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Eine Linde und ihre Geschichte: Inspiration für eine Gedenkstätte

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Zum landesweiten Projekt, bei dem Ehrenamtliche auch im Rhein-Neckar-Kreis helfen sollen, Kleindenkmale zu erfassen, erreicht uns dieser Brief aus Oftersheim:

Denkmäler in den einzelnen Gemeinden sind zurzeit im Gespräch und auch die Bürger sind aufgerufen, sich an solche Fixpunkte in der Gemeinde zu erinnern beziehungsweise sie gegebenenfalls anzuzeigen.

Für uns in Oftersheim sind das „Herzogkreuz“ und der „Kuhbrunnen“ die bekanntesten Namen, die jeder kennt, wenngleich nicht jedem deren Standort geläufig ist.

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Von Markus Bürger
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Noch so ein geschichtsträchtiges Kleinod – leider etwas verwaist – ist die Linde auf dem Franz-Schubert-Platz gleich neben dem Restaurant „Elea“ (ehemals Gasthaus „Zur Neuen Welt“). Dieser Baum wurde einen Tag nach der Währungsumstellung von Reichsmark auf Deutsche Mark am Montag, 22. Juni 1948, gepflanzt.

An diesem Tag beobachteten wir Kinder von unserem Badeplatz am Leimbach aus drei Männer, die bei größter Hitze auf dem ehemaligen Horst-Wessel-Platz, heute Franz-Schubert-Platz, fluchend mit Pickel und Schaufel ein Loch gruben. Neugierig liefen wir hin, als sie gerade für uns damals einen großen Baum in das frisch ausgehobene Loch stellten. Ein plötzlich losbrechendes heftiges Gewitter ließ die Männer dann in das Haus vom Bauunternehmer Straub und uns auf die überdachte Treppe vom Fahrradhändler Limbeck fliehen.

Ob die eintretende Kälte die Ursache für unsere Gänsehaut war oder wir sie als schlechtes Omen für unser neues Geld bekamen, kann ich heute nicht mehr sagen. So wie sich die Deutsche Mark entwickelt hat, kann sie vom Letzteren nicht gewesen sein.

Da es zu dieser Zeit noch keinen Bauhof in den heutigen Dimensionen gab, vermute ich stark, dass es Bauarbeiter von Herrn Straub waren, die diesen Baum im Auftrag der Gemeinde pflanzten.

Die ersten Jahre stand diese Linde auch einfach so herum, bis dann nach einigen Jahren dieser Platz etwas manierlicher hergerichtet wurde. Herrn Straub wurde es über die Jahre schon fast zur Verpflichtung, diese Linde über die Jahre ständig mit Wasser zu versorgen.

Mittlerweile ist an dieser Stelle ein stattlicher Baum herangewachsen und heute kann man sich diesen Platz ohne diese herrliche Linde nicht mehr vorstellen.

Die ganze Anlage mit dem Rondell und den angrenzenden Parkplätzen ist aber auch innerörtlich sehr gut gelöst.

Doch scheinbar betrübt, schüttelt sie immer mal wieder ihr Blätterhaupt über die Veränderungen, die sich in den zurückliegenden 75 Jahren in ihrem Umfeld ergeben haben.

Da ist das jetzige Restaurant „Elea“, das immer mal wieder seinen Besitzer wechselt. Das Gasthaus Rondell, das ohne seine Anne auch nicht mehr sein sollte, aus dem Einzelhändler Hecht wurde ein Laden für den Verkauf von Pokalen, der Fahrradhändler Limbeck wurde zum Frisörsalon. Die Lebensmitteleinzelhändlerin Hähnle und das Textilhaus Uebelhör sind genauso verschwunden wie verständlicherweise auch unser ach so geliebter Badeplatz. Vielleicht spielt mir auch nur die Erinnerung einen Streich.

Nach diesen vielen Veränderungen, die die Zeit mit sich bringt, kann ich mir im Sinne einer Ortsentwicklung weitere Neuerungen in diesem Bereich durchaus gut vorstellen. Zum Beispiel eine Sitzbank um die Linde, die uns Ältere zur Ruhe einlädt und die Jüngeren an ihre Work-Life-Balance erinnert. Dazu eine Schautafel über die Geschichte dieses Platzes, über den von mir aufgezeigten Zeitraum hinaus, würde diesen Bereich aufwerten und würdigen. Vor allem würde verhindert werden, dass in Zukunft dieser Platz als Lager von Baumaterial verschandelt wird.

Stattdessen wäre eine weitere Oftersheimer Gedenkstätte, in diesem Falle – an die Gründungsphase des Nachkriegsdeutschlands – geschaffen.

Robert Dietz, Oftersheim

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