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Verkehrskreisel sind innerstädtisch keine Klimaschützer

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Zu unserem Artikel „Kreisel können Klimaschützer sein“ in der Ausgabe vom 17. August wird uns geschrieben:

Ulrich Pfeiffer, der fast jede Woche einmal seinen grünen Parteifreund Manfred „Manne“ Lucha zum Rücktritt auffordert, macht sich nicht nur Sorgen um Ampelanlagen. In einer Heidelberger Zeitung schimpft er in mehreren Leserbriefen auch über die temporäre Umnutzung des „Faulen Pelzes“ in eine Entzugsklinik. Ihn schert es nicht, dass Straftäter – hochgefährlich und drogensüchtig – weiterhin über unsere Straßen laufen und keinen Therapieplatz bekommen. Er unterstützt dabei die unnötige Blockadehaltung der Heidelberger Stadtverwaltung.

In Schwetzingen hätte Pfeiffer gerne die Ampelanlage am Bellamar durch einen Minikreisel ersetzt. Das ist ebenso falsch und nicht faktenbasiert. An der Uni Dresden wurden fahrzeugtypabhängige CO2-Emissionen an Lichtsignalanlagen und in Kreisverkehren gemessen und verglichen. Bei einer mittleren Verkehrsstärke von 1500 Kraftfahrzeugen pro Stunde fällt auf, dass die geringsten Emissionen an einer Lichtsignalanlage und der höchste Ausstoß an einem Kreisverkehr gemessen wurden. Beinahe zum gleichen Ergebnis führt die Betrachtung mit 1000 Kraftfahrzeugen pro Stunde.

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Aus diesen Daten lässt sich erkennen, dass je nach Verkehrsstärke und Fahrzeugtyp zwischen 53 Kilogramm CO2 vom Elektro-Pkw und 214 Kilogramm CO2 vom herkömmlichen Pkw am Kreisverkehr ausgestoßen werden.

Der indirekte CO2-Ausstoß eines Elektro-Pkw beträgt in diesen Berechnungen nur zirka 60 Prozent dessen, was ein herkömmlicher Ottomotor verursacht. Der Kreisel rettet also nicht das Klima, sondern die Elektromobilität.

Pfeiffer bedauert beim Kreis, wie bei der Stadt ins Leere zu laufen. Zurecht, denn Fußgänger haben nur Vorrang vor Fahrzeugen im Kreisverkehr, die ausfahren. Ausnahme, wenn sich unmittelbar vor dem Kreisverkehr ein Zebrastreifen befindet, gilt der Vorrang der Fußgänger sowohl für Autofahrer, die in den Kreisverkehr einfahren, als auch für diejenigen, die ihn verlassen. Im geforderten Minikreisel gibt es somit Sicherheitsprobleme. Wie bei großen Kreisverkehren wird die Priorität auf den motorisierten Verkehrsfluss gelegt. Das erschwert insbesondere Schulkindern, blinden und stark sehbehinderten Fußgängern die selbstständige Teilnahme am Straßenverkehr ganz erheblich. Die Verkehrsströme können akustisch nicht erfasst und zugeordnet werden. Es steht kein Wechsel zwischen stehendem und fließendem Verkehr als Orientierung zur Verfügung.

Ulrich Pfeiffer glaubt, dass unter den veränderten Bedingungen sogar mehr Rücksicht aufeinander genommen wird. Das sieht man am Verkehrsversuch „Rondell“. Hier gibt es rote Fahrradstreifen im Kreisel. Viele Studien haben aber nachgewiesen, dass diese gefährlicher sind und es in diesem Fall sogar besser wäre, lieber ganz auf sie zu verzichten.

Der Fahrradstreifen erzeugt nämlich ein falsches Gefühl der Sicherheit. Tatsächlich wird eine weitere Spur hinzugefügt und die Anzahl der Konfliktpunkte somit verdoppelt. Autos können Radfahrer überholen und schneiden. Außerdem zwingt ein Fahrradstreifen den Radfahrer an den Straßenrand. Dadurch entsteht der Eindruck, dass dieser den Kreisel verlassen möchte, auch wenn er weiterfährt.

Norbert Theobald,

Schwetzingen

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