Akustik im Jagdsaal inakzeptabel

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Zum Artikel „Mitreißende Kraft in wohliger Idylle“ zum Schwetzinger Mozartfest (SZ-Ausgabe vom 27. September) wird uns geschrieben:

300 Kilometer sind meine Frau und ich von Krefeld nach Schwetzingen gefahren, um einmal das hoch renommierte Trio Wanderer live im Konzert erleben zu können. Die Vorfreude war riesig, nicht zuletzt wegen des Programms. Und dann dies: Der Jagdsaal des Schlosses erweist sich als völlig ungeeignet, die Akustik ist viel zu hallig, verstärkt gerade im dargebotenen Schumann-Trio die expressiven Ausbrüche dynamisch ins Unerträgliche. Das Spiel der drei Herren gerät so ungeschlacht, brutal, barbarisch, schlicht unkultiviert. Die dynamische Bandbreite reicht lediglich von mezzoforte bis zum drei-, vielleicht sogar vierfachen forte. Offenkundig lautet die Devise: sempre con tutta forza. Coqs Anschlagskultur am Flügel wird direkt auf des Hörers Ohr gelenkt, ohne durch schallabsorbierende Elemente im Saal gemildert zu werden und zu einem homogenen Klangbild mit den beiden Streichern zusammenzufinden. Pidouxs herrlich sonores Gioffredo Cappa-Cello aus dem Jahre 1680 geht im Klangbrei einer sich gegenseitig stimulierenden Akustik unter. Von einer kompositionserhellenden Klangbalance zwischen den Instrumenten kann keine Rede sein. Offenbar hat die Gattung „Klaviertrio“ heute einen neuen „Feind“: War es früher das wohltemperierte Klavier – ein Graus für jeden Streicher , ist es wohl nunmehr die Spezifik des Aufführungsortes.

Es wäre dringend an der Zeit, dass sich ein Akustiker – es muss ja nicht unbedingt der Japaner Toyota sein – des Problems des Raumes annimmt, um der Überakustik Herr zu werden. So, wie die Wanderers an diesem Abend spielten, kann man in der Kölner Philharmonie, in der Alten Oper in Frankfurt oder in der Düsseldorfer Tonhalle, die alle ihre anfänglichen akustischen Probleme längst zufriedenstellend gelöst haben, musizieren, nicht aber in Schwetzingen. Aber auch dem Ensemble selbst kann man den Vorwurf nicht ersparen, dass es sich um die örtlichen akustischen Besonderheiten nicht gekümmert und ein Einspielen entweder unterlassen oder zu kurzfristig anberaumt hat.

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Ein Termin beim „Klatri Tüv“ (Klaviertrio-Tüv) ist somit nahezu unausweichlich. Darum kann die Konsequenz aus einem solchen Desaster nur lauten: Schwetzingen ade, bis die Verhältnisse sich grundlegend geändert haben.

Dr. Helmut Nobis, Krefeld