Im Interview - Der Sportliche Leiter Mikayil Kabaca gibt Einblicke in die Personalplanungen beim Fußball-Zweitligisten SV Sandhausen „Wir werden jede Position doppelt besetzen“

Von 
Maximilian Wendl
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Gut gelaunt geht Mikayil Kabaca (Bild) an sein Handy. „Nach Siegen geht es mir immer gut“, sagt der Sportliche Leiter des Fußball-Zweitligisten SV Sandhausen und denkt dabei an die jüngste Serie von drei Siegen nacheinander. An dieses Gefühl könnte sich Kabaca gewöhnen, aber am Freitagabend kommt Spitzenreiter Arminia Bielefeld an den Hardtwald (Anpfiff: 18.30 Uhr). Im Interview spricht der 43-Jährige über die wegen der Corona-Pandemie durcheinandergewirbelte Kaderplanung und die Gründe für den sportlichen Aufschwung.

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Innerhalb kürzester Zeit hat sich der SV Sandhausen aus einer Krise befreit und steht nach 30 Spieltagen unmittelbar vor dem Klassenerhalt. Herr Kabaca, wie ist die aufsteigende Formkurve zu erklären?

Die Situation

Die Verträge laufen aus: Leart Paqada, Philipp Klingmann, Jesper Verlaat, Tim Kister (alle Abwehr), Markus Karl, Erik Zenga, Emanuel Taffertshofer (alle Mittelfeld).

Diese Verträge werden nicht verlängert: Rúrik Gíslason.

Diese Spieler haben bereits einen neuen Verein: Roman Hauk (FC-Astoria Walldorf).

Mikayil Kabaca: Die Systemumstellung ist sicherlich ein Grund dafür. Die drei gelernten Innenverteidiger strahlen eine gewisse Sicherheit aus und es spielt sich auch leichter, wenn man weiß: Hinter mir ist noch ein Mitspieler, der denn Ball im Notfall ablaufen kann. Aber alles nur darauf zu schieben, wäre zu einfach. Es sind viele Spieler auf dem Feld, die während des Negativlaufs auch schon gespielt haben. Wir treten inzwischen sicherer auf und kommen damit zum Erfolg.

Dank der Serie steht der SVS kurz davor, die 40-Punkte-Marke zu durchbrechen. Genügt ein weiterer Zähler tatsächlich, um ganz sicher in der Liga zu bleiben?

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Kabaca: Ich gehe davon aus, dass wir dann gerettet wären. Man soll zwar niemals nie sagen, aber aufgrund der Konstellation müsste es eigentlich reichen. Viele Mannschaften, die hinter uns in der Tabelle liegen, spielen noch gegeneinander und nehmen sich gegenseitig die Punkte weg. Dennoch wollen wir am Freitagabend gegen Bielefeld die letzten Zweifel beseitigen und am liebsten drei Punkte einfahren.

Die Mannschaft scheint sich an die Geisterspiele gewöhnt zu haben.

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Kabaca: Anfangs war es natürlich schon eine Umstellung. Die Mannschaft hat sich zum Teil schon im Hotel umgezogen und kam vor dem Spiel nur kurz noch einmal zurück in die Kabine, um Lockerungsübungen durchzuführen oder das Trikot anzuziehen. Aber die Spieler haben die Situation angenommen. Für mich persönlich kann ich sagen, dass ich alles drumherum ausblende und die leeren Ränge gar nicht wahrnehme, wenn der Schiedsrichter anpfeift. Auch die Mannschaft nimmt die Situation professionell an und man merkt in den intensiv geführten Zweikämpfen nicht, dass wir ohne Zuschauer spielen.

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Durch die Unterbrechung hängen viele Vereine in Bezug auf die Personalplanung hinterher. Die Verträge laufen zum 30. Juni aus. Wie hat sich der Transfermarkt durch die Corona-Krise verändert?

Kabaca: Im Vergleich zu den Vorjahren ist bisher nur ein Bruchteil der Transfers über die Bühne gegangen. Für alle Clubs bringt die Krise große Veränderungen mit sich. Man muss schauen, welche Spieler auf dem Markt sind. Wir haben die Gespräche bislang auf Eis gelegt und sind vorsichtiger geworden, aber in Absprache mit dem Trainerteam und Präsident Jürgen Machmeier werde ich sie bald wieder aufnehmen.

Das heißt, in den vergangenen Wochen gab es keine Gespräche?

Kabaca: Nur lose.

Die Abgänge von Rúrik Gíslason (Ziel offen) und Roman Hauk (FC-Astoria Walldorf) stehen bereits fest. Mit Rick Wulle wurde verlängert, aber darüber hinaus laufen die Verträge von sieben weiteren Spielern aus – darunter Leistungsträger wie Leart Paqarada, Tim Kister und Emanuel Taffertshofer. Haben Sie das Gefühl, dass die Zeit davonrennt?

Kabaca: Nein. Die aktuelle Situation aufgrund der Corona-Krise ist so, wie sie ist. Wir sind im Zeitplan, alles hat sich nur etwas nach hinten verschoben. Dass die Spieler inzwischen auf einem konstant hohen Niveau spielen, freut mich. Sie zeigen, was wir von ihnen erwarten und ich kann nur so viel sagen, dass wir die Gespräche demnächst fortführen werden und zu gegebener Zeit etwas vermelden werden. In einer schlechten Ausgangslage befinden wir uns definitiv nicht.

Wo sehen Sie denn aktuell die größten Baustellen?

Kabaca: Wenn ich mir den Kader anschaue, dann gibt es schon noch die eine oder andere Lücke. Zum Beispiel sah unsere taktische Ausrichtung vor der Saison vor, dass wir mit nur einem Stürmer in die Spiele gehen. Inzwischen starten wir meistens mit zwei Spitzen. Deswegen planen wir, den Angriff aufzustocken. Aber auch hier werde ich keine Namen kommentieren, wir beobachten den Markt und werden jede Position doppelt besetzen.

Zum Abschluss noch ein Blick auf den kommenden Gegner: Arminia Bielefeld steht zwar ganz oben, konnte zuletzt aber nicht mehr ganz so befreit und erfolgreich antreten. Was macht die Ostwestfalen so stark?

Kabaca: Dort wird sensationelle Arbeit geleistet. Sie stehen zurecht ganz oben. Nichtsdestotrotz wollen wir am Freitagabend den Klassenerhalt klarmachen. Im Hinspiel waren wir nahe dran, sie zu besiegen. Am Ende stand es 1:1. Ich gönne ihnen den Aufstieg, aber am Freitag wollen wir ein gutes Spiel abliefern, punkten und die letzten Zweifel beseitigen. Bild: svs

Redaktion Maximilian Wendl ist freier Mitarbeiter vor allem im Bereich Sport. Er betreut unter anderem den SV 1916 Sandhausen (Fußball), die Kurpfalz-Bären (Frauenhandball) und die HG Oftersheim/Schwetzingen (Männerhandball). Außerdem ist er Experte für Motorsport.