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E-Mobilität viel zu einseitig betrachtet

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Zum Artikel „Sackgasse Elektromobi-lität“ in der SZ-Ausgabe vom 18. August wird uns geschrieben:

Dieser Beitrag ist derart einseitig, dass er nicht unwidersprochen bleiben darf. Mit diesem plakativen Titel insinuiert der Autor meines Erachtens dem Leser, weiter auf die Verbrennertechnik zu setzen. Völlig außer Acht lässt er dabei das Potenzial der E-Mobilität. Hätte man beim Verbrenner gewartet, bis die immer noch unvollständige Abgasreinigung (Stichwort Thermofenster) auf dem heutigen Stand ist, hätte es den Erfolg des Automobils gar nicht gegeben.

Als einzige Alternative bietet er am Ende nur den weiteren Ausbau des ÖPNV an. Dabei lässt er außer Acht, dass der Ausbau der betreffenden Infrastruktur schon heute an ihre Grenzen kommt: siehe unter anderem das 9-Euro-Ticket, zunehmende Proteste gegen neue Trassen, mehr Störanfälligkeit durch weitere Vernetzung, Probleme in ländlichen Regionen bei den Taktzeiten.

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Sackgasse Elektromobilität

Veröffentlicht
Von
Stefan Kern
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Aufgrund der schlechten Energiebilanz „Well to wheel“ und der gewaltigen Umweltschädigung (Ölförderung Nigeria, Tanker- und Bohrinselunglücke, Abhängigkeit von Autokraten und so weiter) bei den fossilen Energieträgern führt kein anderer Weg an der insbesondere batteriegestützten E-Mobilität vorbei. Interessanterweise lässt er in seinem Beitrag die Wasserstoff- und Brennstofftechnologie außer Betracht. Weiß er um die noch viel größere Problematik, wie miserable Energiebilanz bei Erzeugung, Transport und Umwandlung?

Aber nun zu den einzelnen Argumenten des Autors: Natürlich darf als Argument gegen die E-Mobilität der beliebte Hinweis auf die Kinderarbeit im Kongo nicht fehlen. Der Großteil (zirka 80 Prozent) der Elemente Lithium und Co. – „seltene Erden“ – geht aber bis heute nicht in die E-Mobilität, sondern in die Kommunikationselektronik, wie zum Beispiel Smartphones, Notebooks, auch Windenergieantriebe und so weiter.

Dabei wird längst an Alternativen für diese Metalle gearbeitet und diese werden bereits angeboten: zum Beispiel fremderregte Motoren ohne „seltene Erden“. Lithium gibt es auch im Rheingraben, es gibt cobalt-freie Lithium-Eisenphosphat-Akkus, Ersatz von Lithium durch Natrium. Viele weitere positive Beispiele lassen sich aufzählen. Die ersten Batterien hatten noch 100 Prozent Cobaltoxid als Speichermedium im Pluspol, um 2000 waren es nur noch zirka 30 Prozent, dann 20 Prozent. Bei Tesla sollen es heute nur noch 2,8 Prozent sein.

Im E-Mobil ausgediente Batterien können in ihrem zweiten Leben als Stützspeicher für nicht regelmäßig verfügbare „Erneuerbare“ dienen. Nicht zu vergessen, die Rückgewinnung von Bremsenergie durch Rekuperation, das heißt auch weniger Staub durch Bremsbeläge. Selbst bei unserem heutigen Strommix ist E-Mobilität hinsichtlich Klimaneutralität dem Verbrenner überlegen, unzählige seriöse Studien beweisen das.

Wenn er die durchaus nötige Mobilitätswende anspricht, vergisst er zu erwähnen, dass der ÖPNV zunehmend auf Busse und Bahnen mit batteriegestützten Antrieben umschaltet, um den innerörtlichen Betrieb lärm- und abgasfrei zu gestalten. Auch dafür muss die Infrastruktur geschaffen werden, das heißt leistungsfähige Ladestationen.

Natürlich ist klar, dass man bald acht Milliarden Erdenbürger nicht auf das Energieverbrauchsniveau der hoch industrialisierten, überwiegend nördlichen Länder anheben kann, die ihrerseits wichtige energieaufwendige Hightechprodukte herstellen und in alle Welt liefern.

Diesbezüglich steht die Menschheit mit dem Rücken an der Wand.

Dr. Arno Neidig, Plankstadt

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