Immobilienmarkt - In den drei größten Städten der Region wächst die Zahl der Büroflächen weiter / Flexible Konzepte gefragt Mehr Büros – trotz Homeoffice

Von 
Bettina Eschbacher
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Die Konzernzentrale von HeidelbergCement bietet auch offene Flächen zum kreativen Austausch. © HeidelbergCement

Mannheim/Heidelberg. Auf über vier Millionen Quadratmeter ist die Bürofläche 2020 in den drei größten Städten der Metropolregion Rhein-Neckar gestiegen – das Coronavirus hat sich bisher kaum auf diesen Büromarkt ausgewirkt. „Die Entwicklung ist stabil“, sagt Sabine Kapp, Referentin für Standort-Marketing der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH. Auch für das laufende Jahr sei ein ähnliches Niveau zu erwarten.

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Das belegt die bundesweite gif-Büromarkterhebung der Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung. Sie analysiert bundesweit 13 große Bürostandorte, aus der Rhein-Neckar-Region sind die Oberzentren Heidelberg, Ludwigshafen und Mannheim dabei. Die drei zählen zum Segment der B-Städte, also zu den wichtigsten Standorten hinter den ganz großen bundesweiten Zentren.

Immobilienexpertin Kapp hält es zwar durchaus für möglich, dass der Corona-bedingte Trend zu mehr Homeoffice künftig den Büromarkt beeinflussen könnte. Wie stark werde sich aber erst in einigen Jahren zeigen, weil Bauprojekte langen Vorlauf haben. Es hänge auch sehr von der Branche ab.„Es ist schwer zu sagen, wie sich der Homeoffice-Einfluss konkret entwickelt“, so Kapp.

In den vergangenen Jahren habe sich die Bürofläche pro Mitarbeitendem mehr und mehr reduziert. Wenn aber wegen des Coronavirus künftig stärker auf Abstände im Büro geachtet werden müsse, könnte sich diese Entwicklung auch umkehren. „Durch die Pandemie-bedingten größeren Abstandsregeln könnte sich Flächenbedarf und -entwicklung die Waage halten“, so Kapp.

Täglich wechselnder Bedarf

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Auf jeden Fall werde Homeoffice auch nach der Pandemie genutzt werden, aber wohl in geringerem Ausmaß. Für Büroimmobilien bedeute das, dass mehr und mehr flexible Konzepte gefragt sind, die auf täglich wechselnden Bedarf vorbereitet sind. „Dieser Trend hat sich durch Corona verstärkt“, so Kapp. Sie rechnet damit, dass sich in den Büros Mischformen aus Team- und Einzelplätzen durchsetzen werden.

„Die Herausforderung wird sein, diese neuen Mischformen in bauliche Konzepte umzusetzen“, sagt Kapp. Ähnlich sieht man das bei der Mannheimer Diringer & Scheidel-Gruppe. Das Unternehmen baut zum Beispiel das LIV-Projekt im Mannheimer Glückstein-Quartier fertig, das neben Wohnungen rund 8600 Quadratmeter Mietfläche vorsieht – eines der größten Büropakete, die 2021 dazukommen. „Sehr wahrscheinlich werden Mischformen der tageweisen Beschäftigung ,in’ und ,out’ zunehmen“, so eine Sprecherin. Insofern müsse das Augenmerk in der künftigen Projektentwicklung zunächst „auf einer maximal flexiblen Nutzung von Neubauflächen liegen“. Die Sprecherin betonte, dass die künftige Nachfrage nach Büros stark von der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland und weltweit abhänge.

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Auch offene Kommunikationsbereiche, die Austausch und gemeinsames Arbeiten fördern, gehören Kapp zufolge zu den neuen Konzepten dazu. Sie ist sicher, dass diese neuen Konzepte die klassischen Büros ablösen werden. Ein Beispiel für diese neuen, offeneren Bürovarianten liefert die 2020 fertiggestelle Konzernzentrale von HeidelbergCement. Mit 42 000 Quadratmetern war die neue Hauptverwaltung des Zementherstellers auch der größte Einzelposten bei Heidelberger Büroprojekten.

Größeres Angebot, mehr Leerstand

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Die Region mit den drei Oberzentren kann sich im bundesweiten Vergleich sehen lassen: Gegenüber dem Vorjahr wurden hier mit 123 000 beinahe doppelt so viele Quadratmeter neue Büroflächen fertiggestellt wie 2019. Bundesweit waren das mehr als 50 Prozent des Fertigstellungsvolumens aller B-Standorte. Für das laufende Jahr werden in den drei Städten Fertigstellungen von 68 000 Quadratmetern erwartet.

Größter Büromarkt der Region bleibt Mannheim. Hier sind auch die Spitzenmieten noch einmal auf 18,90 Euro pro Quadratmeter angestiegen. Damit bleibt Mannheim bei den B-Standorten auf Platz zwei hinter Bonn. Die Durchschnittsmieten gingen leicht zurück auf 13,40 Euro pro Quadratmeter. Während in Heidelberg sowohl Spitzen- als auch Durchschnittsmiete leicht anstiegen, sanken beide Werte in Ludwigshafen. In allen drei Städten stieg die Leerstandsquote, der Anteil der nicht vermieteten Büros. Das sei aber kein Anlass zur Sorge, erklärt Kapp, sondern sei unter anderem eine Folge der stark gestiegenen zusätzlichen Büroflächen.

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Redaktion Bettina Eschbacher ist die Koordinatorin Wirtschaft und Wirtschaftsredakteurin.

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