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Bundestagswahl - Zwischen Skandalen und Entscheidungsarmut geben die politischen Kräfte bei kritischen Wählern kein gutes Bild ab Flagge zeigen und wählen gehen!

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Nach wie vor setze ich mich mit aller Kraft dafür ein, dass der 8. Mai – der Tag der Befreiung vom Naziterror – endlich zum Gedenkfeiertag wird. Die Gründe dafür habe ich bereits in Leserbriefen dargelegt.

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Als immer noch unentschlossener Wähler schrieb ich im August unsere hiesigen Bundestagskandidaten im Wahlkreis 278 an, um herauszufinden, wie sie persönlich beziehungsweise ihre Fraktionen derzeit zu dieser Thematik stehen. Meine in der E-Mail gestellte Frage lautete: „Gegen das Vergessen: Warum ist der 8. Mai – der Tag der Befreiung vom Naziterror – nicht schon längst zum Gedenkfeiertag erklärt worden? Wer oder was verhindert das?“ Das Ergebnis ist mehr als niederschmetternd, erschreckend und ernüchternd zugleich. Um nicht zu sagen, eine herbe Enttäuschung. Von den insgesamt fünf angeschriebenen Bundestagsbewerbern haben sage und schreibe zwei geantwortet: Nicole Heger (Grüne) und Nezahat Yildirim (SPD). An dieser Stelle vielen Dank dafür.

Wie soll ich mit der Art, wie man mit einem möglichen potenziellen Wähler einer dieser Parteien umgeht, bewerten? Einfach darüber weggehen. Ignorieren. Oder mir die Frage stellen, ob ich als Wähler überhaupt noch ernst genommen werde? Ist mein Anliegen zu unbedeutend, unsinnig, töricht oder Pipifax? Bin ich es als Bürger nicht wert, eine Antwort auf meine Frage oder zumindest eine Rückmeldung, ob meine E-Mail im Wahlbüro eingegangen ist, zu bekommen? Vielleicht scheuen sich die Kandidaten oder ihre Parteien die Wahrheit zu sagen, um möglicherweise „ihre“ Wähler zu halten, sie nicht zu verlieren oder zu vergraulen.

Frei nach dem Motto: Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen? Gerade in Wahlkampfzeiten wäre es doch angebracht, Bürgernähe zu zeigen und Anliegen, Sorgen, Nöte, aber auch Anregungen der Staatsangehörigen ernst zu nehmen. Da nützen die ganzen Triells oder Wahldiskussionssendungen im Fernsehen wenig. Es schleicht sich das unangenehme Gefühl ein, dass sich die Politik immer mehr von der Realität und somit von uns Wählern entfernt.

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Möglicherweise bin ich nicht der Einzige, der von in seinem Wahlkreis vertretenen Bundestagskandidaten enttäuscht wurde. Es bleibt festzuhalten: So geht man mit mündigen Bürgern nicht um! Dieses ignorante Verhalten fördert Politikverdrossenheit, lässt den Einzelnen ratlos zurück, bietet Verschwörungstheoretikern Raum für die wildesten und widersinnigsten Spekulationen und Fakes, bestärkt Nichtwähler in ihren Argumentationen und festigt die Position antidemokratischer Kräfte. Leider hat das, zumindest ein Teil der Parteien noch nicht verstanden!

Immer wieder fordert die Politik die Menschen auf, sich aktiv am politischen und gesellschaftlichen Geschehen zu beteiligen. Dann sollte sie auch entsprechend handeln. Gerade wenn es um das konstruktive Einbringen von Ideen und das Mitgestalten der Bürger zum Wohle unseres Landes geht, sollte jeder Abgeordnete beziehungsweise jede Fraktion dem Bürger gegenüber den erforderlichen Respekt entgegenbringen und ihm das nötige Gehör verschaffen. Hier ist Empathie gefragt, die heute vielen Mandatsträgern fehlt. Das macht die Politik statisch, statt lebendig. Das wiederum erzeugt Frust, Unverständnis und hält viele Bürger davon ab, sich gerade in gesellschaftspolitischen Fragen zu engagieren und sich einzubringen. Gerne sehnt man sich in die Zeiten zurück, als das Gros der im Bundestag vertretenen Abgeordneten aus „normalbürgerlichen“ Verhältnissen stammte, die Probleme der Bürger im Vordergrund standen und man nach pragmatischen, bürgernahen und verständlichen Lösungen suchte.

Die heutige Politik gestaltet sich indes anders. Liegt es daran, dass die Sprache der Politik eine andere geworden ist und weniger verstanden wird. Das Vertrauen in die Politik durch viele Skandale immer mehr schwindet, und dass sich die Bürger nicht mehr verstanden, wahrgenommen oder gar verschaukelt fühlen? Lassen die Parteien in ihren eigenen Reihen zu viel Undemokratisches zu, ohne zu handeln? Und werden wir vielleicht von zu vielen Akademikern und Politikwissenschaftlern vertreten als von „bodenständigen“, empathischen Abgeordneten? Fragen, die zum Nachdenken Anlass geben sollten.

Sei es wie es ist. Selbst die von mir negativ gemachte Erfahrung wird mich nicht davon abhalten, am 26. September Flagge zu zeigen und wählen zu gehen. Schließlich ist es mir nicht egal, was aus unserem Land wird. Der Kreis der für mich möglichen Wählbaren wurde indes übersichtlicher. Mein Appell an alle noch Unentschlossenen und möglichen Wahlgegnern: Geht wählen, auch wenn ihr noch so gefrustet, genervt oder gar den Glauben an die Politik verloren habt. Nur so könnt ihr euren Wählerwillen zum Ausdruck bringen und Einfluss auf die Politik nehmen. Es geht schließlich um unsere gemeinsame Zukunft.

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Thomas Proft, Schwetzingen

Gibt’s danach noch was Positives

Ein Großteil der Wähler erwartet, dass die angepriesenen Wahlversprechen unserer Politiker eingelöst werden – beziehungsweise zeitnah den Bürgern, Familien und vor allem der Jugend in unserem Lande eine gewisse Sicherheit für die Zukunft in Aussicht stellt. Wenn wir aber die vergangenen vier Jahre der Großen Koalition und Opposition Revue passieren lassen, kommen doch berechtigte Bedenken und Zweifel auf. Es war nicht alles, aber vieles, was man hätte besser machen müssen und auch können.

Die Besetzung der Ministerien alleine sind schon Kritikpunkte genug. Da verweilt Andreas Scheuer in seinem Amt, versenkt hunderte Millionen, kann sich vor einem notwendig gewordenen Untersuchungsausschuss an gravierende Entscheidungen selten oder gar nicht erinnern. Jens Spahn kauft für Millionen, nicht ganz eigennützig, FFP2-Masken ein, ohne vorher die Gebrauchsfähigkeit zu prüfen. Diese werden jetzt nach Unbrauchbarkeit vernichtet! Alle weiteren Tätigkeiten, Äußerungen und Festlegungen dieses Ministers während der Pandemie erspare ich mir am besten.

Dass die Pandemie uns alle gebeutelt hat, steht nicht zur Diskussion. Aber wie die Politiker in dieser Sache rumeiern, ist negativ erwähnenswert. Wichtiges, wie Entlüfter für die Schulen, Konzepte für den Unterricht, Digitalisierung, Maske auf, Maske runter, setzen die Menschen selbst in Angst und Schrecken. Keine klaren „Befehle“, die die Bevölkerung versteht und auch einsieht und ausführt. Immer wird alles umgemünzt in Ländersache; somit hat man sich in Berlin einer unangenehmen Sache erledigt und die Schuldzuweisung ist einfacher.

Peter Altmaier reiste als Wirtschaftsexperte in die USA, um sich mit den „Großen“ zu besprechen. Was die Amerikaner über ihn, nach dessen Abreise aber protokollierten, war nicht „expertenreif“. Auch unsere Wirtschaft ist nicht unbedingt hocherfreut über diesen treuen Merkel-Politiker.

Der allgemeine Tenor noch zu Armin Laschet: Hier bergen sich schon im Anfangsteil seines Namens die Flexibilität beim Auftritt in der Öffentlichkeit und seine Überzeugungskraft bei den Wählern!

Viel Leid mussten und müssen die Afghanen ertragen, auch wenn man sie während der Kriegsphase als Hilfskräfte dringend benötigte, einsetzte und Versprechungen machte, und dann nach Abzug der westlichen Truppen ihrem (vielleicht tödlichen) Schicksal überließ. Da komme ich auf die „Verteidigungsexpertin“ Annegret Kramp-Karrenbauer, die es nicht für nötig fand, die ersten Bundeswehr-Rückkehrer auf dem Flugfeld zu begrüßen, es gab bestimmt Wichtigeres zu tun an diesem Tag. Absolute Fehlplanung!

Aber da gibt’s ja noch Heiko Maas, der jetzt mit gefüllten Geldkoffern um Afghanistan herumreist, um Aufnahme der Flüchtlinge bittet und dies mit viel Geld erreichen will. Seine Aussagen am Mikro hören sich wie die Nachrichten von Radion Eriwan an: „Im Prinzip ja, aber!“

Dann ist ja noch Kanzleramtskandidat Olaf Scholz im Gremium. Ein Mann, der als Erster Bürgermeister von Hamburg schon aufgrund seiner „Leistungen“ (Chaos beim G20-Gipfel, CumEx, Bankentreue, Wirecard-Skandal, Erinnerungslücken) weggelobt wurde und sich heute, ohne jegliche Verantwortung, noch zum Kanzler küren lassen will. Charakter wird scheinbar in diesen Reihen ganz klein geschrieben.

Eigentlich trügt der Eindruck über diese politische Mannschaft nicht, es wird eventuell erst gehandelt, wenn ein Problem zum Problem wurde. Und wo bleiben die Konsequenzen für die laienhafte Ausübung in den höchsten Ämtern?

Wo ist unsere frühere Außendarstellung geblieben, auf die wir Deutsche immer stolz sein konnten? Heute werden Ideen und Handlungen von anderen Staaten (Skandinavien, Niederlande, Belgien, Frankreich) nachgeahmt, weil eigenes Denken zu strapaziös wurde.

Hier komme ich auf Angela Merkel. Überall anerkannt für ihre humanitäre „Geschäftsführung“, aber leider nicht in der Lage, die Unfähigkeit der eingesetzten Minister zu erkennen und dann auch zu entlassen. Da kommt mir der Spruch „Weiter so“ ins Gedächtnis. Sogenannte Gegner (Alexander Dobrindt, Ursula von der Leyen) hat sie anderweitig in Beschäftigung versetzt. Ich frage mich nur nach all diesem Desaster, was der Eid „Schaden vom Volk abzuwenden“ noch für eine Wirkung hat. Das persönliche Ego ist wohl das Wichtigste. Angela Merkel wünsche ich eine geruhsame, stressfreie Pensionszeit!

Nicht auszumalen, was auf unsere Kinder, Enkelkinder und Urenkel noch alles zukommt. Ein reiches und doch so armes Land! Vielleicht sollte man – obwohl ich es eigentlich nicht gerne tue – über die Worte eines Narzissten aus Amerika nachdenken: „Germany first!“ Wolfgang Dobberstein, Plankstadt

Böhmermann und Wikipedia

Die Aussage des Bundestagskandidaten Jonas Fritsch, wonach „Wikipedia keine verlässliche Quelle“ sei, lässt leider eine profunde Unkenntnis über die von Millionen von Autoren weltweit großteils ehrenamtlich in knapp 300 Sprachen erstellte Internet-Enzyklopädie erkennen.

Es ist zwar richtig, dass jeder, der etwas dazu beitragen möchte, dies auch tun kann. Es gibt aber eine Belegpflicht, das heißt, es muss nachgewiesen werden, aus welcher Quelle eine eingestellte Information stammt. Und es gibt Kontrollmechanismen, die dafür sorgen, dass Unfug, Unwahres oder Unbelegtes zügig, insbesondere in Artikeln mit aktuell höherem Interesse, entfernt werden.

Die in der Sendung von Jan Böhmermann angesprochene Löschung des Abschnittes zu den Verbindungen von Olav Gutting (MdB) zum autokratischen Regime in Aserbaidschan, die durch mehrere Quellen nachgewiesen war, hatte nur wenige Stunden Bestand. Da sie von einem neu angemeldeten Bearbeiter vorgenommen worden war, musste sie vor Veröffentlichung überprüft werden, und diese Kontrolle überstand sie nicht. Das bedeutet, sie war nur für bei Wikipedia angemeldete Besucher des Artikels sichtbar, versehen mit dem Hinweis „ungesichtet“ – das heißt ungeprüft.

Olav Gutting war auch gut beraten, sich zu diesem Bericht in den Medien aktuell nicht zu äußern. Die am späten Freitagabend gesendete Folge des ZDF-Magazins „Royal“ dürfte einen recht überschaubaren Zuschauerkreis gehabt haben. Somit konnte er den nach einer US-amerikanischen Schauspielerin benann-ten „Streisand-Effekt“ vermeiden, wonach ungeschicktes Vorgehen gegen eine wenig bekannte Tatsache diese erst recht (erneut) in die Öffentlichkeit gelangt.

Götz Junk, Schwetzingen

Klimawandel ohne „Weiter so“

Ich selbst habe als Wähler nie Angela Merkel meine Stimme gegeben. Dennoch habe ich sie geschätzt und respektiert, weil sie meiner Wahrnehmung nach die richtigen Werte vertrat. Ich stand und stehe voll hinter ihrem „Wir schaffen das“. Auch in der Corona-Krise hatte ich den Eindruck, dass sie häufig mehr Weitblick hatte, als viele der Länderchefs um sie herum. In den sozialen Medien teilt Ruprecht Polenz von der CDU daher auch gern eine Statistik, die zeigt, dass in den vielen Jahren der CDU-SPD-Bundesregierung die Zufriedenheit der Bürger in Deutschland gestiegen ist. Es wird von unterschiedlichsten Politikern auch gern darauf verwiesen, dass viele Länder deutlich schlechter durch die Corona-Krise gekommen sind als Deutschland. All dem stimme ich zu, aber es hat seinen Preis.

In all den Jahren hat man die Zufriedenheit der Bürger unter anderem dadurch erreicht, dass man die absehbaren Folgen des Klimawandels beschwichtigt, aber die notwendigen, einschneidenden Maßnahmen vermieden hat. Haben Sie, wie ich, 2006 den Film „Eine unbequeme Wahrheit“ des ehemaligen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Al Gore gesehen?

Wir alle haben seit vielen Jahren gewusst, dass dringend etwas zu tun ist, aber es war bequemer und angenehmer nichts zu machen. Durch das jahrelange Zögern weltweit, aber eben auch in Deutschland, muss nun sehr viel sehr schnell getan werden, um die Klimaerwärmung auszubremsen und sich auf Extremwetterereignisse vorzubereiten. Das Dumme ist nur, dass insbesondere die ärmsten Menschen in der Bevölkerung am stärksten unter dem Klimawandel leiden werden, da sie sich keinen schattigen Garten mit Pool oder ein voll klimatisiertes Haus mit kühlem Keller leisten können.

Die Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Mitte Juli mit ihren geschätzten Kosten von 30 Milliarden Euro hat klar gezeigt, was uns alle der Klimawandel kosten kann, wenn die Häufigkeit und die Intensität der Extremwetterereignisse steigen, wie es von den Wissenschaftlern des Weltklimarates vorhergesagt wird. Die vielen toten Fichten in Harz und Schwarzwald sowie die Ernteausfälle in den letzten Jahren geben ebenfalls einen Vorgeschmack, worauf man sich einstellen muss. Wenn man sich die vielen Wahlprognosen nach Altersgruppen aufgeschlüsselt anschaut, sieht man, dass die jüngeren Menschen erkannt haben, dass sich dringend etwas in der Politik ändern muss und dass es kein „Weiter so“ geben darf.

Bezüglich der deutschen Afghanistan-Politik hatte André Wüstner, Vorsitzender des Bundeswehrverbandes, kürzlich in den Tagesthemen der aktuellen Bundesregierung ein „bedingt strategiefähig“ attestiert. Thomas Reichart vom ZDF kam in der Sendung „Inside PolitiX“ vom 26. August zum Thema Afghanistan-Abzug zu einem sogar noch härteren Urteil und sah Parallelen zu Themen wie dem Klimawandel und der Digitalisierung. Laut Reichart hat die aktuelle Regierung ohne Weitblick und Vision agiert und ist erst in Aktionismus verfallen, als es fast zu spät war und man dringend handeln musste. Die späten, zögerlichen, aber dafür sehr langen Corona-Lockdowns gehören für mich in dieselbe Kategorie.

Spätestens die Corona-Krise hat offengelegt, wie sehr Deutschland bezüglich der Digitalisierung einschließlich der im Bildungswesen hinterherhinkt. Wie wir kürzlich durch die Medien lernen durften, fällt Deutschland in Bezug auf Digitalisierung auf den vorletzten Platz Europas. Nicht nur beim Klimawandel fehlte der aktuellen Bundesregierung der Weitblick, der Mut und die Konsequenz – auch beim Thema Digitalisierung. Dass ein vorletzter Platz in Europa in einer digitalen Welt einen Wettbewerbsnachteil darstellt, sollte offensichtlich sein. Daher sehe ich bei der aktuellen Regierung nicht die viel beschworene Wirtschaftskompetenz. Auch bei der Digitalisierung gilt, es trifft insbesondere die Menschen mit geringen Einkommen, die ihre Kinder nicht auf volldigitalisierte Privatschulen schicken können oder sich, wenn überhaupt, nur auf dem Land ein Haus leisten können, wo es oft keinen Breitbandanschluss und kein schnelles Mobilfunknetz gibt.

Vieles kann jeder einzelne in die Hand nehmen und der Markt regeln, aber eben nicht alles. Ich kann mir ein E-Bike kaufen und auf Bus und Bahn umsteigen, um CO2 einzusparen. Ohne die Politik wird es aber keine Radschnellwege, keine dedizierten Busspuren auf Straßen und keine zusätzlichen Schienen geben, die diese alternativen Verkehrsmittel auch effizient und zuverlässig und somit für eine breite Bevölkerung akzeptabel machen. Auch den Breitbandausbau bis in die Dörfer und Randgebiete hinein wird man nicht allein durch ein Vertrauen in den Markt erreichen.

Daher darf es meiner Ansicht nach ein „Weiter so“ in der Politik nicht geben. Jeder sollte sich gut überlegen, welcher Partei und welchen Kandidaten sie oder er bei der Bundestagswahl ihre oder seine Stimme gibt. Fast alle Parteien versprechen, dass es ein „Weiter so“ nicht geben darf, aber es gibt sicherlich Parteien und Kandidaten, bei denen das Risiko eines „Weiter so“ deutlich höher ist als bei anderen.

Hier sollte jeder bei der Bundestagswahl eine sehr bewusste und gut überlegte Entscheidung treffen! Erwin Tenhumberg, Schwetzingen

Amerika, Afghanistan und die Wahl

Viele werden sich fragen, was haben Amerika und Afghanistan mit der Wahl zu tun. Aus meiner Sicht gibt es da gedankliche Zusammenhänge. Die möchte etwas näher beschreiben. Amerika als Führungsnation der demokratisch geführten Länder auf der Erde wurde mit den entsetzlichen Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington von Terroristen angegriffen und daraus resultierte der erste nach Artikel fünf der Nato-Statuten ausgerufene gemeinsame Verteidigungsfall. In der Folge kam es zum Einmarsch in Afghanistan und im Laufe der Zeit zur Beseitigung der für die Anschläge verantwortlichen Drahtzieher.

Eine der Zielsetzungen war es, dass Afghanistan nicht mehr als Basis von Ausbildungslagern für internationale Terroristen dienen sollte. Das zweite Ziel war die Bestrebung, in Afghanistan demokratische Strukturen aufzubauen, um den Afghanen eine Zukunft zu ermöglichen, in Eigenbestimmung nach demokratischen Regeln leben zu können. Diese Zielsetzung war aber meines Erachtens nie konkret in einem gemeinsamen strategischen Masterplan der Verbündeten enthalten, sondern jeder der Verbündeten machte es in seinem kontrollierten Gebiet so, wie er es für richtig hielt. Die Einbeziehung großer Teile der afghanischen Bevölkerung war vermutlich aufgrund hoher sprachlicher und kultureller Hürden sehr begrenzt. Also haben sich die Verbündeten auf wenige Bereiche konzentriert, in denen die gesellschaftlichen Eliten des Landes zu Hause waren. Von dort aus hat man dann versucht, durch die Installation von gewählten Vertretern die demokratische Bewegung über das weite Land zu verbreiten. Aus heutiger Sicht leider ohne Erfolg.

Die afghanischen Eliten hätten nach meiner Meinung in den letzten 20 Jahren schon die Wahl gehabt, wenn sie denn von dem demokratischen System überzeugt gewesen wären, dieses in der Breite der Bevölkerung zu etablieren. Nur habe ich den laienhaften Eindruck aus der Ferne, dass dies von vielen Afghanen – aus welchen Gründen auch immer – gar nicht gewollt war und ist. Sie wollten nicht eine andere Lebensform aufdoktriniert bekommen.

Also haben sich die Verbündeten in den letzten mehr als zehn Jahren, darauf konzentriert, afghanische Sicherheitskräfte auszubilden und Führungsstrukturen aufzubauen, die es ermöglichten, dass sich die Afghanen selbst verteidigen können. Wenn die Zahlen stimmen, die ich gelesen habe, waren dies zum Schluss mehr als 300 000 Mann.

Dann hat Amerika entschieden, nach nunmehr 20 Jahren seine Truppen aus Afghanistan abzuziehen, was natürlich zur Folge hatte, dass auch alle Verbündeten sich zum gleichen Zeitpunkt aus Afghanistan zurückgezogen haben.

Nun komme ich wieder zurück auf die Wahl. Die Afghanen hatten meiner Ansicht nach schon die Wahl, für die errungene Freiheit zu kämpfen und sie zu verteidigen oder das Feld anderen Kräften zu überlassen. Nach meiner Überzeugung war die große Mehrheit der afghanischen Bevölkerung nicht für die Fortsetzung des Demokratisierungsprozesses.

Im Gegenteil, große Teile der Bevölkerung und der afghanischen Sicherheitskräfte haben mit den Taliban zusammengearbeitet oder sie zumindest geduldet. Zu einer anderen Schlussfolgerung kann ich nicht kommen, denn aus der rund 300 000 Mann starken Gruppe der Sicherheitskräfte kam es zu keinem Widerstand gegenüber den Taliban, sondern nur zu Schlüsselübergaben und Auslieferungen ihrer Ausrüstungsgegenstände. Insofern bin ich der gleichen Meinung wie der amerikanische Präsident Joe Biden, dass es nicht sein kann, dass Soldaten der Verbündeten für die Freiheit der Afghanen kämpfen sollen, wenn es die Afghanen selbst nicht tun wollen.

Die Wahl der afghanischen Bevölkerung ist gegen das demokratische System ausgefallen. Das ist traurig, aber im Endeffekt die Realität.

Und nun kommen wir zu unserer Wahl, die in Kürze ansteht. Auch bei uns gibt es Kräfte, die alles daran setzen, um unser demokratisches System zu untergraben und auszuhöhlen. Mit plumpen Parolen wird das nicht mehr gemacht. Es sind vielmehr ausgefeilte Kampagnen mit Halbwahrheiten und Fake News, die der Bevölkerung suggerieren wollen, dass all unsere Politiker korrupt und abgehoben sind und keinen Kontakt mehr zum Volk haben und nur noch in die eigene Tasche wirtschaften.

Bei einer kleinen Zahl von Politikern trifft das bestimmt zu, aber unser demokratisches System ist so aufgebaut, dass diese Damen und Herren, sobald sie aufgeflogen sind, auch schnell aus ihren Ämtern entfernt werden. Bei der anstehenden Wahl kommt es wie immer darauf an, dass man sein Wahlrecht auch wahrnimmt. Je höher die Wahlbeteiligung ist, desto geringer ist der Anteil, den die demokratiefeindlichen Parteien erzielen können.

Also liebe Mitbürger, nun haben wir die Wahl. Derjenige, der nicht hingeht und unsere Demokratie damit aktiv unterstützt, braucht sich anschließend nicht darüber zu beschweren, dass es nicht so läuft, wie er es sich vorgestellt hat.

Manfred Döring, Brühl

Kritische Haltung zur EU fehlt

Keine der etablierten Parteien nimmt eine kritische Haltung zur EU-Politik und der Politik der Europäischen Zentralbank ein, ebenso nicht zur Digitalisierung, die einige Bevölkerungsgruppen ausschließt, da sie sich die Digitalisierung nicht leisten können. Digitalisierung macht zudem dumm und der Datenschutz wird durchlöchert. Schon heute stelle ich fest, dass manche Bürger nicht mehr in der Lage sind, zehn Posten zu addieren, noch weniger im Kopf zu rechnen.

Christine Lagarde von der EZB weist die Kritik der Banken an ihrer Minuszinspolitik zurück mit den Worten, sie würden ohnehin die Kosten an die Bankkunden weitergeben. Das ist zynisch und sehr bürgerunfreundlich.

Marlies Böcker-Stastny,

Hockenheim

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