Freude über Rückkehr zu den Gottesdiensten!

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Gleichgültigkeit zerstört die Chance auf gutes Zusammenleben – diese These vertritt dieser Leser:

Klagen über den Rückgang der Kirchenbesucher sind so berechtigt wie banal. Niemand weiß das besser als die kirchentreuen Christen. Sonntag für Sonntag begegnen sie denselben mitfühlenden Brüdern und Schwestern. Wenn sie sich beim Friedensgruß umwenden, lächeln sie einander eher schmerzlich als fröhlich zu und fragen sich: „Warum lassen uns die Jungen allein?“

Wenn sich Umweltschützer als „Letzte Generation“ bezeichnen, wissen sie nicht, was sie sagen. Ihr Leben liegt doch noch vor ihnen. Und die ganze Republik beachtet sie. Aber wir Alten? Wir werden ständig älter. Das ist zwar der Lauf der Welt, aber die hat Gott, ihr Schöpfer, am siebten Tag „sehr gut“ genannt. Wir aber loben ihn immer weniger.

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Veröffentlicht
Von
Stefan M. Dettlinger
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Die Klagen der Alten verhallen ungehört, Randalierer hingegen werden beachtet, doch oft auch als Terroristen beschimpft. Ihnen nachzueifern, das kommt Gläubigen nicht in den Sinn. Polizisten mit Raketen zu beschießen, das verstößt fundamental gegen ihre Grundüberzeugungen, besonders Jesus goldener Regel: „Handle so, wie Du willst, dass andere Dich behandeln.“

Was soll man nun den beiden Generationen sagen? Das Beste wäre, voneinander zu lernen. Zum Beispiel, indem man Gespräche sucht, etwa über den Glauben selbst, das Recht, das gute Zusammenleben und auch die Wissenschaften.

Beginnen wir mit der Religion, so stoßen wir sehr rasch auf den Begriff Säkularisierung. Sie ist an die Stelle des selbstverständlichen Dienstes der Menschen für andere und für Gott getreten, den er schon Abraham anvertraut hatte.

Bis ins 19. Jahrhundert haben Gläubige, Schulen und Spitäler gegründet, sich in Epidemien oft selbst angesteckt und ihr Leben verloren. Diese Fürsorge haben heute die Staaten übernommen. In Europa und in der Dritten Welt. Überall. Aber mit Lücken, die in einer weltweiten Verantwortung geschlossen werden. Nicht nur von Christen.

Fragen wir deutsche Bürger nach den Grundlagen dieses Zusammenspiels, dann staunen die meisten. Nur wenige wissen, dass ihre Verfassung durch zwei unaufhebbare Grundrechte (Artikel 4.3 und 7.3) die Freiheit des Glaubens schützt.

Alle Kinder, Christen, Juden oder Muslime haben in der Schule den Anspruch auf eine breite Information über Religionen, um sich frei zwischen ihnen entscheiden zu können. Wer diese Möglichkeit nicht nutzt, wird geistig ärmer und muss sich zumindest Gleichgültigkeit vorhalten lassen.

Auf dem Feld der Wissenschaften gab es einen gewaltigen Aufstieg. Kopernikus hat das von der Theologie verteidigte Weltbild widerlegt und weitere Fortschritte angestoßen. Das derzeit jüngste Weltbild verdankt die Welt vermutlich dem Chemiker und Physiker Max Planck, der den Zeitpunkt und die Länge des entstehenden Universums berechnet hat. Auf einen unvorstellbar kleinen Zeitraum und eine winzige Länge genau. Beide zusammen werden übrigens „Planck’sche Mauer“ genannt, über die hinaus es kein sicheres Wissen gibt.

Nun darf es aber, wie gesagt, keinen Zwang geben, sich mit Religionen, mit Recht und Wissenschaften zu befassen. Gleichzeitig aber ist ein Leben ohne Konflikte nicht vorstellbar. Sie verlangen Aufmerksamkeit, zwar nicht ständig, aber immer wieder. Und wenn die Ergebnisse überzeugen, sollte das den Mut wecken, sich mit ihren Wurzeln zu befassen.

Es ist anzustreben, Konflikte einzugrenzen, Wege des Ausgleichs und des bewusst gestalteten Friedens zu finden. Am sinnvollsten scheint es dabei, in den Gemeinden zu beginnen – mit ökumenischen Gottesdiensten und übersichtlichen Teilnehmerzahlen. Vor allem aber mit allen Generationen. So wie die Politik von kleineren zu größeren Einheiten, etwa einer ganzen Konfession, aufsteigt.

Gelingt dies, müssten global die unterschiedlich orientierten Staaten einbezogen werden. Bei weltweiten Aufgaben, wie Frieden und Schutz des Lebens, kann es nur umfassende Lösungen geben. Wenn die Welt in Gefahr ist, müssen sich alle anderen für deren Überwindung beteiligen – über alle sozialen und politischen Richtungen hinweg. Beginnend in ökumenischen Gottesdiensten. Dabei dürfte kein Vorschlag übergangen werden, wie gering seine Erfolgschancen auch sein mögen.

Helmut Mehrer, Brühl