Ein-, Zwei- und Vierspänner Pony und Pferde gesprochen.

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Wie lange braucht es Vorbereitungszeit für ein Turnier dieser Größenordnung?

Ciara Schubert mit „Energy“ in der Dressur bei den deutschen Jugend-Meister-schaften, Beifahrer ist Georg Schubert, Turnierleiter und zweiter Vorstand des Vereins. © Manuel Held

Marie-Sophie Kröncke: Die ersten Vorbereitungen beginnen bereits ein Jahr vor dem Turnier. Da wird entschieden, was wir veranstalten wollen und ein Termin festgelegt. Ein halbes Jahr davor werden dann die Planungen konkreter. Aus sportlicher Sicht müssen nun Ausschreibungen entworfen und erste organisatorische Dinge besprochen werden, wie Tierarzt, Sanitäter, Hufschmied und Richter. Dafür haben wir sowohl beim Reiten als auch beim Fahren ein Team. Beim Fahren sind unser zweiter Vorstand und Turnierleiter Georg Schubert mit Familie sowie Dominique Stadtler, unser zweiter Turnierleiter, mit Familie voll eingespannt. Ein paar Monate vorher steigt das Wirtschaftsteam rund um unseren Wirtschaftswart Frank Beichel in die Planungen ein, schließlich wollen Zuschauer und Teilnehmer auch verköstigt werden. Ohne Sponsoren geht im Sportbetrieb seit vielen Jahren nichts mehr, daher beginnt zu diesem Zeitpunkt Wochen vor dem Turnier das Anschreiben der Sponsoren. Außerdem finden dann Arbeitseinsätze auf der Anlage statt, um diese in Stand zu setzen. Ein paar Wochen vor den Turnieren beginnen wir, unsere Mitglieder anzuschreiben, wann und wo sie helfen können. In der Regel können wir ab zwei Wochen vor Turnierbeginn dann die Helfer einteilen. Wie gesagt, das ist die Regel, aber dieses Jahr hat uns Corona auf mehreren Ebenen einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht.

Inwiefern?

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Kröncke: Ursprünglich wollten wir unser Fahrturnier in traditioneller Weise wieder im Mai durchführen, da das nicht möglich war und wir nicht erneut verzichten wollten, haben wir uns für eine Verschiebung entschieden. Deshalb liegen Fahr- und Reitturnier jetzt an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden. Durch die Turnierabsage 2020 ist außerdem auf dem Gelände auch eine Menge Arbeit liegen geblieben, die in den vergangenen Monaten erst bewältigt werden musste. Ein Hindernis wurde bereits letztes Jahr erneuert, den Wassergraben haben wir in den vergangenen Wochen noch umgestaltet, unseren Abritt haben wir bepflanzt, unzählige Hindernisse gestrichen und Mäharbeiten durchgeführt. Die Planung mit so vielen Unbekannten macht die Situation nicht einfacher und zusätzliche Auflagen sorgen auch für zusätzlichen Planungsaufwand. Ich glaube ich spreche für alle Beteiligten an der Organisation, dass wir uns freuen, dass das Planen jetzt ein Ende hat und das Ziel in Sicht ist.

Wie ist die Einteilung des Programms an den einzelnen Turniertagen?

Kröncke: Das ist am Fahrturnier immer gleich. Freitag Dressur, Samstag Marathon, Sonntag Hindernis (Kegelfahren). Am Freitag starten wir um 9.30 Uhr mir den Einspänner-Pferde und ab dann kann man bis 18.15 Uhr Dressurprüfungen verfolgen. Am Samstag startet das erste Gespann um 10 Uhr auf die Geländestrecke, das heißt, ab etwa 11 Uhr kann man die Kutschen auf unserem Gelände beim Durchfahren der Hindernisse beobachten, besonderes Highlight hier ist der Wassergraben, den wir für das Turnier blau färben werden. Das wird dann eine besondere Herausforderung für die Gespanne. Den Abschluss bildet das Kegelfahren am Sonntag ab 9 Uhr bis kurz nach vier Uhr, im Anschluss werden dann die neuen Baden-Württembergischen Meister gekürt und auf einer Ehrenrunde bejubelt. Wichtig für die Besucher ist vielleicht noch, dass die Küche täglich um 11 Uhr öffnet und selbstverständlich die beliebten russischen Eier auf der Karte stehen. Wer vor Ort essen möchte, muss sich registrieren. Das ist per Luca und Corona-Warn-App möglich oder mit Anwesenheitsnachweis, den kann man auf unserer Homepage abrufen und ausdrucken, wenn man diesen bereits ausgefüllt mitbringt, spart man Zeit vor Ort. Wer die Anlage nur zum Abholen von Speisen betritt, muss sich nicht registrieren. In der Halle gilt bis zum Sitzplatz Maskenpflicht.

Wie viele Helfer hat der Verein im Einsatz, auf was kommt es besonders an?

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Kröncke: Ich würde sagen um die 50, da geht es uns wie jedem Verein, jede helfende Hand wird gebraucht und wir haben auch ganz viele helfende Hände, die nicht Mitglied sind oder gar nicht mehr aktiv das Gelände nutzen. Das macht das Turnierwochenende besonders. Der ganze Verein kommt zusammen und meistert es gemeinsam, das ist immer wieder schön zu sehen.

Wer nimmt von Seiten des Gastgebers an dem Turnier teil?

Kröncke: Ciara Schubert startet gleich dreimal für unseren Verein. Mit „Lasila“ und „Energy“ bei den Einspänner Pferden und bei den Einspänner Ponys mit „Machu Picchu“, der Lena und Dominique Stadtler gehört, da drückt der Reiterverein also doppelt die Daumen. Mit „Energy“ hätte Ciara es fast zu den Jugend-Europameisterschaften geschafft. Wir sind also sehr optimistisch, dass das aus sportlicher Sicht ein erfolgreiches Wochenende wird.

Was ist das besondere an einem Fahrturnier in Reilingen?

Kröncke: Mehrere Faktoren aus Vereins- und Zuschauersicht vermittelt so ein Fahrturnier immer eine sehr familiäre Atmosphäre. Das liegt zum einen daran, dass die Fahrer meist am Donnerstag anreisen und dann das gesamte Wochenende vor Ort bleiben. Dazu kommt, dass man sich regelmäßig auf Turnieren sieht, das ist dann immer wie ein großes Zusammenkommen an so einem Wochenende. Der Samstag mit dem Marathon ist auch immer besonders, mich fasziniert es, mit welchem Tempo und Wendungen die Hindernisse absolviert werden und die Kutschen dabei in der Spur bleiben. Dominique Stadtler: Aus Fahrersicht ist das Gelände in Reilingen eines der schönsten in Baden-Württemberg, da sehr weitläufig und mit schönen Hindernissen. Von den Fahrern bekommen wir auch immer wieder die Rückmeldung, dass das Essen in Reilingen immer ein Grund ist, wiederzukommen.

Wie viele Gespanne werden in diesem Jahr an den Start gehen?

Kröncke: 55 Gespanne haben genannt, da hatten wir in Reilingen schon ein volleres Fahrerlager. Das liegt allerdings auch an den Gegebenheiten in diesem Jahr. Rund um unser Fahrturnier sind ebenfalls viele große Meisterschaften, da dies im Frühjahr fast nicht möglich war, und der Weltmeister der Pony-Vierspänner, Steffen Brauchle, zum Beispiel kommt uns nur für die Dressurprüfung besuchen, da er zwei Wochen später seinen Titel in Frankreich verteidigen möchte. So ein Turnierwochenende ist für die Pferde auch anspruchsvoll, da sie drei Tage hintereinander jeden Tag eine Prüfung gehen und das Gelände konditionell schon anstrengend ist.

Was sind für den interessierten Zuschauer, der sich mit dem Fahrsport noch nicht so auskennt, die Regeln und Vorgaben dieses Pferdesports?

Stadtler: Der Turniersport im Bereich Fahren gliedert sich in drei Teildisziplinen. Dressur, Marathon und Hindernisfahren. In der Dressur stellen sich Fahrer und Pferd vor. Hierbei geht es unter anderem um die Korrektheit der gefahrenen Dressuraufgabe, Sicherheit in Takt, Anlehnung und Gehorsam des Pferdes und um eine stilsichere Anspannung und Präsentation von Pferd und Fahrer. Diese Punkte werden dann von einem Richterteam beurteilt. Die Gespanne erhalten je nach gezeigter Leistung eine Wertnote zwischen null (schlechteste) und zehn (beste) für die jeweiligen Einzellektionen. Die Summe der einzelnen Lektionen und der Noten für den Gesamteindruck ergibt die erreichte Punktzahl. Der Fahrer mit der höchsten Punktzahl gewinnt die Dressur.

Was genau heißt Marathon?

Stadtler: Der Marathon ist das Highlight eines jeden Fahrturnieres. Denn durch die rasanten und actionreichen Fahrten der Gespanne durch Geländehindernisse zieht er jeden Zuschauer in seinen Bann. In der Marathonprüfung müssen die Gespanne zunächst eine Wegestrecke von zirka fünf Kilometer Länge in den verschiedenen Grundgangarten Schritt und Trab absolvieren, bevor sie dann nach einem Veterinär-Check in die Phase E (Endphase) starten. In der Phase E absolvieren die Gespanne vier bis sieben feste Geländehindernisse. In jedem Hindernis müssen Fahrer und Pferde Tore in der richtigen Reihenfolge durchfahren. Ziel ist es, dies möglichst in der schnellsten Zeit zu tun. Insgesamt ist auch in der Phase E (circa fünf bis sechs weitere Kilometer) ein Zeitfenster mit drei Minuten Toleranz vorgegeben, in dem die Hindernisphase abgeschlossen sein muss. Anderenfalls bekommt das Gespann Strafpunkte. Die Hinderniszeiten eines jeden Fahrers werden am Ende addiert und das Gespann mit der schnellsten Gesamtzeit und den wenigsten Strafpunkten gewinnt den Marathon. Strafpunkte kann man durch Absteigen eines Beifahrers, Umschmeißen der Kutsche, Abwerfen eines Hindernisteils oder Nichteinhalten der korrekten Reihenfolge beim Durchfahren der Tore in den Hindernissen erhalten. Das Hindernisfahren (Kegelfahren) kann als Pendant zu der reitsportlichen Springprüfung gesehen werden. Die Gespanne müssen einen vorgegebenen Parcours aus Kegelpaaren durchfahren. Die Paare stehen je nach Spurbreite der Kutsche und Schwierigkeit der Prüfung unterschiedlich breit auseinander. In den höheren Klassen werden nur etwa zehn bis 15 Zentimeter auf jeder Seite zu der Spurbreite der Kutsche hinzugegeben. Auf jedem Kegel liegt ein Ball, der bei Berührung herunterfällt. Ist das der Fall, erhält das Gespann drei Strafpunkte. Des Weiteren gibt es eine vorgegebene Zeit, in der die Gespanne den Parcours durchfahren haben müssen. Wird diese Zeit überschritten, erhalten die Gespanne jeweils 0,5 Strafpunkte pro angefangene Sekunde. Aus diesen drei Disziplinen (Dressur, Marathon- und Hindernisfahren) ergibt sich dann ein Ergebnis für die sogenannte kombinierte Wertung. Den Grundstein für das Ergebnis in der kombinierten Wertung legt die Dressur, deshalb ist ein gutes Resultat in dieser Teilprüfung für jedes Gespann von großer Bedeutung. Die kombinierte Wertung wird als eigenständige Prüfung angesehen. Es ist Ziel eines jeden Fahrers, in dieser Wertung ein möglichst gutes Resultat zu erreichen, da diese ein Gespann und seinen Fahrer als Allrounder auszeichnet und auch in der Fahrsportszene den höchsten Stellenwert hat. Deutlich wird dies, wenn man betrachtet, dass sämtliche Meisterschaften sich auf die Platzierung in der kombinierten Wertung beziehen.

Welches ist das schwierigste Hindernis des Parcours und warum ist das so?

Stadtler: Eine schwierige Entscheidung, zum einen das Wasserhindernis, das wir dieses Jahr auch neu angelegt haben. Wasser ist für die Pferde immer schwierig, da es eine Gehorsamsprüfung ist. Es können Spiegelungen entstehen und die Pferde können in der Regel den Boden nicht sehen. Aber fast noch schwieriger als das Wasser ist der „Volksbank-Tresor“, hier geht es hoch und runter, das ist für die Pferde sehr anstrengend, dazu kommen enge Wendungen und die Fahrer müssen dabei mit ihren Beifahrern noch dafür sorgen, dass die Kutsche nicht umkippt.

Freier Autor Volker Widdrat ist freier Mitarbeiter.

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